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    <title>Schreibtäter - Der Flaneur schreibt</title>
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    <description>Meine Name ist Matthias Brömmelhaus, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Was die Anklage der Schreibtäterschaft angeht, bekenne ich mich schuldig. Das ganze Geständnis lesen...</description>
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    <pubDate>Wed, 23 Jan 2013 03:29:26 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Schreibtäter - Der Flaneur schreibt - Meine Name ist Matthias Brömmelhaus, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Was die Anklage der Schreibtäterschaft angeht, bekenne ich mich schuldig. Das ganze Geständnis lesen...</title>
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    <title>Connys Weltempfänger</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    Wann ist man alt? Wenn man anfängt, in Erinnerungen zu schwelgen? Als junger Mensch mag einem das so vorkommen, heute, mit Mitte fünfzig, würde ich es weit von mir weisen. Mir passiert es nämlich immer öfter, dass ein Satz mit „weißt du noch ...“ beginnt, so wie heute Morgen. Normalerweise nutzen wir die Zeit in unserem Winterdomizil auch zu einer Art Entgiftung von all dem Nachrichtenmüll, der einem in Deutschland Hirn und Geist verstopft, weil jede kleine Meldung zur Sensation aufgeblasen wird. Noch vor ein paar Jahren war es einfach, sich dem Nachrichtenterror zu entziehen. Internetzugänge gab es nur in wenigen Shops, sie waren extrem langsam und teuer. Heute gibt es „free WiFi“ an jeder Ecke, immer noch nicht auf dem Geschwindigkeitsniveau, das wir in Deutschland gewohnt sind, aber kostenlos und jederzeit verfügbar. In unserem Haus reicht es zwar nicht, um die Tagesschau zu sehen, aber Radio klappt. So hören wir jeden Morgen beim Frühstück die Wiederholung der 23-Uhr-Nachrichten vom Deutschlandradio. Fünf Minuten kompakte Information ohne Geschwafel - das reicht für den Tag. Und heute Morgen war es dann soweit: „Weißt du noch ...“, sagte ich und erzählte, wie wir in den siebziger Jahren bei unseren InterRail-Touren nach Griechenland nach Informationen gelechzt haben - na ja, am wichtigsten waren zugegebenermaßen die Bundesligaergebnisse vom Samstag. Irgendwann hatte mein Freund Conny plötzlich einen Zauberkasten namens Weltempfänger dabei. Damit saßen wir vor dem Zelt am Strand des kretischen Dorfes Kalives und versuchten, das Rauschen im Äther so weit zu unterdrücken, dass wir zumindest Satzfetzen verstehen konnten. Heute öffnet man die App und hört den Sprecher so klar, als säße man in der Konstanzer Küche. Kommt es zu einer Unterbrechung, mag sie auch noch so kurz sein, hebt man kritisch die Augenbrauen. Es ist tatsächlich so, die Welt ist durch das Internet zusammengerückt. Verloren gegangen ist dabei die Faszination der Fremde, das Gefühl, tatsächlich weit weg von der Alltagsnormalität zu sein. In früheren Jahrzehnten verlief die technische Entwicklung viel langsamer als heute, deshalb waren die Menschen älter, als sie das erste Mal „weißt du noch ...“ sagten. Also erinnern wir uns. An Kalives, an den Weltempfänger und an Conny. Soll ja auch gesund sein, &lt;a href=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/122-Schokolade-fuers-Hirn.html&quot;&gt;sagt zumindest ein anerkannter Experte in Fragen des Alters.&amp;#160;

&lt;/a&gt; 
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    <pubDate>Tue, 22 Jan 2013 08:35:19 +0100</pubDate>
