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    <title type="html">Schreibtäter</title>
    <subtitle type="html">Meine Name ist Matthias Brömmelhaus, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Was die Anklage der Schreibtäterschaft angeht, bekenne ich mich schuldig. Das ganze Geständnis lesen...</subtitle>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2013-04-24T13:57:21Z</published>
        <updated>2013-05-10T15:38:56Z</updated>
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        <title type="html">Schreiben, lesen und das ganz normale Leben</title>
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                <div>Oft werde ich gefragt, wie denn eigentlich der normale Arbeitstag eines Autors aussieht. Meistens tue ich mich schwer damit, weil es darauf keine einfach Antwort gibt. Zu unterschiedlich die Auftragslagen, zu verschieden die Schreibwelten, in denen ich mich bewege. Und normal ist ohnehin eine Vokabel, die mir im Zusammenhang mit meinem Beruf als letzte einfällt. Im Moment zum Beispiel könnte man eher von Wahnsinn reden. Ich arbeite jeden Tag gleichzeitig an zwei Schreibaufträgen: Der Biografie eines in den sechziger Jahren nach Kanada ausgewanderten Unternehmers und einem biografischen Sachbuch über und von einem Mann, der in die Fänge einer evangelikalen Freikirche geriet und dort psychisch, physisch und finanziell ausgebeutet wurde. Zwei Buchthemen, die unterschiedlicher nicht sein können. Dazu kommt der nächste Fall für Béla Boltens Ermittler <a target="_blank" href="http://www.amazon.de/Leahs-Verm%C3%A4chtnis-ebook/dp/B00B2IB3ZK/">Berg und Thal</a>, der Mitte Juni erscheinen soll und an dessen Feinschliff ich sitze.</div> 
<div>Das wirklich irre dabei: Ich fühle mich pudelwohl. Ich genieße es, in völlig verschiedene reale und fiktionale Welten einzutauchen. Dabei kommt mir eine Konstante der Arbeit von Personal Historians zugute. Während es in Boltens Krimis auch Verlierer gibt und Gewalt oft bleibende Schäden hinterlässt, habe ich es als Biograf fast immer mit Menschen auf der Gewinnerseite zu tun. Sie sind ausgewandert, kamen aber nicht wie so viele nach einigen Jahren gescheitert und desillusioniert zurück, sondern bauten ein Unternehmen von Weltruf auf. Sie ließen sich auf der Suche nach Halt und Freundschaft auf die Heilsversprechen einer Sekte ein, wurden an Leib und Seele geschädigt, schafften aber den Ausstieg, der vielen niemals gelingt.</div> 
<div>Das Leben ist in diesen Geschichten eine Abfolge von Herausforderungen, aus denen Chancen erwachsen, die am Ende zum Gelingen des Ganzen führen - auch und vor allem dann, wenn es am Anfang nicht so aussah. Die Geschichten meiner Erzähler machen fast immer Mut, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Dazu passen die beiden Bücher, die ich in den letzten Wochen gelesen habe und die mich sehr beeindruckten. Interessanterweise stehen beide Titel in der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste - sage noch mal einer, dass es dort keine Perlen zu entdecken gäbe.&#160;</div> 
<div>In »<a target="_blank" href="http://www.amazon.de/Das-gro%C3%9Fe-Los-G%C3%BCnther-Million/dp/3813505049/">Das große Los</a>« schildert Meike Winnemuth wie sie, nachdem sie bei Jauch eine halbe Million gewonnen hatte, einfach losfuhr. Ein Jahr - zwölf Städte. In jeder Stadt ein Monat. Der Autorin gelingt es, ein wunderbares Reisebuch zu schreiben, in der es vor allem auch darum geht, was ein solches Abenteuer mit einem macht. Die Lektüre lohnt sich deshalb auch für alle, die gar nicht vorhaben nach Sydney, Mumbai, Buenos Aires oder London zu reisen, denn es ist ein Buch über das Leben.</div> 
<div>Wie es mir so oft mit Büchern passiert, passte es genau auf unsere momentane Situation. Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, dass meine Frau und ich jedes Jahr dem miesen deutschen Winter eine lange Nase zeigen und für mindestens zwei Monate den Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz in warme Gefilde auf der Südhalbkugel verlegen. Mit einer Ausnahme im vergangenen Jahr, als wir zehn Wochen in Neuseeland lebten, stand mein Schreibtisch in den letzten Jahren von Mitte Januar bis Mitte März auf Bali. Seit längerem stellen wir fest, dass unsere Liebe zu dieser Insel, auf die wir seit 23 Jahren immer wieder reisen, mehr und mehr erlischt. Die Gründe wären ein eigener Blogbeitrag, auf jeden Fall diskutieren wir seit Wochen über Alternativen, holen uns Rat von Freunden und Kollegen, die an anderen Orten auf dieser Welt »überwintern«. Für jeden Platz fand sich stets ein Für und Wider und so kamen wir nicht vom Fleck. Dabei war es so einfach: Bali konnte es nicht mehr sein, es wäre nur ein fauler Kompromiss aus Gewohnheit gewesen nach dem Motte »da wissen wir wenigstens, was wir bekommen«. Das konnte und sollte es nicht sein. Wir brauchen einen anderen, neuen Ort, um uns wie früher auf diese Winterflucht zu freuen, wenn der deutsche Frühling und Sommer mal wieder nur grün angestrichene Winter sind.</div> 
<div>Und jetzt las ich dieses Buch. Meike Winnemuth hatte die zwölf Städte in ein paar Minuten festgelegt, indem sie zwölf Namen auf einen Zettel schrieb, ohne sich darüber viele Gedanken zu machen. Was soll ich sagen: In zwei Tagen war unser Wunschziel gefunden und ein Apartment im thailändischen Hua Hin gebucht. Und noch etwas: Es liegt ein großes Blatt Papier auf dem Tisch, auf den wir die Namen aller Orte schreiben, in denen wir in den uns noch verbleibenden Lebensjahren - mehr als die Hälfte ist ja definitiv um - mindestens einen Monat leben wollen. Wir müssen sehr alt werden.</div> 
<div><br /></div> 
<div>Das zweite Buch, »<a target="_blank" href="http://www.amazon.de/Trafikant-Robert-Seethaler/dp/303695645X/">Der Trafikant</a>« von Robert Seethaler, ist ein berührendes, kleines Meisterstück. Mit großer Leichtigkeit erzählt es eine ungeheuerliche Geschichte. Es ist ein Roman über die Freundschaft und darüber, wie man sich das Menschsein in einer unmenschlichen Umwelt erhält. Als Autor zeithistorischer Stoffe machte mich die Lektüre zudem demütig - und das ist in diesen lauten Zeiten der Selbstvermarktung gut und wichtig. Wie der Autor Siegmund Freud in der Geschichte auftreten und mit dem Protagonisten Franz interagieren und diskutieren lässt, ist Zeugnis großer Meisterschaft. Lernen kann man nur von den Besten.</div> 
<div><br /></div> 
<div>So verwebt sich das eine mit dem anderen auf wunderbare Weise: Das Schreiben, das Lesen und das Leben.</div> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2013-03-07T09:15:45Z</published>
        <updated>2013-03-08T03:08:22Z</updated>
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        <title type="html">Aus Überzeugung Selbstverleger</title>
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                <div>Jetzt ist sie abgearbeitet, meine persönliche Backlist. Der letzte «Schubladenroman», der eigentlich der erste ist, denn ich schrieb ihn bereits 2004, erscheint in zehn Tagen. Wenn alles gut geht, heißt das, denn beim Selbstveröffentlichen steckt der Teufel oft im Detail. Ich will in diesem Blogbeitrag nicht detailliert über «Im Antlitz des Herrn» schreiben, auch wenn dieses Buch mir mindestens genauso am Herzen liegt wie meine erste E-Book-Veröffentlichung. Deshalb nur so viel: Es ist ein Thriller um fromme Legenden und historische Fakten, um Sein und Schein. Es geht um die Verführbarkeit selbst skeptischer Gelehrter durch einen religiös aufgeladenen archäologischen Fund, um das Spannungsverhältnis von Religion und Wissenschaft. Wenn man so will, ist «Im Antlitz des Herrn» ein Vatikanroman ohne Verschwörungstheorien und auch die Templer kommen nur in zwei Nebensätzen vor.&#160;</div>
<div>Die Überarbeitung war eine Heidenarbeit. Als ich den Roman nach Jahren das erste Mal wieder zur Hand nahm, dachte ich noch, mit ein paar kleineren Eingriffen dürfte es getan sein. Bald merkte ich, dass ein Handlungsstrang vollständig umgeschrieben werden musste, was weitreichende Konsequenzen auf den gesamten Plot hatte. Am Ende brauchte ich fast die kompletten zwei Monate meines Winteraufenthaltes auf Bali für die Überarbeitung. Jetzt, da die Arbeit getan ist, die Kommentare der Betaleser vielversprechend sind und ich nur noch auf die Anmerkungen des Endlektorats warte, fällt mir auf, wie sehr sich meine Einstellung zum nonfiktionalen Schreiben und Publizieren in den letzten Monaten verändert hat.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Ich erinnere mich noch gut, als ich vor acht Jahren das Wort Ende unter das Manuskript tippte. Der Roman hatte damals noch einen anderen Titel und ich dachte nicht eine Sekunde daran, ihn selbst zu veröffentlichen. Stattdessen feilte ich am Exposé, das ich zusammen mit einer längeren Leseprobe an Dutzende von Agenturen schickte. Immerhin zwei antworteten und forderten das komplette Manuskript an, eine meldete sich trotz Rückfragen meinerseits danach nie wieder, die anderen schickte eine Standardabsage. Also begann die zweite Aussendungsrunde, diesmal direkt an die Verlage. Große wie kleine. Das Ergebnis war das Gleiche: Nur wenige meldeten sich überhaupt und wenn, dann mit Formbriefen. Niemand war an dem interessiert, was ich geschrieben hatte. Ich ließ mich nicht entmutigen und schrieb weiter, versuchte es mit einem zeithistorischen und einem in der Gegenwart angesiedelten Kriminalroman. Ergebnis: Siehe oben - na ja, nicht ganz. Ein Kleinverlag hatte Interesse, die Konditionen trieben mir allerdings die Tränen in die Augen. <br /><br />Und dann kam Amazon mit seinem Kindle Direct Publishing und ich stellte zwei meiner Schubladenromane auf die Plattform und schrieb für Axel Daut, den in der NS-Zeit ermittelnden Polizeibeamten, einen zweiten Fall, weil die Leser vom ersten Buch begeistert waren und eine Fortsetzung forderten. Und damit sind wir beim Punkt, nämlich dem, was sich seitdem verändert hat.&#160;</div>
