Gratisaktion - ein erstes Fazit
Montag, 20. August 2012
Im letzten Beitrag auf diesem Blog habe ich ausführlich begründet, warum ich eine Gratisaktion mit meinem historischen Kriminalroman „Codewort Rothenburg“ durchgeführt habe. Nun ist es Zeit für ein erstes, natürlich noch mit Vorsicht zu genießendes Fazit. Endgültig wird man den Effekt erst in ein paar Wochen messen können, erste Schlüsse sind aber schon heute möglich.
Ich hatte die Aktion bewusst für den 14. und 15. August geplant. Es mag ja sein, dass es nur Kaffeesatzleserei ist, aber seit Jahren hält sich auf unterschiedlichen Onlineplattformen - vor allem bei eBay - das Gerücht, Dienstag sei der verkaufsstärkste Tag. Also startete ich dienstags.
Im Vorfeld hatte ich die Aktion bei allen wichtigen „Gratisplattformen“ angemeldet und auf diversen Kindleforen angekündigt. Eine Liste dazu findet sich hier.
Amazon sitzt in Seattle und deshalb beginnen Gratisaktionen gegen 0 Uhr „Pacific Standard Time“ - sprich 9 Uhr morgens bei uns. In der Praxis war es kurz nach zehn, als „Codewort Rothenburg“ umsonst zu haben war. Es begann relativ schleppend, in der ersten Stunde waren es gerade mal 33 Downloads.
Gegen 13:30 Uhr tauchte „Codewort Rothenburg“ das erste Mal in den (Kostenlos-)Ranglisten auf.
Nr. 5 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Historische Romane:
Nr. 9 in Kindle-Shop > eBooks > Krimis & Thriller
Anderthalb Stunden später sah das schon so aus.
#39 Kostenfrei in Kindle-Shop
Nr. 1 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Historische Romane:
Nr. 5 in Kindle-Shop > eBooks > Krimis & Thriller
Nun konnte man fast zuschauen, wie der Donwloadticker ratterte und das Buch in den Charts nach oben kletterte. Gegen 23 Uhr am Abend mit folgendem Resultat:
#2 Kostenfrei in Kindle-Shop
Nr. 1 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Historische Romane:
Nr. 1 in Kindle-Shop > eBooks > Krimis & Thriller
Über Nacht wurden zwar rund 1000 Downloads gezählt, das Ranking war am Morgen des zweiten Aktionstages aber unverändert. Gegen 12:30 Uhr war es endlich soweit. Das Buch stand in den relevanten Charts auf Platz eins und vor allem hieß es auch: #1 Kostenfrei in Kindle-Shop
Damit war das Ziel, einen bis dahin unbekannten Titel sichtbar zu machen, also quasi ins Schaufenster zu stellen, erreicht. Hier hätte ich die Aktion abbrechen können, denn mehr als Platz 1 war ja nicht möglich. Leider hatte ich den Fehler gemacht, in vielen Foren zwei Gratistage anzukündigen, und mir damit diese Flexibilität geraubt. Also ging es munter weiter, die Downloads blieben auf hohem Niveau und die Platzierungen änderten sich bis zum Ende der Aktion um kurz nach zehn Uhr am 16. August nicht mehr: Nummer 1 in allen relevanten Kategorien. Die genaue Zahl der Downloads verkneife ich mir hier mal mit Blick auf die Geschäftsbedingungen von Amazon. Nur so viel: die erste Ziffer war 5.
Jetzt begann das Warten. Würde die Aktion zu nennenswerten Verkäufen führen? Und wo landete das Buch in den Rankings? Den der bezahlten Bücher wohlgemerkt!
Der Anfang war ernüchternd, denn die erste Platzierung gegen 13:30 Uhr lautete 40.482 und war damit schlechter als vor der Aktion. Etwa drei Stunden später sah das ganze dann schon viel freundlicher aus:
#297 Bezahlt in Kindle-Shop
Nr. 21 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Historische Romane
Nr. 65 in Bücher > Belletristik > Historische Romane
Nr. 100 in Kindle-Shop > eBooks > Krimis & Thriller
So konnte es weiter gehen. Tat es aber nicht. Fast den ganzen nächsten Tag gab es keine Verkäufe und am Abend des 17. August war „Codewort Rothenburg“ auf Platz 709 zurückgefallen und nur noch in einer Kategorie in den TOP 100.