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    <title>Die andere Seite</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Was erwartet man, wenn man sich auf die längste Reise macht, die man von Europa aus unternehmen kann? Exotik? Dann sollte man nicht nach Neuseeland fliegen. Auf den ersten Blick kommt man in ein kleines Europa. Alles auf gedrängtem Raum. Skandinavische Fjorde, Alpen, Allgäu, mediterrane Strände. Sauber ist alles, ordentlich. Ökologie aller Orten. Wer glaubt, die Deutschen wären die Weltmeister im Mülltrennen, sollte sich mit einer neuseeländischen Hausfrau unterhalten. Der Kompost im Garten ist ein Muss, will man nicht als Umweltsünder gelten.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Es braucht seine Zeit, bis man bemerkt, dass viele doch ganz anders ist als auf der entgegengesetzten Seite der Erdkugel. Entspannter zum Beispiel. Freundlicher vor allem, auch wenn es einem an Verkäufergriesgrämigkeit gewöhnten Mitteleuropäer schwer fällt, auf das morgendliche „Good morning, dear! How ist your day?“ der Bäckereiverkäuferin nicht griesgrämig zu antworten: „Woher soll ich denn zum Teufel wissen, wie mein Tag heute wird, wo ich ebene erst aufgestanden bin und jetzt gerade keine Unterhaltung, sondern eine Tasse Kaffee brauche.“ Vermutlich würde man der Guten damit ihren Tag gründlich versauen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt; 
&lt;p&gt;Verrückt sind die Kiwis auf jeden Fall - und süchtig nach Adrenalin. Bungee-Jumping an jeder Ecke. Selbst vom Skytower in Auckland kann man sich hinunterstürzen. Das schnellste Jet-Boot, das höchste Parasailing ...., wenn schon nicht der Welt, dann wenigstens der südlichen Hemisphäre. Vielleicht liegt die Lust am Nervenkitzel daran, dass sonst nicht so viel passiert. Der Rest der Welt ist weit weg und die knapp 4,5 Millionen Menschen treten sich auf den beiden Inseln nicht auf die Füße, kommen doch nur 16,5 Einwohner auf den Quadratkilometer. Mehr als in Australien, aber da ist im Gegensatz zu Neuseeland in der Mitte ja auch nichts. Womit wir bei den Vorurteilen und Abneigungen sind, zu denen man sich hier ganz offen und ohne Scheu bekennt. In erster Linie geht es gegen die Australier und die Franzosen. So klebte im Fenster eines Pubs der Hinweis: „Bei uns sind alle Nationen willkommen - sogar Franzosen!“ Und in einem anderen Pub zeigte der unverzichtbare Fernsehschirm als „Pausenzeichen“ diese Grafik.&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt;&lt;!-- s9ymdb:58 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;567&quot; height=&quot;426&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Australien.jpg&quot; /&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Mon, 30 Jan 2012 01:11:59 +0100</pubDate>
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    <title>Weihnachtsnomaden - Update 2011</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Als ob das ganze Weihnachtsgedöns in unseren Städten nicht schon genug wäre, hielt mir vor zwei Jahren ein im Weihnachtsmannkostüm steckender TV-Reporter ein Mikro vor die Nase, als ich gerade versuchte, durch die von gestressten Weihnachtseinkäufern überfüllte Fußgängerzone zu flanieren.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„Sagen Sie mal, was bedeutet Ihnen eigentlich Weihnachten?“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Erwartete der Mann darauf eine ehrliche Antwort? Ich überlegte einen Moment. Sollte ich irgendetwas von „RuheFriedenFamilie“ faseln? Ich entschied mich für die Wahrheit:&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„Was &lt;strong&gt;ich&lt;/strong&gt; von Weihnachten erwarte, spielt seit Langem keine Rolle mehr. Seit ich der Kindheit entwachsen bin, wird nur etwas &lt;strong&gt;von mir&lt;/strong&gt; erwartet.“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Kaum hatte ich die beiden Sätze ausgesprochen, drückte der Rotgewandete an seinen Knöpfen herum. Vermutlich löschte er mein Statement umgehend. Wer will denn so etwas auch hören, zur schönen Weihnachtszeit?