<div>Bis vor acht Monaten schrieb ich meine belletristischen Texte in der Hoffnung, einen Verlag zu finden, der mich erstens dafür bezahlt und zweitens Leser für meine Geschichten begeistert.</div>
<div>Heute schreibe ich, um Leser zu begeistern und Geld mit meinen Büchern zu verdienen. Über Verlage denke ich keine Sekunde mehr nach. Ich glaube kaum, dass ich als unbekannter Autorenneuling in meinem Genre mit einem Verlag mehr Leser gefunden hätte als auf dem Weg des Selbstpublizierens. In den vergangenen acht Monaten haben (Stand heute) knapp achttausend Menschen meine Bücher in elektronischer Form gekauft, dazu kommen knapp zweihundert Taschenbuchverkäufe. Wohlgemerkt: Gekauft, nicht umsonst heruntergeladen. Hätte ich über einen Verlag publiziert, wäre gerade einmal ein Titel auf dem Markt - und würde vermutlich inzwischen schon wieder verramscht. Ob es einen zweiten gäbe?&#160;</div>
<div>Und die Auflage? Höher wäre sie garantiert nicht, realistisch läge sie bei einem Kleinverlag nicht einmal weit über der selbst abgesetzten Taschenbuchauflage.&#160;</div>
<div>Und mein Verdienst? Angesichts der vor allem für Neuautoren eingebrochenen Vorschüsse und der lächerlichen prozentualen Tantiemen habe ich selbst nach Abzug meiner Vorleistungen als Selbstverleger deutlich mehr verdient. Darüber hinaus darf ich auf einen Longtail hoffen. Meine Romane landen nicht auf den Wühltischen und werden schlussendlich völlig vom Markt genommen. Sie verkaufen sich weiter - und das nicht schlecht.&#160;</div>
<div>Natürlich mag man nun einwenden: Aber du bist nicht im stationären Buchhandel präsent. Das stimmt - und es ist mir gleichgültig. Welche Buchhandlung würde meine Titel, also die eines unbekannten, vielleicht auch noch in einem Kleinverlag veröffentlichten Autors, ins Regal stellen und prominent platzieren? Genau! Der geneigte Leser müsste schon explizit nach einem Roman von Béla Bolten fragen. Wie viele Exemplare verkaufte ich dann wohl? Die Auflagenhöhen der meisten in Deutschland veröffentlichen Romane geben die Antwort. Erfolgreich wäre ich hier nur, wenn meine Titel in einem der großen Publikumsverlage erschienen - vorausgesetzt, er würde sie auch noch dementsprechend bewerben. Ich habe mich immer geweigert, Lotto zu spielen.</div>
<div>Bleibt die Frage: Würde ich das Angebot eines renommierten Publikumsverlages ablehnen, meine Bücher ins Programm zu nehmen? Natürlich nicht, vorausgesetzt, sie zahlen mir einen Vorschuss mindestens in der Höhe von zwei zu erwartenden Jahreseinnahmen durch KDP, gewähren mir im E-Book-Sektor eine weit über den üblichen 25 Prozent liegende Tantieme und sichern mir eine prominente Platzierung in den Werbemaßnahmen zu. Ich spiele nicht nur kein Lotto, ich träume auch nicht vom Lottogewinn.</div>
<div><br /></div>
<div>Zum Schluss: Amazons KDP hat die Möglichkeiten für alle professionell schreibenden Autoren deutlich verbessert. Ich kenne einige Kolleginnen und Kollegen, die Manuskripte in den Schubladen liegen haben. Holt sie heraus, überarbeitet sie, lasst sie lektorieren und veröffentlicht sie! Lasst euch nicht von irgendwelchen Türstehern sagen, ob eure Bücher etwas taugen und Leser finden! Probiert es selbst aus! Die zu tätigende Investition ist niedriger als bei fast jedem anderen Geschäft, selbst ein Totalverlust dürfte für die meisten zu verkraften sein. Und bedenkt: Je mehr Titel ihr habt, desto weniger seid ihr darauf angewiesen, den einen großen Treffer zu landen. Auch in der Midlist lebt es sich sehr angenehm.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Wie es für mich selbst weitergeht? Mit Schreiben - und mit Veröffentlichen! Die Schublade, in der meine Manuskripte verschwinden, gibt es nicht mehr. Ich bin ein rundum zufriedener Schriftsteller, der sich über den Kontakt zu seinen Lesern freut. <br />Ich fiebere jeder Neuerscheinung entgegen, weil es immer wieder ein aufregender Moment ist, wenn eine Geschichte das Licht der Öffentlichkeit erblickt. <br />An Verlage verschwende ich keinen Gedanken mehr, ich habe schon viel zu viel Energie in dieses Thema gesteckt. Wenn überhaupt, sind die jetzt am Zuge. Das gleiche gilt übrigens auch für alle anderen E-Book-Plattformen. Solange ich dort als selbstverlegender Autor nur quasi «unter dem Ladentisch» gehandelt werde und man mir keine Möglichkeit gibt, meinen Titel zu vertretbaren Kosten ins Schaufenster zu stellen, können sie mir gestohlen bleiben.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Ach ja: Einer freut sich übrigens noch mit mir: der Briefträger. Er muss keine dicken Absagebriefe mehr in den Briefkasten stopfen.</div> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2013-01-22T07:35:19Z</published>
        <updated>2013-01-23T03:29:26Z</updated>
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                Wann ist man alt? Wenn man anfängt, in Erinnerungen zu schwelgen? Als junger Mensch mag einem das so vorkommen, heute, mit Mitte fünfzig, würde ich es weit von mir weisen. Mir passiert es nämlich immer öfter, dass ein Satz mit „weißt du noch ...“ beginnt, so wie heute Morgen. Normalerweise nutzen wir die Zeit in unserem Winterdomizil auch zu einer Art Entgiftung von all dem Nachrichtenmüll, der einem in Deutschland Hirn und Geist verstopft, weil jede kleine Meldung zur Sensation aufgeblasen wird. Noch vor ein paar Jahren war es einfach, sich dem Nachrichtenterror zu entziehen. Internetzugänge gab es nur in wenigen Shops, sie waren extrem langsam und teuer. Heute gibt es „free WiFi“ an jeder Ecke, immer noch nicht auf dem Geschwindigkeitsniveau, das wir in Deutschland gewohnt sind, aber kostenlos und jederzeit verfügbar. In unserem Haus reicht es zwar nicht, um die Tagesschau zu sehen, aber Radio klappt. So hören wir jeden Morgen beim Frühstück die Wiederholung der 23-Uhr-Nachrichten vom Deutschlandradio. Fünf Minuten kompakte Information ohne Geschwafel - das reicht für den Tag. Und heute Morgen war es dann soweit: „Weißt du noch ...“, sagte ich und erzählte, wie wir in den siebziger Jahren bei unseren InterRail-Touren nach Griechenland nach Informationen gelechzt haben - na ja, am wichtigsten waren zugegebenermaßen die Bundesligaergebnisse vom Samstag. Irgendwann hatte mein Freund Conny plötzlich einen Zauberkasten namens Weltempfänger dabei. Damit saßen wir vor dem Zelt am Strand des kretischen Dorfes Kalives und versuchten, das Rauschen im Äther so weit zu unterdrücken, dass wir zumindest Satzfetzen verstehen konnten. Heute öffnet man die App und hört den Sprecher so klar, als säße man in der Konstanzer Küche. Kommt es zu einer Unterbrechung, mag sie auch noch so kurz sein, hebt man kritisch die Augenbrauen. Es ist tatsächlich so, die Welt ist durch das Internet zusammengerückt. Verloren gegangen ist dabei die Faszination der Fremde, das Gefühl, tatsächlich weit weg von der Alltagsnormalität zu sein. In früheren Jahrzehnten verlief die technische Entwicklung viel langsamer als heute, deshalb waren die Menschen älter, als sie das erste Mal „weißt du noch ...“ sagten. Also erinnern wir uns. An Kalives, an den Weltempfänger und an Conny. Soll ja auch gesund sein, <a href="http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/122-Schokolade-fuers-Hirn.html">sagt zumindest ein anerkannter Experte in Fragen des Alters.&#160;

</a> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2013-01-14T06:49:21Z</published>
        <updated>2013-01-14T06:55:03Z</updated>
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        <title type="html">Backlist</title>
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                <div>Gestern kam der neue Roman meines Alter Ego Béla Bolten aus dem Lektorat. Als ich diese freudige Nachricht bei Facebook in die Welt hinausposaunte, erntete ich neugierige Nachfragen. Wie bitte ist es möglich, dass ich schon wieder ein Buch fertig habe, obwohl „Der Aufbewarier“ doch gerade seit einem Monat auf dem Markt ist. Bin ich ein Schnellschreiber oder beschäftige ich gar einen Ghostwriter? Weit gefehlt. Die Antwort ist simpel: Auch verlagsunabhängige Autoren haben eine Art Backlist.&#160;</div> 
<div>„Codewort Rothenburg“, den ersten Roman, den ich selbst via Amazon veröffentlichte, schrieb ich 2006. Er machte danach die „große Runde“ bei Agenturen und Verlagen. Zwei große Publikumsverlage zeigten grundsätzlich Interessen, sahen dann aber aus unterschiedlichen Gründen von der Veröffentlichung ab, nicht ohne mir zu versichern, dass ich Talent habe und ihre Absage nicht auf mangelnde Qualität zurückzuführen sei. Vielen Dank auch! Zwei Kleinverlage boten mir einen Vertrag an, dessen Bedingungen mir allerdings die Tränen in die Augen trieben. Nein, ich muss nicht unter allen Umständen veröffentlichen und außerdem ist es mein Beruf zu schreiben - will sagen: ich arbeite nicht mehr oder weniger umsonst. Also landete „Codewort Rothenburg“ in der Schublade und blieb dort, bis Amazon sein „Kindle Direct Publishing“ auch in Deutschland anbot. Mich interessierte dieses Angebot, weil es eine neue Möglichkeit bot, professionell selbst zu veröffentlichen, ohne für den Publikationsprozess selbst Geld in die Hand nehmen zu müssen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass E-Books vor allem in der Genreliteratur eine große Zukunft haben. Als die ersten Erfolgsmeldungen von Kolleginnen und Kollegen zu lesen waren, nahm ich mir das Manuskript wieder vor. Ich überarbeitete es gründlich, investierte in eine professionelles Lektorat sowie ein Cover und lud es im Juni 2012 hoch. Der Erfolg überraschte und ermutigte mich. Die Leser wollten mehr von Axel Daut, also schrieb ich einen nie geplanten Nachfolger: „Der Aufbewarier“ erschien kurz vor Weihnachten und hält sich seitdem unter den TOP drei der historischen Kriminalromane. Der dritte Roman dieser Serie ist für den Spätsommer / Frühherbst geplant, der Plot steht bereits weitgehend.</div> 