Am darauffolgenden Samstagmorgen sparte ich mir einen frühen Blick auf das Desaster, nach einem ausgiebigen Frühstück würde ich die Enttäuschung besser verkraften. Und dann kam die Überraschung. Gegen halb zwölf sah das Ranking wie folgt aus:
#76 Bezahlt in Kindle-Shop
Nr. 2 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Historische Romane
Nr. 4 in Bücher > Belletristik > Historische Romane
Nr. 25 in Kindle-Shop > eBooks > Krimis & Thriller
Von nun an ging‘s ein bisschen rauf und runter, tendenziell aber bergauf. Der aktuelle Stand:
#25 Bezahlt in Kindle-Shop
Nr. 1 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Historische Romane
Nr. 2 in Bücher > Belletristik > Historische Romane
Nr. 8 in Kindle-Shop > eBooks > Krimis & Thriller
Lassen sich aus diesen Zahlen jetzt allgemeine Schlüsse ziehen? Vermutlich nicht allzu viele. Wahrscheinlich habe ich einfach ein paar Dinge richtig gemacht, ohne es überhaupt zu wissen. Ich habe die Aktion erst gestartet, als das Buch bereits sechs gute bis sehr gute Rezensionen hatte und in verschiedenen Bücherblogs besprochen worden war. Ich habe die Tage intensiv auf Facebook, Twitter und Xing begleitet. Möglicherweise habe ich genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, in den meisten Bundesländern gehen die Sommerferien zu Ende oder sind schon beendet. Wobei man hier schon geteilter Meinung sein kann. Vergleiche ich die Zahlen mit den Gratisaktionen einiger Kollegen, brauchte ich viele Downloads, um in den kostenlosen Ranglisten nach oben zu kommen. Vor allem aber: Um eine hohe Position in den VK-Charts zu erreichen, sind heute signifikant mehr Verkäufe nötig, als Anfang des Jahres. Das darf man allerdings nicht negativ bewerten, zeigt es doch nur die steigende Bedeutung des E-Book-Markts.
Etwas steht für mich aber fest: Die beste Marketingplattform für E-Books von unabhängigen Autoren ist immer noch Amazon selbst. Oder, wie es ein Kollege jüngst einmal ausdrückte: „Das einzige was zählt, sind Charts, Charts, Charts.“
Mit einer Gratisaktion bekommt man hier eine Chance - aber sicher keine Garantie auf Erfolg.
Geschrieben von Matthias Brömmelhaus
in Béla Bolten schreibt
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15:23
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Umsonst und legal
Montag, 13. August 2012
»Bist du verrückt! Du kannst doch deine Arbeit nicht verschenken!«
So oder so ähnlich reagierten in den vergangenen Tagen viele Freunde und Bekannte auf die Ankündigung, meinen historischen Kriminalroman »Codewort Rothenburg« bei Amazon zu verschenken. Zwei ganze Tage lang. - genauer am 14. und 15. August 2012 - wird es das E-Book umsonst, gratis, für umme geben.
Der Gegenargumente waren viele und am gewichtigsten war der Hinweis, dass ich mich doch auch sonst mit Händen und Füßen gegen jedes an mich herangetragene Ansinnen verwehren würde, umsonst zu arbeiten. Und für dieses Buch hätte ich schließlich ziemlich geschuftet. Stimmt - und Geld für die Covergestaltung und das Lektorat habe ich auch noch investiert. Trotzdem habe ich mich für diese Gratisaktion entschieden, denn ich sehe sie als Maßnahme zur Verkaufsförderung. Wer als unbekannter Autor auf dem Massenbuchmarkt überhaupt bemerkt werden möchte, muss zu ungewöhnlichen Mitteln greifen - es sei denn er verfügt über erhebliche Geldmittel und kann die Aufmerksamkeit potenzieller Leser somit kaufen. Dieser Weg ist mir verschlossen, also muss ich etwas anderes investieren. Zeit und Arbeit zum Beispiel, indem ich Blogartikel verfasse, mich in sozialen Netzwerken tummele, mit Buchbloggern kommuniziere, Wohnzimmerlesungen auf Video aufzeichne und bei Youtube einstelle und, und, und. All das kostet meine Arbeitszeit und für mich persönlich berechne ich zwischendurch auch immer wieder, wie viel ich in ein Projekt investiert habe und ob daraus eine Rendite erwachsen ist.
Bei der Gratisaktion auf Amazon ist es im Prinzip das Gleiche. Ich investierte Arbeitszeit, in diesem Fall beim Schreiben des Buches bereits geleistete. Der eine oder andere, der sich mein Buch in den zwei Tagen gratis auf seinen E-Book-Reader lädt, hätte es über kurz oder lang auch gekauft. Wie viele das sind, lässt sich niemals mit Sicherheit sagen und damit bleibt auch im Dunkeln, wie viel ich in Euro und Cent tatsächlich in diese Werbeaktion investiere. Auch das Ergebnis lässt sich nicht vorhersagen, aber das gilt ja für jede Werbeaktion. Im besten Fall rutscht »Codewort Rothenburg« in der Amazon Bestsellerliste der kostenlosen Bücher im Laufe der Aktion so weit nach oben, dass es für kurze Zeit einem Massenpublikum tatsächlich sichtbar ist. Es läge dann quasi im Schaufenster - und zwar an exponierter Stelle. Aus diesem Grund tritt ja auch die paradoxe Situation ein, dass sich der Autor in diesen Aktionstagen über jedes gratis heruntergeladene Buch freut. Je mehr, desto besser, denn nur so klettert man in den Charts.