&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Dabei gehöre ich keiner Minderheit an. Vielmehr bin ich einer von hunderttausenden Weihnachtsnomaden, die Jahr für Jahr größte Strapazen auf sich nehmen, nur um die Erwartungen anderer zu erfüllen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Sie meinen, ich übertreibe? Beileibe nicht! Hier mein diesjähriger Feiertagsfahrplan:&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 23. Dezember setze ich mich um 08:47 in den Zug und fahre 750 Kilometer gen Norden. Wenn alles gut geht – und bei der Bahn geht an den Feiertagen selten alles gut – erreiche ich um 16:50 die münsterländische Kleinstadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin und wo meine Mutter sowie die Beutekinder und -enkel leben. Anschließend gibt es die Geschenke für die Beuteenkel, denn der Weihnachtsmann kommt immer schon einen Tag früher an den Bodensee – ganz Deutschland an einem Tag, wer schafft das schon! Danach gibt es die traditionelle Feuerzangenbowle, während der Baum geschmückt wird.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 24. Dezember bleibt nicht wirklich Zeit, um auszuschlafen, denn spätestens mittags geht der Stress dann richtig los: Meine Mutter erwartet meine Frau und mich zum traditionellen schlesischen Mahl mit Weihnachts-Weißwurst und Pfannenklößen. Danach Friedhofsbesuch und anschließend bereiten wir den Tisch für das morgige große Familienfestmahl. Dann werde ich als Chauffeur tätig und bringe Mutter und ihre 92-jährige Schwester zur Kirche. („Nein Mutter, ich werde auch dieses Jahr keinen Weihnachtsgottesdienst besuchen!“) Nach einem kurzen Cappucino-Zwischenstopp bei Beutetochter I hole ich die beiden Damen wieder ab. Gemeinsam fahren wir zur Beutetochter II zum Festmahl unterm Tannenbaum.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 25. Dezember geht die Weihnachtsrallye weiter. Familienmittagessen bei der Mutter („ach Kinder, die Gans ist dieses Jahr ein ganz, ganz zähes Luder“), das nahtlos in die Kaffeetafel übergeht („der Kuchen ist mir auch schon mal besser gelungen“). Gegen halb fünf kommt der tränenreiche Abschied. („Müsst ihr denn wirklich schon gehen? Wir haben uns doch noch gar nicht richtig unterhalten können!“) Wenigstens einen einzigen nichtfamiliären Besuch bei Freunden möchten wir noch machen – wenn es auch nur für eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte reicht, denn spätestens gegen sieben Uhr sollten wir wieder bei Beutetochter II am Abendbrottisch sitzen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 26.12. steigen wir um 10:13 in den Zug und fahren 750 Kilometer gen Süden. Wenn alles gut geht – ach ja, das hatten wir ja schon! Gegen 19 Uhr sind wir hoffentlich wieder daheim.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Weihnachten bedeutet für uns seit vielen Jahren zuallererst 1.500 Kilometer oder 17 Stunden Bahnfahrt in völlig überfüllten Zügen mit dreimaligem Umsteigen auf kalten, zugigen Bahnhöfen. Da bleibt jedes weihnachtliche Gefühl auf der Strecke.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Was also sind unsere Erwartungen an Weihnachten? Wir wünschen uns vor allem, dass die Deutsche Bahn es dieses Jahr schafft, uns ohne größere Verspätungen und Zwischenfälle, mit funktionierenden Platzreservierungen, in beheizten Waggons mit unverschlossenen Toiletten durch Deutschland zu kutschieren.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;In diesem Sinne: Frohe Weihnachten allerseits!&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Wed, 21 Dec 2011 12:55:39 +0100</pubDate>