<div><br /></div> 
<div>Zwischenzeitlich erinnerte ich mich meiner persönlichen Backlist, also der Schublade oder besser gesagt dem Dateiverzeichnis der in den letzten zehn Jahren entstanden Manuskripte. Im September nahm ich zwei dieser Elaborate zur Hand. Das älteste - &#160;geschrieben 2004 - ist in dieser Form in keiner Weise veröffentlichungsreif, zumindest entspricht es nicht meinem heutigen, professionellen Anspruch. Das zweite aus dem Jahr 2009 hat ebenfalls eine lange Odyssee durch Verlagslektorate und über Agenturschreibtische hinter sich. Es gab sogar einen unterschriebenen Vertrag, aber dann .... Das ist eine andere Geschichte und tut jetzt nichts zur Sache. Wichtig ist nur, dass mir dieser Roman mit Abstrichen auch nach drei Jahren gefiel. Die Überarbeitung stellte sich allerdings als relativ harte Nuss heraus, bei genauer Betrachtung gab es eine Reihe von Mängeln, die nicht so einfach zu beheben waren. &#160;So dauerte es ein Vierteljahr, bis ich zufrieden war und das Manuskript ins Lektorat gab, aus dem ich es gerade zurückbekam - siehe oben. Die Anmerkungen halten sich in erstaunlichen Grenzen, was mich hoffen lässt, Ende Januar damit auf dem Markt zu sein. Es ist kein historischer Kriminalroman, dafür ist er aber von Anfang an als Auftakt einer Serie geschrieben worden. Es gibt sogar einen Serientitel.</div> 
<div><br /></div> 
<div>Die Grundidee des zweiten Manuskripts, von dem ich oben schrieb, es sei nicht reif für eine Veröffentlichung, gefällt mir nach wie vor ausnehmend gut, allerdings sind große Eingriffe nötig, sogar der Plot muss in Teilen völlig neu aufgedröselt werden. Genau daran arbeite ich im Moment mit großem Vergnügen. Wenn die Umbauarbeiten weiter so gut und schnell vorangehen, könnte der Roman bereits .... Ach lassen wir das, meistens kommt es anders und zweitens als man denkt.</div> 
<div><br /></div> 
<div>Bleibt die Frage, ob es noch mehr Unveröffentlichtes in meiner Schublade gibt. Ja, es gibt, aber es wird dort auch bleiben, denn das meiste, was ich in Jahrzehnten zunächst zu Papier und später auf digitale Speicher gebracht habe, ruht dort völlig zu Recht und wird niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken.&#160;</div> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-12-30T14:21:24Z</published>
        <updated>2012-12-30T14:49:46Z</updated>
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                <div><em>Heute bei mir zu Gast: Der Autor Béla Bolten, dessen Roman »Der Aufbewarier« vor wenigen Tagen erschienen ist.</em></div> 
<div><br /></div> 
<div>Schreibtäter: »Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen und sich meinen Fragen stellen, Herr Bolten.«</div> 
<div>Béla Bolten: »Was bleibt mir anderes übrig. Irgendwie muss ich meine Mietschulden bei Ihnen ...«</div> 
<div>Schreibtäter: »Lassen wir das und kommen wir direkt zum Thema. Nach<em> Codewort Rothenburg</em> spielt auch Ihr zweiter Kriminalroman <em>Der Aufbewarier</em> in der NS-Zeit und setzt die Geschichte fort. War es von Anfang an als Serie geplant?«</div> 
<div>Béla Bolten: Nein, keineswegs. Das Manuskript zu <em>Codewort Rothenburg</em> lag schon geraume Zeit auf meiner Festplatte. Als Amazon seine Veröffentlichungsplattform für E-Books auch in Deutschland eröffnete, habe ich erste eine Weile gezögert, mich dann aber doch entschlossen, dabei zu sein. Zum Glück, denn der Roman wurde vom Publikum weitaus besser aufgenommen, als ich es erwartet hatte. Es gab viele positive Rezensionen und lobende Kommentare von Leserinnen und Lesern via E-Mail, was blieb mir da anderes übrig, als einen Nachfolgetitel zu schreiben.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Beim zweiten Buch bin ja erst einmal über den Titel <em>Aufbewarier</em> gestolpert.«</div> 
<div>Béla Bolten: »Das geht sicherlich vielen so und deshalb haben wir im Freundes- und Bekanntenkreis auch lange darüber diskutiert. Zum Schluss habe ich mich gegen alle Bedenken durchgesetzt, denn ich finde, es ist ein starkes Wort. Juden nannten so ihre nichtjüdischen (»arischen«) Freunde und Bekannten, denen sie die qua Gesetz abzuliefernden Wertsachen zur Aufbewahrung gaben. Wer mit dem Wort auf Anhieb nichts anfangen kann, lernt im Roman einen Aufbewarier kennen und erfährt, dass die Hilfe nicht immer selbstlos war.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Täuscht mich mein Gefühl, oder ist der zweite Roman härter?«</div> 
<div>Béla Bolten: »Die Zeiten sind härter geworden. Zwischen der Handlung der beiden Bücher liegen 20 Kriegsmonate. Die jüdischen Mitbürger wurden inzwischen fast alle deportiert, die Verhaftung der letzten Verbliebenen an ihren Arbeitsplätzen erleben wir im Aufbewarier mit. In Stalingrad starben kurz zuvor sechzigtausend deutsche Soldaten, über hunderttausend gingen in Gefangenschaft. Die Bombenangriffe auf deutsche Großstädte nahmen an Zahl und Intensität zu. Es ging überall nur noch ums Überleben.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Der Ermittler Axel Daut ist aber im zweiten Teil positiver gezeichnet, oder?«</div> 
<div>Béla Bolten: »Zunächst einmal wurde er vom Kriminalkommissar zum einfachen Wachtmeister degradiert. Aber es stimmt, er ist kein ganz so großer Chauvi mehr wie im ersten Roman. Er ist auch etwas mutiger geworden. Und er vermisst seine Frau ....«</div> 
<div>Schreibtäter: ... »Luise, die Heldin in <em>Codewort Rothenburg</em>, die im <em>Aufbewarier</em> nur am Rande vorkommt. Warum ist das so, sie war doch eine der tragenden Figuren der Geschichte.«</div> 
<div>Béla Bolten: »Alternativ zur Verbannung aufs Land hätte ich sie nach ihren Kontakten zum Widerstand nur sterben lassen können. Aber ich hatte in der Tat ein schlechtes Gewissen Luise gegenüber und habe ihr deshalb eine Kurzgeschichte gewidmet, die eine Brücke zwischen den beiden Büchern schlägt: Luises Schweigen.</div> 
<div>Schreibtäter: »Was ist für Sie bei zeithistorischen Romanen das schwierigste?«</div> 
<div>Béla Bolten: »Die Figuren in ihrer Zeit abzuholen. Wir wissen heute unendlich viel mehr über die Verbrechen in der NS-Diktatur als die Menschen damals. Das muss man sich als Autor stets vergegenwärtigen, sonst handeln die Personen unglaubwürdig. Dazu kommt das Zeitkolorit. Die Atmosphäre im Weltkriegs-Berlin einzufangen, stellt jeden Autor vor eine Herausforderung. Da hilft nur umfangreiche Recherchearbeit.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Auch im <em>Aufbewarier</em> treten wieder historische Figuren auf: Otto Weidt z. B. und natürlich vor allem Zarah Leander. Warum ist Ihnen das wichtig?«</div> 
<div>Béla Bolten: »Otto Weidt ist einer jener stillen Helden, die jüdischen Menschen durch konkrete Taten geholfen haben. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sie nicht völlig vergessen werden. Das gleiche gilt für die Frauen der Rosenstraße, deren Geschichte breiten Raum einnimmt.</div> 
<div>Bei Zarah Leander liegt der Fall etwas anders. Sie ist eine der schillerndsten und zugleich umstrittensten Figuren der Nazizeit. Die einen verehren sie bis heute als einen der größten deutschen Kinostars, die anderen verteufeln sie als willfährige Darstellerin in Propagandafilmen. Diese Widersprüche reizen mich. Auch bei ihr gilt: man muss sie in ihrer Zeit abholen. Sie hat keinen direkten Widerstand geleistet, andererseits aber immer darauf bestanden, dass Bruno Balz die Texte für ihre Lieder schrieb, der wegen seiner Homosexualität mehrmals inhaftiert war. Ihre Zerrissenheit steht für die Widersprüchlichkeit Deutschlands generell. Nebenbei: Ich halte die Leander für keine herausragende Schauspielerin, aber für eine wunderbare Chansonsängerin. Deshalb spielt eines ihrer berühmtesten Lieder auch eine gewisse Rolle.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Arbeiten Sie bereits am nächsten Fall für Axel Daut?«</div> 
<div>Béla Bolten: »Nein, der gute Axel verdient eine Pause. Im Moment feile ich an einem Manuskript, das ebenfalls schon länger in der virtuellen Schublade schlummert und dessen Geschichte in der Gegenwart angesiedelt ist. Es ist ein klassischer Whodunnit und Ermittlerkrimi, der aus gutem Grund bereits Anfang Februar erscheinen wird.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Verraten Sie uns warum?«</div> 
<div>Béla Bolten: »In weiten Teilen Deutschlands ist man in dieser Zeit völlig außer Rand und Band. Was das aber mit dem Roman zu tun hat ....Im Februar wissen Sie mehr.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Gibt es schon einen Titel?«</div> 
<div>Béla Bolten: »Was heißt hier einen, mehrere! Wir ringen noch damit.«</div> 