Ob es am Ende Verkäufe bringt? Wir werden sehen, eine Garantie gibt es nicht. Es gibt Erfolgsgeschichten, die mit Gratisaktionen begonnen haben und es gibt Fälle, in denen der Effekt fast gleich Null war. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Also dann: Hier geht es zur Gratisaktion. Sie beginnt am morgigen Dienstag, 14. August, im Laufe des Vormittages (ab 9 Uhr, aber Amazon lässt sich manchmal auch etwas Zeit) und endet am 16. August ebenfalls gegen 9 Uhr. Das angebotene Kindle E-Book hat übrigens keinen Kopierschutz und kann deshalb mit der kostenlosen Software Calibre spielend einfach und absolut legal in ein ePub für andere E-Book-Reader umgewandelt werden. Auch wer gar kein spezielles Lesegerät besitzt, geht nicht leer aus, denn Amazon bietet kostenlose Leseapps für PC, iPad und Co.
Geschrieben von Matthias Brömmelhaus
in Béla Bolten schreibt
um
13:43
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Raus aus der Schublade
Donnerstag, 2. August 2012
Kürzlich unterhielten wir uns in fröhlicher Runde über Dinge, die wir unbedingt noch einmal tun oder erleben wollen. Mir entfuhr spontan der Seufzer: »Ein einziges Mal Tom Waits auf der Bühne sehen ...«
Eine der anwesenden Damen schaute mich entgeistert an: »Aber du bist doch Opernfan.«
Ich verstand zuerst nicht, was dieser Einwand sollte. Dann begriff ich: Freunde der Oper gehen nicht in Rockkonzerte. Das gehört sich nicht, denn der gute deutsche Mensch jenseits der Vierzig hat sich geflissentlich in eine Schublade zur Ruhe zu begeben. Wer sich dem verweigert, irritiert seine Umwelt. Ich tue das gerne. Schaue im Internet nach Restkarten für die Salzburger Festspiele und buche dann doch ein Ticket für ein Bundesligaspiel in einem Stadion, das jetzt nach einem Bier heißt, das mir noch nie geschmeckt hat. Apropos Bier: Ich liebe guten Wein, aber am Sonntagmorgen zur Weißwurst schmeckt nur ein Weißbier. Und für ein belgisches Trapistenbier verschmähe ich selbst einen Rioja.
Ich liebe das Kino UND gehe gerne ins Theater, ich lese Kriminalromane UND Jonathan Franzen. Mein Leben besteht aus lauter »und«. Ich mag kein »Entweder-oder«, sperre mich gegen Vereinnahmung und Beschränkung. Ich mag es bunt, nicht schwarz-weiß. Auch beim Schreiben, was ein Problem sein könnte. Denn wie erkläre ich dem geneigten Publikum, dass ich nach der Publikation von »Codewort Rothenburg« nicht einen zeithistorischen Kriminalroman nach dem anderen schreiben werde? Vielleicht schreibe ich sogar keinen einzigen mehr, auf jeden Fall spielt mein nächstes Buch in der Gegenwart - und passt natürlich auch in keine Schublade. Es geht um das Christentum, Kardinäle und sonstige Exzellenzen treten auf, ein Teil der Handlung spielt in Rom, sogar Reliquien spielen eine Rolle - und doch ist es kein Vatikanthriller, sondern eher ein Roman um Manipulation und Verführbarkeit.
Als ich das in oben genannter Runde andeutete, sah ich nur Kopfschütteln. »Du bist verrückt! Schreib doch eine Fortsetzung von »Codewort Rothenburg«. Was passiert mit Axel Daut und seiner Familie? Das ist doch spannend! Da gibt es doch Stoff genug!«
Mag sein, für mich ist diese Geschichte aber im Moment auserzählt. Auf meiner Festplatte liegt zwar ein Grobplot für einen zweiten Roman mit dem Protagonisten, aber jetzt hat mich diese andere Geschichte gepackt, sie muss raus, will erzählt werden. Aus ökonomischer Sicht ist das vermutlich falsch, widerspricht es doch dem Gedanken, sich als Marke mit einem bestimmten Kern (Béla Bolten = historischer Kriminalroman) zu inszenieren und die Erwartungshaltung des Publikums zu erfüllen.
Ich pfeif‘ drauf! Ich möchte meine Leser mit Geschichten unterhalten, die mir wichtig sind. Könnte das nicht auch ein Markenkern sein?
Geschrieben von Matthias Brömmelhaus
in Béla Bolten schreibt
um
14:55
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