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    <title>Die Straße den Bürgern!</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Ich bin ein Flaneur, schlendere gerne durch Städte. Ziellos. Zwecklos. Einfach um des Flanierens willen. Jeder, der das mit offenen Sinnen tut, stellt fest, wie sehr sich die Stadträume verändern. Da ist zum einen die seit Jahrzehnten zu beobachtende Verödung der Innenstädte, die von Lebens- zu reinen Konsumräumen geworden sind. Wer &amp;#160;auch einmal abends um 11 Uhr durch eine Fußgängerzone spaziert, weiß wovon ich spreche. Wie gesagt, diese Entwicklung ist alt und bald wird niemand mehr zum Einkaufsbummel in einen anderen Ort fahren, denn angesichts der alle Innenstädte dominierenden, allerorts identischen Handelsketten kann man auch gleich zu Hause bleiben. Mit Ausnahme der Schweizer vielleicht, die dank Frankenstärke und eidgenössischem Durchschnittseinkommen bei regelmäßigem Einkauf in Deutschland statt daheim locker das Monatsgehalt einer Aldi-Kassiererin einsparen können.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Nun gut, die McDonaldisierung unserer Städte lässt sich wohl nicht mehr umkehren, umso mehr schmerzt, dass &amp;#160;- zumindest empfinde ich das so - der bisher wenigstens zum großen Teil öffentliche Raum mehr und mehr kommerzialisiert und damit letztendlich privatisiert wird. Da sind zum einen die immer mehr ausufernden Straßencafés. In Konstanz zum Beispiel ist die freie Fläche mancherorts inzwischen so verengt, dass man sich als Spaziergänger vorkommt wie auf dem Rummelplatz am Samstagabend. Ein einziges Gedränge und Geschiebe. Jede verbleibende Freifläche wird zudem von Musikern, Pantomimen, Malern, Zauberern und sonstigen Kleinkünstlern respektive deren Geldsammelgefäßen, die schon einmal die beträchtliche Größe eines Contrabasskastens haben können, beansprucht. Wer da nicht auf seine Füße achtet, tappt schnell irgendwo hinein. Zur akustischen Belästigung sei nur gesagt, dass ich ein großer Anhänger der in Paris und London praktizierten Beschränkung bin, dass nur Straßenmusiker eine Auftrittsgenehmigung erhalten, die zuvor einer Jury von Profis bewiesen haben, dass ihre Darbietungen tatsächlich ein Ohrenschmaus sind.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Nun könnte man all dies noch abtun mit dem Hinweis: Niemand zwingt dich, ein Straßencafé aufzusuchen und dem Panflötenspieler mit dem lustigen bunten Hut einen Cent in den Hut zu werfen. Richtig - und doch falsch! Denn wo, bitteschön, gibt es in der Innenstadt einen Platz, an dem ich mich hinsetzen und in Ruhe mit meiner Frau plaudern oder Zeitung respektive ein Buch lesen kann, ohne 3 Euro 80 für einen Latte macchiato (igitt) oder 2 Euro für einen Espresso (meistens noch ungenießbarer) auf den Tisch blättern zu müssen? Damit ich nicht falsch verstanden werde: Mir geht es nicht um Kritik an der deutschen Kaffeekultur, obwohl sie absolut berechtigt wäre. Vielmehr wehre ich mich gegen die gewaltsame Okkupation des öffentlichen Raums durch private Wirtschaftsinteressen. Nachdem wir, getreu dem Motto »aus den Augen, aus dem Sinn« Drogenabhängige und Bettler immer erfolgreicher aus dem Straßenbild verbannen, droht das Gleiche nun konsumunwilligen oder -unfähigen Menschen. Wer die überzogenen Preise in Cafés und Restaurants nicht zahlen will oder kann, soll gefälligst draußen bleiben.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Zunehmend wird den Bürgern geraubt, was sie sich in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erkämpft haben. Das Wort »Straßencafé« war damals in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Die Straßen gehörten Autos. Und dann begannen wir ganz langsam, aus den Häusern zu gehen und den Raum da draußen zu bevölkern. Es fing an mit den Stadtparkwiesen. Wir lagen in der Sonne, tranken Lambrusco aus der anderthalb Liter Flasche, hörten Amon Düül und ließen uns als Gammler beschimpfen. Vom Park zogen wir in die Stadt. Setzten uns auf Brückengeländer und Kirchenstufen. Der Pfarrer schimpfte uns zwar nicht Gammler, vertrieb uns aber trotzdem. Aber wir kamen wieder und wurden mehr. Die ersten Hausfrauen und Mütter mit ihren Kinderwagen tauchten auf, setzten sich auch auf den Rasen und genossen die Sonne. Meistens hatte jemand eine Gitarre dabei und klampfte leise drauflos - ohne Gagenerwartung. Und abends standen wir im Sommer auf der Straße vor der Disco, die damals noch gar nicht so hieß, sondern »Holgers Old In« und mitten in der Stadt lag und nicht weit draußen im Industriegebiet. Wir tranken Bier und rauchten und sangen.