<div>Schreibtäter: »Heißt das, Sie verlegen sich jetzt ganz auf andere Themen und schreiben in Zukunft keine (zeit)historischen Romane mehr?«<br />Béla Bolten: »Auf keinen Fall. Allerdings möchte ich mich nicht auf ein Genre festnageln lassen, dazu habe ich viel zu große Lust, unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Deshalb folgen im ersten Halbjahr 2013 zwei andere Romane, ehe Axel Daut im Sommer erneut ermitteln wird. Den groben Handlungsrahmen zu seinem dritten Fall habe ich schon entworfen. Und dann gibt es da noch die Idee zu einer Serie von Kurzromanen.<br />«Schreibtäter: »Das hört sich nach einem gewaltigen Arbeitspensum für das Jahr 2013 an.«<br />Béla Bolten: »Wenn Sie mich in Ruhe schreiben lassen.«<br />Schreibtäter: »Schaun wir mal ...«</div> 
<div> 
<p><a class="serendipity_image_link" href="http://www.amazon.de/Codewort-Rothenburg-ebook/dp/B008EYOC7G/"><!-- s9ymdb:60 --><img class="serendipity_image_center" width="83" height="110" src="http://www.schreibtaeter.eu/uploads/CoverCodewortRothenburg.serendipityThumb.jpg" /></a><a class="serendipity_image_link" href="http://www.amazon.de/Der-Aufbewarier-ebook/dp/B00APKCTB8/"><!-- s9ymdb:59 --><img class="serendipity_image_center" width="83" height="110" src="http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Titel_ebook_Aufbewarier.serendipityThumb.jpg" /><a class="serendipity_image_link" href="http://www.amazon.de/Luises-Schweigen-ebook/dp/B00AR1YJUO"><!-- s9ymdb:61 --><img class="serendipity_image_center" width="83" height="110" src="http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Titel_ebook_LuisesSchweigen.serendipityThumb.jpg" /></a></a><br /></p> 
</div> 
<div> 
<p> </p> 
<p> </p> 
</div> 
            </div>
        </content>
        
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        <link href="http://www.schreibtaeter.eu/archives/192-Alle-Jahre-wieder-Weihnachsnomade.html" rel="alternate" title="Alle Jahre wieder - Weihnachsnomade" />
        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-12-22T16:02:45Z</published>
        <updated>2012-12-22T16:02:45Z</updated>
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        <title type="html">Alle Jahre wieder - Weihnachsnomade</title>
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                <div>Als ob das ganze Weihnachtsgedöns in unseren Städten nicht schon genug wäre, hielt mir vor zwei Tagen ein im Weihnachtsmannkostüm steckender TV-Reporter ein Mikro vor die Nase, als ich gerade versuchte, durch die von gestressten Weihnachtseinkäufern überfüllte Fußgängerzone zu flanieren.</div>
<div>„Sagen Sie mal, was bedeutet Ihnen eigentlich Weihnachten?“</div>
<div>Erwartete der Mann darauf eine ehrliche Antwort? Ich überlegte einen Moment. Sollte ich irgendetwas von „RuheFriedenFamilie“ faseln? Ich entschied mich für die Wahrheit:</div>
<div>„Was ich von Weihnachten erwarte, spielt seit Langem keine Rolle mehr. Seit ich der Kindheit entwachsen bin, wird nur etwas von mir erwartet.“</div>
<div>Kaum hatte ich die beiden Sätze ausgesprochen, drückte der Rotgewandete an seinen Knöpfen herum. Vermutlich löschte er mein Statement umgehend. Wer will denn so etwas auch hören, zur schönen Weihnachtszeit?</div>
<div>Dabei gehöre ich keiner Minderheit an. Vielmehr bin ich einer von hunderttausenden Weihnachtsnomaden, die Jahr für Jahr größte Strapazen auf sich nehmen, nur um die Erwartungen anderer zu erfüllen.</div>
<div>Sie meinen, ich übertreibe? Beileibe nicht! Hier mein diesjähriger Feiertagsfahrplan:</div>
<div>Am 23. Dezember setze ich mich um 10:38 in den Zug und fahre 750 Kilometer gen Norden. Wenn alles gut geht – und bei der Bahn geht an den Feiertagen selten alles gut – erreiche ich um 19:50 die münsterländische Kleinstadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin und wo meine Mutter sowie die Beutekinder und -enkel leben. Anschließend gibt es die Geschenke für die Beuteenkel, denn der Weihnachtsmann kommt immer schon einen Tag früher an den Bodensee – ganz Deutschland an einem Tag, wer schafft das schon! Danach gibt es die traditionelle Feuerzangenbowle, während der Baum geschmückt wird.</div>
<div>Am 24. Dezember bleibt nicht wirklich Zeit, um auszuschlafen, denn spätestens mittags geht der Stress dann richtig los: Meine Mutter erwartet meine Frau und mich zum traditionellen schlesischen Mahl mit Weihnachts-Weißwurst und Pfannenklößen. Danach Friedhofsbesuch und anschließend bereiten wir den Tisch für das morgige große Familienfestmahl. Dann werde ich als Chauffeur tätig und bringe Mutter und ihre 92-jährige Schwester zur Kirche. („Nein Mutter, ich werde auch dieses Jahr keinen Weihnachtsgottesdienst besuchen!“) Nach einem kurzen Cappucino-Zwischenstopp bei Beutetochter I hole ich die beiden Damen wieder ab. Gemeinsam fahren wir zur Beutetochter II zum Festmahl unterm Tannenbaum.</div>
<div>Am 25. Dezember geht die Weihnachtsrallye weiter. Familienmittagessen bei der Mutter („ach Kinder, die Gans ist dieses Jahr ein ganz, ganz zähes Luder“), das nahtlos in die Kaffeetafel übergeht („der Kuchen ist mir auch schon mal besser gelungen“). Gegen halb fünf kommt der tränenreiche Abschied. („Müsst ihr denn wirklich schon gehen? Wir haben uns doch noch gar nicht richtig unterhalten können!“) Wenigstens einen einzigen nichtfamiliären Besuch bei Freunden möchten wir noch machen – wenn es auch nur für eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte reicht, denn spätestens gegen sieben Uhr sollten wir wieder bei Beutetochter II am Abendbrottisch sitzen.</div>
<div>Am 26.12. steigen wir um 10:13 in den Zug und fahren 750 Kilometer gen Süden. Wenn alles gut geht – ach ja, das hatten wir ja schon! Gegen 19 Uhr sind wir hoffentlich wieder daheim.</div>
<div>Weihnachten bedeutet für uns seit vielen Jahren zuallererst 1.500 Kilometer oder 17 Stunden Bahnfahrt in völlig überfüllten Zügen mit dreimaligem Umsteigen auf kalten, zugigen Bahnhöfen. Da bleibt jedes weihnachtliche Gefühl auf der Strecke.</div>
<div>Was also sind unsere Erwartungen an Weihnachten? Wir wünschen uns vor allem, dass die Deutsche Bahn es dieses Jahr schafft, uns ohne größere Verspätungen und Zwischenfälle, mit funktionierenden Platzreservierungen, in beheizten Waggons mit unverschlossenen Toiletten durch Deutschland zu kutschieren.</div>
<div>In diesem Sinne: Frohe Weihnachten allerseits!</div> 
            </div>
        </content>
        
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        <link href="http://www.schreibtaeter.eu/archives/191-Bela-Bolten-staunt..html" rel="alternate" title="Béla Bolten staunt." />
        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-09-19T11:10:08Z</published>
        <updated>2012-09-19T11:10:08Z</updated>
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        <title type="html">Béla Bolten staunt.</title>
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                <div>Wie sich manche Dinge entwickeln! Ich kann gerade nur staunen. Als ich vor knapp drei Monaten meinen Roman »Codewort Rothenburg« unter dem Autorenpseudonym Béla Bolten als E-Book auf Amazons Verkaufsplattform hochlud, sah ich das ganze als Experiment und Abenteuer an. Ich hatte nichts zu verlieren und ob ich etwas gewinnen würde, stand in den Sternen. Jetzt, knapp zwölf Wochen später, kann ich eine erste Bilanz ziehen - und das voller Stolz.&#160;</div>
<div>Am meisten haben mich die vielen Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern gefreut, teilweise sogar berührt. Es gab Rezensionen auf Blogs und bei Amazon, dazu kamen viele persönliche E-Mails von Menschen, die mir mitteilen wollten, dass »Codewort Rothenburg« sie nicht kalt gelassen hat. Vor allem jüngere Leser haben sich oft zum ersten Mal intensiv mit dem Alltagsleben in der NS-Diktatur beschäftigt - abseits des im Schulunterricht im Vordergrund stehenden Faktenwissens. Meine Idee, eine fiktive Handlung in historische Räume zu platzieren und reale Personen der Zeitgeschichte mit erfundenen agieren zu lassen, hat gezündet. Die Leserinnen und Leser fanden Identifikationsmöglichkeiten, konnten mitleiden und mitfühlen, ohne die Distanz gänzlich zu verlieren. Dieser Drahtseilakt ist für den Autor zeithistorischer Stoffe, vor allem, wenn es um die Naziherrschaft geht, die größte Herausforderung. Aus den Leserreaktionen weiß ich, dass ich zumindest nicht vom Seil gestürzt bin. Bestätigungen dieser Art braucht jeder professionell Schreibende von Zeit zu Zeit, sie sind wie der Applaus für den Schauspieler ein Stück seines Lohns.</div>
<div>Apropos Lohn - kommen wir zur zweiten, vielleicht noch größeren Überraschung. »Codewort Rothenburg« ist kein Kriminalroman im klassischen Sinne. Ihm fehlen alle Zutaten, die heute den Verkaufserfolg eines Buches am meisten zu befeuern scheinen. Es fließt nur wenig Blut und Hirnmasse wird überhaupt nicht verspritzt. Details über Tatortermittlungen und rechtsmedizinische Untersuchungen fehlen - nicht nur, aber auch, weil sie 1941 noch nicht so weit entwickelt waren, dass daraus ein den Leser gruselnder Handlungsstrang hätte entstehen können. Eher ist es ein Gesellschaftsroman über Verbrechen, Verführung und Verführbarkeit. Stellt sich die Frage: Gibt es dafür überhaupt Leser? Die Verlage, denen ich das Buch angeboten hatte, verneinten das, sahen kein Potenzial für eine solche Geschichte. Sie irrten gewaltig. Die Zahl der verkauften Exemplare ist inzwischen vierstellig - und das in nur drei Monaten. Niemals hätte ich erwartet, dass so viele Menschen einen zeithistorischen Roman kaufen würden, der sich den meisten klassischen »Erfolgsmustern« verweigert und nur schwer in eine Genreschublade einzuordnen ist. Zeigt sich da etwa, dass die Leser interessierter und aufgeschlossener sind, als die Marketingstrategen in den Verlagen es ihnen zutrauen? Sei‘s drum, ich bin jedenfalls glücklich und dankbar.&#160;</div>
<div>Der Erfolg hat allerdings meine Planungen für weitere Publikationen über den Haufen geworfen. An sich hatte ich vor, als nächstes E-Book einen bereits in einer fortgeschrittenen Rohfassung vorliegenden Roman über die Manipulierbarkeit der Menschen durch religiöse Rattenfänger zu veröffentlichen. Diese Projekt muss nun bis nächstes Jahr warten, denn allzu gerne folge ich dem von Leserinnen und Lesern häufig geäußerten Wunsch nach einer Fortsetzung von »Codewort Rothenburg«, die im Spätherbst erscheinen wird.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Herbst ist ein gutes Stichwort. Keine Jahreszeit ist besser geeignet, um es sich mit einem Buch gemütlich zu machen. Deshalb habe ich mich entschlossen, kurz vor Ablauf meiner dreimonatigen Exklusivbindung an Amazon, »Codewort Rothenburg« noch einmal gratis zum Download anzubieten. Wer den Roman noch nicht gelesen hat, erhält das E-Book morgen (20. September 2012 etwa ab 10 Uhr) und übermorgen (21. September 2012) kostenlos bei Amazon. <a href="http://www.amazon.de/Codewort-Rothenburg-ebook/dp/B008EYOC7G/" target="_blank">Einfach hier klicken</a>.</div> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-08-20T13:23:26Z</published>
        <updated>2012-08-23T09:52:20Z</updated>
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        <title type="html">Gratisaktion - ein erstes Fazit</title>
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            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                <div>Im letzten Beitrag auf diesem Blog habe ich ausführlich begründet, warum ich eine Gratisaktion mit meinem historischen Kriminalroman<a href="http://www.amazon.de/Codewort-Rothenburg-ebook/dp/B008EYOC7G/" target="_blank"> „Codewort Rothenburg“ </a>durchgeführt habe. Nun ist es Zeit für ein erstes, natürlich noch mit Vorsicht zu genießendes Fazit. Endgültig wird man den Effekt erst in ein paar Wochen messen können, erste Schlüsse sind aber schon heute möglich.</div>
<div><br /></div>
<div>Ich hatte die Aktion bewusst für den 14. und 15. August geplant. Es mag ja sein, dass es nur Kaffeesatzleserei ist, aber seit Jahren hält sich auf unterschiedlichen Onlineplattformen - vor allem bei eBay - das Gerücht, Dienstag sei der verkaufsstärkste Tag. Also startete ich dienstags.&#160;</div>
<div>Im Vorfeld hatte ich die Aktion bei allen wichtigen „Gratisplattformen“ angemeldet und auf diversen Kindleforen angekündigt. <a href="https://docs.google.com/document/d/14N2GRxw8eqvcBQ6A1bQ8rXgUGix9_OA7eflQVEnABms/edit?pli=1" target="_blank">Eine Liste dazu findet sich hier.</a></div>
<div><br /></div>
<div>Amazon sitzt in Seattle und deshalb beginnen Gratisaktionen gegen 0 Uhr „Pacific Standard Time“ - sprich 9 Uhr morgens bei uns. In der Praxis war es kurz nach zehn, als „Codewort Rothenburg“ umsonst zu haben war. Es begann relativ schleppend, in der ersten Stunde waren es gerade mal 33 Downloads.&#160;</div>
<div>Gegen 13:30 Uhr tauchte „Codewort Rothenburg“ das erste Mal in den (Kostenlos-)Ranglisten auf.</div>
<div><em>Nr. 5 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Belletristik &gt; Historische Romane:</em></div>
<div><em>Nr. 9 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Krimis &amp; Thriller</em></div>
<div><br /></div>
<div>Anderthalb Stunden später sah das schon so aus.</div>
<div><em>#39 Kostenfrei in Kindle-Shop</em></div>
<div><em>Nr. 1 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Belletristik &gt; Historische Romane:</em></div>
<div><em>Nr. 5 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Krimis &amp; Thriller</em></div>
<div><br /></div>
<div>Nun konnte man fast zuschauen, wie der Donwloadticker ratterte und das Buch in den Charts nach oben kletterte. Gegen 23 Uhr am Abend mit folgendem Resultat:</div>
<div>#<em>2 Kostenfrei in Kindle-Shop</em></div>
<div><em>Nr. 1 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Belletristik &gt; Historische Romane:</em></div>
<div><em>Nr. 1 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Krimis &amp; Thriller</em></div>
<div><br /></div>
<div>Über Nacht wurden zwar rund 1000 Downloads gezählt, das Ranking war am Morgen des zweiten Aktionstages aber unverändert. Gegen 12:30 Uhr war es endlich soweit. Das Buch stand in den relevanten Charts auf Platz eins und vor allem hieß es auch:&#160;#1 Kostenfrei in Kindle-Shop</div>
<div>Damit war das Ziel, einen bis dahin unbekannten Titel sichtbar zu machen, also quasi ins Schaufenster zu stellen, erreicht. Hier hätte ich die Aktion abbrechen können, denn mehr als Platz 1 war ja nicht möglich. Leider hatte ich den Fehler gemacht, in vielen Foren zwei Gratistage anzukündigen, und mir damit diese Flexibilität geraubt. Also ging es munter weiter, die Downloads blieben auf hohem Niveau und die Platzierungen änderten sich bis zum Ende der Aktion um kurz nach zehn Uhr am 16. August nicht mehr: Nummer 1 in allen relevanten Kategorien. Die genaue Zahl der Downloads verkneife ich mir hier mal mit Blick auf die Geschäftsbedingungen von Amazon. Nur so viel: die erste Ziffer war 5.</div>
<div><br /></div>
<div>Jetzt begann das Warten. Würde die Aktion zu nennenswerten Verkäufen führen? Und wo landete das Buch in den Rankings? Den der bezahlten Bücher wohlgemerkt!</div>
<div>Der Anfang war ernüchternd, denn die erste Platzierung gegen 13:30 Uhr lautete 40.482 und war damit schlechter als vor der Aktion. Etwa drei Stunden später sah das ganze dann schon viel freundlicher aus:</div>
<div><em>#297 Bezahlt in Kindle-Shop</em></div>
<div><em>Nr. 21 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Belletristik &gt; Historische Romane</em></div>
<div><em>Nr. 65 in Bücher &gt; Belletristik &gt; Historische Romane</em></div>
<div><em>Nr. 100 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Krimis &amp; Thriller</em></div>
<div>So konnte es weiter gehen. Tat es aber nicht. Fast den ganzen nächsten Tag gab es keine Verkäufe und am Abend des 17. August war „Codewort Rothenburg“ auf Platz 709 zurückgefallen und nur noch in einer Kategorie in den TOP 100.&#160;</div>
<div>Am darauffolgenden Samstagmorgen sparte ich mir einen frühen Blick auf das Desaster, nach einem ausgiebigen Frühstück würde ich die Enttäuschung besser verkraften. Und dann kam die Überraschung. Gegen halb zwölf sah das Ranking wie folgt aus:</div>
<div><em>#76 Bezahlt in Kindle-Shop</em></div>
<div><em>Nr. 2 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Belletristik &gt; Historische Romane</em></div>
<div><em>Nr. 4 in Bücher &gt; Belletristik &gt; Historische Romane</em></div>
<div><em>Nr. 25 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Krimis &amp; Thriller</em></div>
<div><br /></div>
<div>Von nun an ging‘s ein bisschen rauf und runter, tendenziell aber bergauf. Der aktuelle Stand:</div>
<div><em>#25 Bezahlt in Kindle-Shop</em></div>
<div><em>Nr. 1 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Belletristik &gt; Historische Romane</em></div>
<div><em>Nr. 2 in Bücher &gt; Belletristik &gt; Historische Romane</em></div>
<div><em>Nr. 8 in Kindle-Shop &gt; eBooks &gt; Krimis &amp; Thriller</em></div>
<div><br /></div>
<div>Lassen sich aus diesen Zahlen jetzt allgemeine Schlüsse ziehen? Vermutlich nicht allzu viele. Wahrscheinlich habe ich einfach ein paar Dinge richtig gemacht, ohne es überhaupt zu wissen. Ich habe die Aktion erst gestartet, als das Buch bereits sechs gute bis sehr gute Rezensionen hatte und in verschiedenen Bücherblogs besprochen worden war. Ich habe die Tage intensiv auf Facebook, Twitter und Xing begleitet. Möglicherweise habe ich genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, in den meisten Bundesländern gehen die Sommerferien zu Ende oder sind schon beendet. Wobei man hier schon geteilter Meinung sein kann. Vergleiche ich die Zahlen mit den Gratisaktionen einiger Kollegen, brauchte ich viele Downloads, um in den kostenlosen Ranglisten nach oben zu kommen. Vor allem aber: Um eine hohe Position in den VK-Charts zu erreichen, sind heute signifikant mehr Verkäufe nötig, als Anfang des Jahres. Das darf man allerdings nicht negativ bewerten, zeigt es doch nur die steigende Bedeutung des E-Book-Markts.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Etwas steht für mich aber fest: Die beste Marketingplattform für E-Books von unabhängigen Autoren ist immer noch Amazon selbst. Oder, wie es ein Kollege jüngst einmal ausdrückte: „Das einzige was zählt, sind Charts, Charts, Charts.“</div>
<div>Mit einer Gratisaktion bekommt man hier eine Chance - aber sicher keine Garantie auf Erfolg.</div> 
            </div>
        </content>
        
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        <link href="http://www.schreibtaeter.eu/archives/189-Umsonst-und-legal.html" rel="alternate" title="Umsonst und legal" />
        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-08-13T11:43:46Z</published>
        <updated>2012-08-13T11:54:26Z</updated>
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        <title type="html">Umsonst und legal</title>
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                <div>»Bist du verrückt! Du kannst doch deine Arbeit nicht verschenken!«</div> 
<div>So oder so ähnlich reagierten in den vergangenen Tagen viele Freunde und Bekannte auf die Ankündigung, meinen historischen Kriminalroman »Codewort Rothenburg« bei Amazon zu verschenken. Zwei ganze Tage lang. - genauer am 14. und 15. August 2012 - wird es das E-Book umsonst, gratis, für umme geben.&#160;</div> 