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;»On a dark desert highway, cool wind in my hair&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;Warm smell of colitas, rising up through the air.«&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;p&gt;Wenn der Sommer besonders schön und die Nächte besonders warm waren, stellten wir ein paar Kisten Bier in einen Bollerwagen und setzten uns an die Ems. Ein Kassettenrekorder war immer dabei und den braven Passanten war er immer zu laut. Aber wir lachten über diese Spießer und ließen uns nicht stören und wenn das Bier zur Neige ging, stiegen wir über den Zaun ins Freibad und schwammen eine paar Runden. Der Bademeister hatte einen festen Schlaf. Oder er wollte uns nicht hören. Was war auch schon dabei!&lt;/p&gt; 
&lt;div&gt;Das klingt wie Historienverklärung? Mag sein. Aber vielleicht braucht es diese Erinnerung, um zu verstehen, was wir zu verlieren drohen. Die Straße gehört den Bürgern! Und das gilt auch für Fußgängerzonen, Seepromenaden und Flaniermeilen. Wenn wir es zulassen, dass unsere Straßen und Plätze, dass unsere Ufer und Promenaden nur noch den zahlungskräftigen Teilen der Gesellschaft offen stehen, kommt es am Ende so, wie im »Hotel California«.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;»Mirrors on the ceiling,&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;The pink champagne on ice&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;And she said ‚We are all just prisoners here, of our own device‘&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;And in the master‘s chambers,&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;They gathered for the feast&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;They stab it with their steely knives,&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;em&gt;But they just can‘t kill the beast.«&lt;/em&gt;&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Thu, 01 Sep 2011 10:40:14 +0200</pubDate>
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    <title>Sommerblues</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Draußen ist endlich Hochsommer und ich habe ein Gefühl von Herbstmelancholie. Seltsam, denn ich bin ein Sommermensch. Brauche die Wärme und die Sonne. Im Herbst überkommt mich oft die Traurigkeit, wenn die Sonne unweigerlich immer niedriger steht und kürzer scheint. Wenn es kühler wird. Wenn der lange Winter zu ahnen ist. Aber warum bin ich jetzt so antriebslos? Sitze am Schreibtisch und vertrödele die Zeit, klicke mich durch Twitter und Facebook, ohne wirklich zu lesen, geschweige denn etwas zu schreiben - nicht einmal eine einfache Antwort, ein kurzes Hallo. Sortiere Reisefotos, statt den Text zu überarbeiten, der in der nächsten Woche zur Grafikerin muss.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt; 
&lt;p&gt;Vielleicht war ich zu lange zu weit entfernt von dieser Normalität. Noch nie war ich so viele Tage auf einem Schiff unterwegs. Noch nie war ich so weit im Norden, dass sogar die moderne Kommunikationstechnologie für Tage nicht zur Verfügung stand, weil keine zuverlässige Verbindung zum Satelliten möglich war. Zu niedrig steht er am Horizont. Auf 79° Nord. Knapp 1200 Kilometer vor dem Nordpol.&amp;#160;&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt;&lt;!-- s9ymdb:52 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;319&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Polarmeer.jpg&quot; /&gt;&lt;/p&gt; 