<div>Der Gegenargumente waren viele und am gewichtigsten war der Hinweis, dass ich mich doch auch sonst mit Händen und Füßen gegen jedes an mich herangetragene Ansinnen verwehren würde, umsonst zu arbeiten. Und für dieses Buch hätte ich schließlich ziemlich geschuftet. Stimmt - und Geld für die Covergestaltung und das Lektorat habe ich auch noch investiert. Trotzdem habe ich mich für diese Gratisaktion entschieden, denn ich sehe sie als Maßnahme zur Verkaufsförderung. Wer als unbekannter Autor auf dem Massenbuchmarkt überhaupt bemerkt werden möchte, muss zu ungewöhnlichen Mitteln greifen - es sei denn er verfügt über erhebliche Geldmittel und kann die Aufmerksamkeit potenzieller Leser somit kaufen. Dieser Weg ist mir verschlossen, also muss ich etwas anderes investieren. Zeit und Arbeit zum Beispiel, indem ich Blogartikel verfasse, mich in sozialen Netzwerken tummele, mit Buchbloggern kommuniziere, <a href="http://www.youtube.com/user/BelaBoltenTV" target="_blank">Wohnzimmerlesungen auf Video</a> aufzeichne und bei Youtube einstelle und, und, und. All das kostet meine Arbeitszeit und für mich persönlich berechne ich zwischendurch auch immer wieder, wie viel ich in ein Projekt investiert habe und ob daraus eine Rendite erwachsen ist.&#160;</div> 
<div>Bei der Gratisaktion auf Amazon ist es im Prinzip das Gleiche. Ich investierte Arbeitszeit, in diesem Fall beim Schreiben des Buches bereits geleistete. Der eine oder andere, der sich mein Buch in den zwei Tagen gratis auf seinen E-Book-Reader lädt, hätte es über kurz oder lang auch gekauft. Wie viele das sind, lässt sich niemals mit Sicherheit sagen und damit bleibt auch im Dunkeln, wie viel ich in Euro und Cent tatsächlich in diese Werbeaktion investiere. Auch das Ergebnis lässt sich nicht vorhersagen, aber das gilt ja für jede Werbeaktion. Im besten Fall rutscht »Codewort Rothenburg« in der Amazon Bestsellerliste der kostenlosen Bücher im Laufe der Aktion so weit nach oben, dass es für kurze Zeit einem Massenpublikum tatsächlich sichtbar ist. Es läge dann quasi im Schaufenster - und zwar an exponierter Stelle. Aus diesem Grund tritt ja auch die paradoxe Situation ein, dass sich der Autor in diesen Aktionstagen über jedes gratis heruntergeladene Buch freut. Je mehr, desto besser, denn nur so klettert man in den Charts.&#160;</div> 
<div>Ob es am Ende Verkäufe bringt? Wir werden sehen, eine Garantie gibt es nicht. Es gibt Erfolgsgeschichten, die mit Gratisaktionen begonnen haben und es gibt Fälle, in denen der Effekt fast gleich Null war. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.</div> 
<div><br /></div> 
<div>Also dann: <a href="http://www.amazon.de/Codewort-Rothenburg-ebook/dp/B008EYOC7G/" target="_blank">Hier geht es zur Gratisaktion</a>. Sie <strong>beginnt</strong> am morgigen <strong>Dienstag, 14. August</strong>, im Laufe des Vormittages (ab 9 Uhr, aber Amazon lässt sich manchmal auch etwas Zeit) und <strong>endet am 16. August</strong> ebenfalls <strong>gegen 9 Uhr</strong>. Das angebotene Kindle E-Book hat übrigens keinen Kopierschutz und kann deshalb mit der kostenlosen Software <a href="http://calibre-ebook.com/" target="_blank">Calibre</a> spielend einfach und absolut legal in ein ePub für andere E-Book-Reader umgewandelt werden. Auch wer gar kein spezielles Lesegerät besitzt, geht nicht leer aus, denn Amazon bietet kostenlose Leseapps für PC, iPad und Co.&#160;</div> 
            </div>
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        <link href="http://www.schreibtaeter.eu/archives/188-Raus-aus-der-Schublade.html" rel="alternate" title="Raus aus der Schublade" />
        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-08-02T12:55:06Z</published>
        <updated>2012-08-02T13:57:28Z</updated>
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        <title type="html">Raus aus der Schublade</title>
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            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                <div>Kürzlich unterhielten wir uns in fröhlicher Runde über Dinge, die wir unbedingt noch einmal tun oder erleben wollen. Mir entfuhr spontan der Seufzer: »Ein einziges Mal Tom Waits auf der Bühne sehen ...«</div>
<div>Eine der anwesenden Damen schaute mich entgeistert an: »Aber du bist doch Opernfan.«</div>
<div>Ich verstand zuerst nicht, was dieser Einwand sollte. Dann begriff ich: Freunde der Oper gehen nicht in Rockkonzerte. Das gehört sich nicht, denn der gute deutsche Mensch jenseits der Vierzig hat sich geflissentlich in eine Schublade zur Ruhe zu begeben. Wer sich dem verweigert, irritiert seine Umwelt. Ich tue das gerne. Schaue im Internet nach Restkarten für die Salzburger Festspiele und buche dann doch ein Ticket für ein Bundesligaspiel in einem Stadion, das jetzt nach einem Bier heißt, das mir noch nie geschmeckt hat. Apropos Bier: Ich liebe guten Wein, aber am Sonntagmorgen zur Weißwurst schmeckt nur ein Weißbier. Und für ein belgisches Trapistenbier verschmähe ich selbst einen Rioja.&#160;</div>
<div>Ich liebe das Kino UND gehe gerne ins Theater, ich lese Kriminalromane UND Jonathan Franzen. Mein Leben besteht aus lauter »und«. Ich mag kein »Entweder-oder«, sperre mich gegen Vereinnahmung und Beschränkung. Ich mag es bunt, nicht schwarz-weiß. Auch beim Schreiben, was ein Problem sein könnte. Denn wie erkläre ich dem geneigten Publikum, dass ich nach der Publikation von »Codewort Rothenburg« nicht einen zeithistorischen Kriminalroman nach dem anderen schreiben werde? Vielleicht schreibe ich sogar keinen einzigen mehr, auf jeden Fall spielt mein nächstes Buch in der Gegenwart - und passt natürlich auch in keine Schublade. Es geht um das Christentum, Kardinäle und sonstige Exzellenzen treten auf, ein Teil der Handlung spielt in Rom, sogar Reliquien spielen eine Rolle - und doch ist es kein Vatikanthriller, sondern eher ein Roman um Manipulation und Verführbarkeit.&#160;</div>
<div>Als ich das in oben genannter Runde andeutete, sah ich nur Kopfschütteln. »Du bist verrückt! Schreib doch eine Fortsetzung von »Codewort Rothenburg«. Was passiert mit Axel Daut und seiner Familie? Das ist doch spannend! Da gibt es doch Stoff genug!«</div>
<div>Mag sein, für mich ist diese Geschichte aber im Moment auserzählt. Auf meiner Festplatte liegt zwar ein Grobplot für einen zweiten Roman mit dem Protagonisten, aber jetzt hat mich diese andere Geschichte gepackt, sie muss raus, will erzählt werden. Aus ökonomischer Sicht ist das vermutlich falsch, widerspricht es doch dem Gedanken, sich als Marke mit einem bestimmten Kern (Béla Bolten = historischer Kriminalroman) zu inszenieren und die Erwartungshaltung des Publikums zu erfüllen.&#160;</div>
<div>Ich pfeif‘ drauf! Ich möchte meine Leser mit Geschichten unterhalten, die mir wichtig sind. Könnte das nicht auch ein Markenkern sein?</div> 
            </div>
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        <link href="http://www.schreibtaeter.eu/archives/187-Vom-Zauber-des-Anfangs.html" rel="alternate" title="Vom Zauber des Anfangs" />
        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-07-21T12:22:50Z</published>
        <updated>2012-08-02T12:55:02Z</updated>
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        <title type="html">Vom Zauber des Anfangs</title>
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                <div>Es war lange still hier. Der Grund ist einfach: Mein Alter Ego Béla Bolten beansprucht mit dem Roman »Codewort Rothenburg« im Moment jede freie Minute, die mir die Arbeit als Biograf und Ghostwriter lässt. Dabei war die Veröffentlichung des Buches selbst nicht das Problem. Auch wenn ich zuvor noch kein E-Book via Amazons »Kindle Direct Publishing« publiziert und kein Taschenbuch mit »Create Space« erstellt habe, stellte das keine allzugroße Hürde dar. Seit zehn Jahren mache ich »was mit Büchern«, da hat sich dank eingespielter Abläufe viel Routine und Gelassenheit eingestellt. Trotzdem ist alles anders. Die Veröffentlichung eines Romans unterscheidet sich gewaltig vom Abliefern einer Auftragsarbeit beim Kunden. Eine Biografie zum Beispiel entsteht in vielen Arbeitsschritten und enger Abstimmung mit dem Auftraggeber. Da wird so lange am Text und an der Gestaltung gefeilt, bis er zufrieden ist. Natürlich wurde auch der Kriminalroman vorher geprüft. Von Amateuren als Testleser und von einer professionellen Lektorin. Natürlich habe ich auch hier vor der Veröffentlichung gefeilt und geschliffen. Mein Kunde aber, sprich der Käufer und Leser, kennt das Buch nicht. Er kauft die Katze im Sack. Na ja, nicht ganz. Selbstverständlich gibt es bei Amazon die Leseprobe, zusätzlich biete ich auf Béla Boltens Internetseite eine XXL-Leseprobe von 43 Taschenbuchseiten an. Trotzdem ist die Nervosität ungleich höher als beim Ghostwriting. Wird das Buch gefallen? Werden die Leser meine Intention verstehen? Ist ein Buch, das kein Kriminalroman im klassischen Sinne ist, sondern eher, wie eine Leserin schrieb, »ein Buch über Verbrechen«, überhaupt zeitgemäß? Findet es überhaupt Käufer? Womit wir beim nächsten Problem sind. Auch die Vermarktung ist eine völlige andere als für meine biografische Dienstleistung. Natürlich gibt es inzwischen eine Vielzahl von Ratgebern, die im Prinzip alle das Gleiche empfehlen: Blog, Facebook, Twitter, Google+ und vielleicht noch die Gratisaktion bei Amazon ... Und sonst? Viel mehr kommt in der Regel nicht. Auch die Erfahrungsberichte von Kolleginnen und Kollegen konzentrieren sich meistens auf diese Bereiche. Hat wirklich noch niemand Google Adwords getestet?&#160;</div> 
<div>Also muss ich meine eigenen Erfahrungen sammeln. Als erstes habe ich in den vergangenen Wochen festgestellt, dass es eine unübersehbar große Zahl von »buchverrückten« Menschen gibt. Männern und Frauen, die Bücher verschlingen und darüber schreiben oder sich mit anderen austauschen, die spannende und lesenswerte Literaturblogs betreiben und dabei keineswegs nur auf den Mainstream schielen. Ich habe gelernt, dass es abseits des klassischen Feuilletons, in dem man mit Genreliteratur, selbstpublizierter zumal, nie eine Chance bekommt, eine große und lebendige Szene gibt, die oftmals viel aufregender ist als der Kulturteil in den sogenannten Leitmedien. Der Austausch mit diesen Büchermenschen ist bereichernd und geht zum Teil weit über die Anfangsintention hinaus, mein Buch in Richtung Leser zu kommunizieren. Ich hätte nicht gedacht, wie viel Vergnügen es mir bereitet, mich in dieser Welt zu bewegen. Der Spaß am Schreiben, der manchmal in der Routine der Auftragsarbeit unterzugehen droht, wächst. Das ist ein Gewinn abseits aller Verkaufszahlen und -ränge. Was nicht heißen soll, dass ich mittelfristig auch hier vernünftige Ergebnisse erwarte. Ich schreibe ja nicht zum Spaß.&#160;</div> 
<div> 
<p>Zum Schluss für alle, die noch nicht in meinen Kriminalroman »Codewort Rothenburg« hineingeschaut haben, eine Wohnzimmerlesung des 1. Kapitels. Wie war das mit der Katze im Sack?</p> 
<p><embed src="http://www.youtube.com/v/HhEzGcgvZhw&amp;feature=plcp&amp;fs=1&amp;rel=1&amp;border=0&amp;color1=0x3a3a3a&amp;color2=0x999999" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344" /></p> 
<div class="youtube_player"><object width="425" height="344"><noscript><a href="http://www.youtube.com/watch?v=HhEzGcgvZhw&feature=plcp"></a></noscript> <embed src="http://www.youtube.com/v/null&amp;fs=1&amp;rel=1&amp;border=0&amp;color1=0x3a3a3a&amp;color2=0x999999" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344" /></object></div> 
</div> 
            </div>
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        <link href="http://www.schreibtaeter.eu/archives/185-Erstens-kommt-es-anders-....html" rel="alternate" title="Erstens kommt es anders ..." />
        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-05-31T12:23:06Z</published>
        <updated>2012-06-01T15:14:47Z</updated>
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        <title type="html">Erstens kommt es anders ...</title>
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                <div>... und zweitens als man denkt. Ja, ja, das ist ein dummer Spruch. Aber irgendwie passt er gerade. In meinem letzten Beitrag schrieb ich über meine Ambitionen, Kriminalromane via Kindle Direct Publishing zu veröffentlichen. Keine Angst, daran hat sich nichts geändert. Nur schicke ich eine andere Geschichte ins Rennen, als ursprünglich geplant. Vor ein paar Wochen dachte ich, mein 1941 spielender Kriminalroman, der noch bei zwei Verlagen zur Prüfung liegt, müsse sich hinter einem gängigeren Krimiplot anstellen. Was waren die Gründe dafür? War da noch ein Zweifel im Hinterkopf? Dachte ich etwa: Die Geschichte ist mir für Selfpublishing zu schade? Was für ein Schmarrn! Wenn ich mich für diesen Weg entscheide, dann voll und ganz. Also ist es richtig, zuerst den Roman zu veröffentlichen, an dem ich am meisten hänge und von dem ich am überzeugtesten bin. Die Zeit des Wartens erkläre ich hiermit endgültig für beendet.&#160;</div> 
<div>Diese Entscheidung hat vor allem zur Konsequenz, dass alles jetzt viel schneller gehen wird. Ich gebe mir zehn Tage Zeit für eine abschließende Redaktion. Anschließend geht das Manuskript ins Endkorrektorat - ein Lektorat hat es bereits hinter sich. Parallel wird am Cover gearbeitet. Dann konvertieren, hochladen .... Im Juli sollte das Buch erhältlich sein. Als Kindle E-Book und - auch das aufgrund der aktuellen Entwicklungen eine neue Perspektive - als Printexemplar via »Create Space«.</div> 
<div><br /></div> 
<div>Einige Entscheidungen habe ich nach langen Gesprächen mit Freunden und Kollegen inzwischen getroffen. Ich werde für die Kriminalromane ein Pseudonym verwenden, ohne zu verschleiern, wer sich dahinter verbirgt. Der Grund ist einfach: Ich verdiene mein Geld mit dem Schreiben von Biografien und gebe mich nicht der Illusion hin, dass ich dank meiner Romane reich und berühmt werde. Mein Name steht für den Biografen - und das soll so bleiben. Gleichzeitig gehe ich einem weiteren Schreibberuf nach - und dafür verwende ich den Künstlernamen. Es macht übrigens großen Spaß, den Namen zu kreieren. Und es ist schwierig. Inzwischen habe ich mich festgelegt, aber verraten wird noch nichts.&#160;<br /><br />Bis zum Erscheinen des Buches bleibt fiel zu tun. Unter dem Künstlernamen muss eine Webpräsenz aufgebaut werden. Eine eigene Facebookseite und ein eigenes Blog sind selbstverständlich. Bei Twitter bin ich noch unschlüssig. Viele betonen die besondere Bedeutung des Microbloggings für Autoren. Für &#160;mich als Biograf bringt es kaum etwas, deshalb habe ich es in der letzten Zeit auch zugunsten von Facebook vernachlässigt. Andererseits habe ich bei Twitter 800 Follower. Ein Kollege riet, dort einfach den Namen zu ändern - natürlich vorbereitet durch viele Tweets - und anschließend unter dem Pseudonym über die Arbeit meines Alter Ego zu twittern. Was meint Ihr?</div> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-05-04T13:12:43Z</published>
        <updated>2012-05-04T13:12:43Z</updated>
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        <title type="html">Work in progress</title>
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            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                <div>Ich schreibe. Zum Broterwerb Biografien und Sachtexte. Zum Vergnügen anderes. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich mich in den verschiedensten Genres ausprobiert. So liegen einige Manuskripte in der Schublade und bei den meisten ist es gut, wenn sie dort bleiben und nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.&#160;</div>
<div>In den letzten Jahren habe ich zum Pläsier nur noch Krimis geschrieben. Von der Kurzgeschichte bis zum Roman ist alles dabei. Zwei Manuskripte habe ich so weit ausgearbeitet, dass ich Sie Verlagen zur Prüfung vorgelegt habe. Im Ergebnis wurde mir mehrmals bescheinigt, dass ich ja durchaus schreiben könne (vielen Dank auch!), aber leider, leider keine Möglichkeit zur Veröffentlichung bestehe. Die Gründe waren vielfältig und reichten von der Tatsache, dass bereits ein anderer Autor das Thema besetze bis hin zur lapidaren Feststellung, das Sujet ließe sich im Moment nicht verkaufen. Wenn ich einen Regionalkrimi mit aktuellem Bezug hätte, könnte man ja noch mal darüber reden.&#160;</div>
<div>Ein kleiner Verlag bot mir einen Vertrag an, den ich umgehend in den Papierkorb warf. Nein, ich muss nicht unter allen Umständen meinen Namen auf einem Buchcover sehen. &#160;</div>
<div>Eines der beiden Manuskripte, ein zeithistorischer Kriminalroman, wird noch bei zwei Verlagen geprüft. Da warte ich in aller Ruhe ab. Sollte es nichts werden, bleibt er, wo er ist: in der Schublade.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Mit dem zweiten Manuskript allerdings habe ich andere Pläne. Diese Geschichte eignet sich meines Erachtens für ein Experiment, mit dem ich heute beginne. Ende offen. Die Idee kam mir, als ich beim Überarbeiten des Texte mir nichts dir nichts begann, an einem Fortsetzungsplot zu stricken, der sich direkt aus der Handlung des vor mir liegenden Textes ergab. Nach einigen Tagen hatte ich in Grundzügen die Idee für eine Serie zu Papier gebracht.&#160;</div>
<div>Gleichzeitig las ich aus purer Neugier alles, was ich über Amazons Kindle Direct Publishing finden konnte und stellte auf einmal fest: Eine Serie zu haben scheint hier auf jeden Fall besser zu sein, als zu versuchen, mit dem einen, großen Wurf Erfolg zu haben.&#160;</div>
<div>Im nächsten Schritt lud ich mir die meist verkauften Kindlebooks von verlagsunabhängigen Autoren auf den Reader. Ich wollte wissen, was sich gut verkauft, vielleicht könnten man daraus auf ein Erfolgsrezept schließen. Kann man natürlich nicht. Es gibt bei den Indie-Autoren wahre Perlen zu entdecken und es gibt Erschreckendes. Und beides läuft. Der Markt ist eben groß und rätselhaft! Einige wenige Regeln, die den Verkaufserfolg zu befördern scheinen, glaube ich aber doch erkannt zu haben. Ein paar haben mit dem Inhalt zu tun, die meistens mit der Vermarktung und der konsequenten Nutzung des von Amazon zur Verfügung gestellten Instrumentariums bzw. der sozialen Netze.</div>
<div>Je mehr ich mich mit der Materie beschäftigte, desto konkreter wurde die Idee. Und seit ein paar Tagen bin ich mir sicher: Ich werde es tun. Ich werde mein vorliegendes Manuskript auf ein konkretes Ziel umarbeiten und erweitern: die Veröffentlichung via Amazon KDP.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>So, jetzt ist es raus und damit setze ich mich gewollt unter Druck. Im Laufe dieses Jahres möchte ich die Serie starten. Bis dahin ist noch viel zu tun. Das vorliegende Manuskript - zum Inhalt verrate ich selbstverständlich noch nichts - werde ich in zwei Teile splitten. Sprich: Umschreiben. Einen dritten Teil habe ich bereits geplottet, er soll bis zur Veröffentlichung des ersten Teils wenigstens in der Rohfassung und muss bis zur Veröffentlichung des zweiten Teils in der Endfassung fertig sein.&#160;</div>
<div>Dann braucht es noch ein Lektorat, ein Cover, die technische Konvertierung, und, und, und.&#160;</div>