&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Karg, lebensfeindlich und doch faszinierend ist es dort oben. Manches verstört einen, etwa wenn die Menschen in Longyearbyen ganz selbstverständlich mit dem geladenen Gewehr über der Schulter durch die Stadt flanieren. Wegen der Eisbären, die gerne auch mal in die Stadt kommen. Gerade als wir auf Spitzbergen waren, starb dort ein junger Engländer durch eine Eisbärenattacke.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Vor allem als ich durch Ny Alesund spazierte, kamen mir die Helden meiner Kindheit in den Sinn. Ich verschlang jedes Buch über die großen Entdecker und Polarforscher, das mir in die Hände fiel. Amundsen und Nansen faszinierten mich vor allen anderen und hier begegneten mir die beiden Norweger an jeder Straßenecke. Was müssen der Pol und die ständige Bedrohung der Arktis mit ihnen gemacht haben, wenn mich eine komfortable und sichere Reise schon so berührt, die gerade einmal an den Rand des ewigen Eises führte? &amp;#160;Dort oben in der Kälte sehnte ich mich manchmal nach der Wärme des Sommers am Bodensee. Wieder hier vermisse ich die Stille, die mitternächtliche Helligkeit, die klare Luft, die es so nur über Gletschern gibt. Bisher hieß Reisen für mich, in den Süden zu fahren. Nie hätte ich gedacht, wie sehr mich der Norden in seinen Bann zieht. So sehr, dass mich der Sommer traurig macht.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Aber Schluss jetzt mit Trübsal blasen. Gleich geht es nach Bregenz. Auf die Seebühne - Revolutionsoper anschauen. Und morgen freue ich mich wieder über die Sonne und die Wärme und das kühlende Bad im See. Und arbeite. Versprochen.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Thu, 18 Aug 2011 16:12:03 +0200</pubDate>
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    <title>Auszeit</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn ich werde etwas tun, was ich mir seit acht Jahren nicht mehr gegönnt habe. Ich nehme mir eine Auszeit. Nun werden sich aufmerksame Leser vielleicht wundern. Ist der Schreibtäter nicht jedes Jahr im Winter zwei Monate auf der Südhalbkugel? Und berichtet er nicht auch zwischendrin immer mal wieder von Reisen in Europa? Ja, das stimmt. Aber zwischen Januar und März verlege ich einfach meinen Lebensmittelpunkt samt Arbeitsplatz für zwei Monate in wärmere Gefilde. Ich arbeite, schreibe an Biografien oder anderen Texten, pflege Kundenkontakte, schaue hin- und wieder in den sozialen Netzwerken vorbei. Ich klinke mich nicht aus, so wie ich das ab morgen tun werde. Ich spüre, dass ich eine kreative Pause brauche. Ich möchte mich nur mit Dingen abseits der Arbeit und der Aktualität beschäftigen. Das heißt: Alle laufenden Projekte werden für 20 Tage auf Eis gelegt. Kunden wie Partner sind darüber informiert. Ich werde keine E-Mails lesen und keine beantworten. Ich werde weder in meine Twittertimeline schauen noch in Facebook posten. Und Google+ wird auch ohne mich weiter wachsen. Ich werde nicht einmal berichten, was ich in den kommenden drei Wochen tue. Auf jeden Fall nicht sofort - vielleicht später einmal. Die Welt wird ohne mich auskommen müssen - zumindest die digitale. Denn das wirkliche Leben werde ich genießen. Versprochen!&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt; 
&lt;p&gt;Ein einziges Zugeständnis an meine Arbeit gibt es in der Lektüre. Ich werde die Biografien zweier Künstler lesen.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:51 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;319&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/NijinskyundWaits-Biografien.jpg&quot; /&gt;Die von Tom Waits, weil mich diese Musik seit Jahrzehnten begleitet und »Faszination Nijinksy«, weil Petra van Cronenburgs Berichte und Erzählungen zur Entstehung des Buches mich neugierig gemacht haben. Was sonst noch? Mein eBook-Reader ist prall gefüllt.&lt;/p&gt; 
&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt; 
&lt;p&gt;Also dann - bis in drei Wochen. Gehabt Euch wohl!&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 22 Jul 2011 13:18:32 +0200</pubDate>