<div>Außerdem warten noch viele Fragen auf Antworten. Zum Beispiel die, ob ich die Krimiserie unter Pseudonym publizieren sollte, um eine Kollision mit meiner Brotschreiberei zu vermeiden. Oder wann der ideale Zeitpunkt für die Veröffentlichung des ersten Teils ist, wenn ich davon ausgehe, dass ich im September so weit wäre? Und in welchen Abständen die einzelnen Teile folgen sollen? Und viele mehr.&#160;</div>
<div>Ich werde den Fortschritt der Arbeit in den kommenden Wochen auf diesem Blog dokumentieren, die offenen Fragen stellen und hoffentlich intensiv mit den Leserinnen und Lesern diskutieren. Wie der Titel schon sagt: Work in progress. Auch über das Ergebnis, sprich die Verkaufszahlen, werde ich nicht schweigen. Auch dann nicht, wenn es ein Misserfolg werden sollte. Versprochen!</div> 
            </div>
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        <author>
            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
                    </author>
    
        <published>2012-04-12T14:03:59Z</published>
        <updated>2012-04-12T14:03:59Z</updated>
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        <title type="html">Keine Tränen mehr</title>
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                <div><em>Augenzeugenberichte machen mich immer noch sprachlos. Gestern hörte ich von einem Ereignis, das ich bisher nur aus Geschichtsbüchern und Filmdokumentationen kannte.&#160;</em></div>
<div><br /></div>
<div>Dresden, 13. Februar 1945. Faschingsdienstag. Um 21 Uhr 45 heulen die Sirenen los. Es ist der 175. Fliegeralarm in der Stadt. In aller Ruhe gehen die Menschen in die Keller ihrer Wohnhäuser und in die wenigen Bunker und Luftschutzräume. Die bisherigen Angriffe der Alliierten Bomber der Royal Airforce und der USAAF hatten im Vergleich zu den Flächenbombardements anderer Großstädte vor allem im Westen Deutschlands nur geringe Schäden angerichtet und nur wenigen Menschen das Leben genommen.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Inge ist eine junge Frau von 23 Jahren. Sie lebt bei ihren Eltern in der Nähe des »Großen Gartens«, einen guten Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum entfernt. An diesem Abend ist sie allein mit ihrer Mutter. Ihr Vater blieb nach Feierabend in der Stadt, denn er hatte an diesem Tag Dienst als ehrenamtlicher Luftschutzwart. Von ihrem Verlobten hat sie monatelang nichts gehört, er ist irgendwo im Osten.&#160;</div>
<div>Die Menschen im Keller schweigen, als die ersten Bomben fallen. Sie ahnen nicht, welches Drama sich draußen abspielt. Eine Viertelstunde nach dem Alarm ist die Altstadt von den »Christbäumen«, den von Bombern abgeworfenen Magnesium-Lichtkaskaden, hell erleuchtet. Neun britische »Mosquitos« werfen anschließend die roten Zielmarkierungen auf das gut sichtbare DSC-Stadion nordwestlich des Stadtkerns. Um 22:13 fallen die ersten Bomben. 244 britische Lancaster-Bomber setzen 529 Luftminen und 1.800 Spreng- und Brandbomben ab. Der Angriff dauert nicht länger als 15 Minuten. Drei Viertel der Dresdner Altstadt brennen.&#160;</div>
<div>Kurz vor 23 Uhr verlässt Inge mit ihrer Mutter den Keller. Die Häuser ihres Straßenzuges sind unbeschädigt. Beängstigend aber ist der helle Schein, der über der Altstadt liegt. Dazu kommt der Brandgeruch. Mehr und mehr Menschen laufen in den Großen Garten. Blitzschnell verbreiten sich die Gerüchte, die gesamte Stadt stehe in Flammen. Die große Grünfläche ist eine Art Freiluft-Schutzgelände. Ein Irrtum. Um kurz nach eins heulen die Sirenen zum zweiten Mal in dieser Nacht. Die Piloten der 529 Lancaster-Bomber, die sich der Stadt aus Westen nähern, haben keine Schwierigkeiten sich zu orientieren. Der helle Feuerschein weist ihnen den Weg. In der halben Stunden zwischen 1 Uhr 23 und 1 Uhr 54 klinken die Besatzungen der Maschinen 650.000 Stabbrandbomben aus. Sie fallen auf ein rund 15 Quadratkilometer großes Gebiet. Auch auf den Großen Garten.&#160;</div>
<div>Als Inge nach der Entwarnung das Haus verlässt, schlägt ihr die Hitze entgegen. Sie hört die Schreie der verwundeten Menschen im Park. Es erscheint ihr fast wie ein Wunder, dass die Häuser der Nachbarschaft auch diesen Angriff unbeschadet überstanden haben.&#160;</div>
<div>Inges Vater kommt in dieser Nacht nicht nach Hause. Sie macht sich keine Sorgen. Er wird in der Stadt gebraucht. Selbst als er am nächsten Tag immer noch nicht auftaucht, beruhigt sie ihre Mutter. »Er hilft den Verletzten. Da denkt er gar nicht daran, nach Hause zu kommen.«</div>
<div>Insgeheim fürchtet sie längst das Schlimmste. Warum sonst lässt ihr Vater ihnen nicht wenigstens eine Nachricht zukommen?</div>
<div>Mittags kommen erneut die Flugzeuge. Die Anst wird größer.&#160;<br /><br />Am Morgen des 15. Februar hält Inge es nicht länger aus. Sie will Gewissheit. Will sehen, was passiert ist. Sie geht in Richtung Altstadt. Vorbei an ausgebrannten Ruinen. An den Straßenrändern liegen zerfetzte Leiber. Viele so verkohlt, dass sie kaum noch als menschliche Leichen zu erkennen sind. Überall lodern Feuer. Asche wirbelt durch die Luft. Der Gestank ist unerträglich, obwohl Inge sich ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase hält.&#160;</div>
<div>Nach einer gefühlten Ewigkeit steht sie gegen 10 Uhr vor dem Haus, in dem ihr Vater arbeitet. Besser gesagt vor der Fassade, die als verkohlte Wand einsam in den Himmel ragt. Das Gebäude dahinter ist eingestürzt. Vor der Tür steht Franz, Vaters Arbeitskollege. Er nimmt sie in den Arm. »Ach Inge.«</div>
<div>Dann gehen sie wortlos in den Keller. Ihr Vater sitzt auf einem Stuhl, den Arm mit erhobener Hand nach rechts in Richtung Tür gestreckt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund weit geöffnet. »Bleib stehen!«, scheint er ihr zuzurufen. Oder: »Geh weg!« Ein stummer Schrei. Inge geht zu ihm. Sie versucht, ihm die Augen zu schließen. Sie schafft es nicht, die Lider sind wie festgeklebt. Franz fasst sie am Arm und führt sie ins Freie. Sie setzt sich auf einen Stuhl, der mitten auf der Straße steht. Sie sieht nichts. Hört nichts. Nicht einmal das Getöse, als keine 200 Meter entfernt die ausgebrannte Ruine der Frauenkirche in sich zusammenfällt.</div>
<div>Sie sitzt dort starr, bis Franz sie rüttelt. »Inge, wir müssen deinen Vater zum Friedhof bringen.« Zwei Feuerwehrleute tragen den Leichnam aus dem Keller und legen ihn auf einen Handwagen. Franz nimmt die Deichsel und geht los. Sie hinterher. Sie kommen nicht weit. Wieder Alarm. Franz und Inge kriechen über einen Schutthaufen und steigen durch das Fenster in eines der wenigen nicht völlig zerstörten Häuser. Der Angriff dauert zehn Minuten, die Bomben fallen in einiger Entfernung. Nach einer halben Stunden verlassen sie das Haus. Der Handkarren mit dem Leichnam des Vaters steht unversehrt auf der Straße, die rechte Hand baumelt herunter.&#160;</div>
<div>Je näher sie dem Friedhof kommen, desto mehr Menschen bewegen sich in die selbe Richtung. Sie tragen ihre Liebsten zu Grabe. Auf Armen. Über Schultern. Auf Leitern und Karren. Ein riesiger, schweigsamer Leichenzug.&#160;</div>
<div>Inge übergibt ihren Vater einem alten Totengräber. Sie erhält eine Quittung. Erst Wochen später werden sie erfahren, in welcher Parzelle eines Reihengrabes er begraben liegt. &#160;</div>
<div>Inge geht nach Hause. Sie weint nicht. Nicht jetzt. Nicht später. Sie hat keine Tränen mehr. Nie mehr in ihrem Leben.&#160;</div>
<div><br /></div>
<div>Inge ist heute 90 Jahre alt.&#160;</div> 
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            <name>Matthias Brömmelhaus</name>
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        <published>2012-04-02T12:51:04Z</published>
        <updated>2012-04-02T12:51:04Z</updated>
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                <div>Auch nach all den Jahren bin ich immer noch nervös, wenn ich mit der Arbeit an einer neuen Biografie beginne. Heute Morgen war es wieder soweit. Der Erzähler wohnt vor Ort, so hatte ich den Vorteil, den Tag wie gewohnt und in Ruhe anzugehen. Ungewöhnlich, denn normalerweise leben meine Auftraggeberinnen und Auftraggeber weit entfernt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz und ich reise schon am Tag zuvor an. Heute also kein Hotelfrühstück und die gewohnte Tageszeitungslektüre. Und dennoch war es kein gewöhnlicher Morgen. Spannung lag in der Luft. Mit den biografischen Interviews beginnt jedes Mal auch eine Reise ins Ungewisse. Ich kenne den Erzähler nur von einem Vorgespräch. Er ist Jahrgang 1920, hat den Krieg vom ersten bis zum letzten Tag durchlitten, stammt aus Dresden und hat ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Viel mehr weiß ich nicht.&#160;</div>
<div>In den kommenden Tagen wird er mich teilhaben lassen an seinen Lebenserinnerungen. Ich weiß nicht, ob es ihm leicht fallen wird, sich zu erinnern. Gibt es tief verschlossene Traumata? Verschüttete und vergrabene Erinnerungen? Fast immer gibt es sie. Vielleicht werde ich der erste sein, der davon erfährt, obwohl er an diesem Morgen noch fest entschlossen war, darüber zu schweigen. Oft erzählen Menschen ihrem persönlichen Biografen mehr, als sie sich vorgenommen hatten. Zumindest dann, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre Erinnerungen bei mir gut aufgehoben sind.</div>
<div>Ist es da ein Wunder, dass ich vor jedem Interview aufgeregt bin? Nein! Es ist gut, denn es macht mich wach und aufmerksam. Und zugewandt.</div> 
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