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    <title>Die Welt steht still - für einen Tag</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Noch bin ich auf Bali - in vier Tagen geht es zurück nach Deutschland - und erlebe erst zum zweiten Mal in all den Jahren, die wir auf die Insel kommen, einen der faszinierendsten Tage, die es wohl auf der Welt gibt: Nyepi.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;So heißt das balinesische Neujahrsfest, das auf einzigartige Weise begangen wird. In den Tagen zuvor wird so viel Lärm wie möglich gemacht, zum Schluss werden von Böllern und lauter Musik begleitet riesige Puppen, die schaurige Gestalten darstellen, durch die Straßen getragen und anschließend verbrannt. Durch diesen ganzen Hokuspokus sollen die bösen Geister, die ja bekanntlich schreckhaft sind, von der Insel vertrieben werden. Danach beginnt eine besondere Inszenierung, mit der den zurückkehrenden Dämonen vorgegaukelt werden soll, die Menschen hätten Bali verlassen und die Insel wäre deshalb auch für die Geister uninteressant. Deshalb ist es an Nyepi verboten, das Haus zu verlassen, zu kochen, Musik zu machen. Und tatsächlich: Kein einziges Auto ist auf den ansonsten übervollen Straßen unterwegs. Der Flughafen ist für 24 Stunden geschlossen. Stille, nur von Naturgeräuschen unterbrochen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Abgesehen vom religiösen Brimborium würde ich mir so einen Tag auch im Rest der Welt wünschen - nur auf das Ausgehverbot könnte man verzichten, damit man ihn genießen kann. Ein Tag ohne ressourcenfressende Mobilität, ohne Dauergedudel aus allen Lautsprechern, ohne Konsummöglichkeiten ... einfach ein leiser Tag, an dem die Menschheit durchatmen könnte, zur Ruhe käme. Eine Idee, die leider wohl ein Traum bleiben wird.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ach ja: einem Deutschen treibt es einen leichten Schauer über den Rücken, wenn hier in vielen Schaufenstern und auf großen Plakaten das &amp;#160;neue Jahr freudig begrüßt wird. Nach balinesischen Kalender beginnt gerade 1933 - gut das wir das schon hinter uns haben.&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 05 Mar 2011 06:25:25 +0100</pubDate>
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    <title>E-Book vs. Print: the winner is ...</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man. Wie schnell sich Gewohnheiten ändern lassen, stelle ich gerade fest. Seit einigen Wochen lese ich ausschließlich E-Books auf meinem E-Book-Reader. Zum einen, weil ich viele englischsprachige Bücher lese, die nun mal als E-Book einfacher zu besorgen und zudem preiswerter sind. Außerdem bin ich ja im Moment in meiner Winterheimat und habe es genossen, endlich nicht mehr kiloweise Bücher schleppen zu müssen. Apropos Winterheimat. Jeder Gang durch diese balinesische Kleinstadt zeigt, dass Deutschland in punkto Digitalisierung tiefste Provinz ist. Hier gibt es kaum ein Café ohne freies W-Lan. Auf einem Drittel der Tische liegen Tabletcomputer - bei weitem nicht nur Apfelbrettchen. Bin ich in Deutschlands Bahnen, Bussen und Cafés meistens der einzige, entweder mitleidig belächelte oder ungläubig bestaunte E-Book-Leser, finden sich hier oft gleich mehrere zum Gedankenaustausch. Eindeutig das meistgenutzte Gerät ist Amazons Kindle, ich sah aber auch schon einige andere Lesegeräte.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Gestern Abend machte ich eine überraschende Feststellung. Ich nahm ein Fachbuch zur Biografiearbeit zur Hand, das zu lesen ich mir für die zwei Monate hier fest vorgenommen hatte. Zu lange schon lag es ungelesen auf meinem Schreibtisch - tatsächlich im wirklichen, physischen Sinn, denn es handelt sich mangels Verfügbarkeit der digitalen Variante um eine Printausgabe. Ich legte mich gemütlich ins Bett, schlug das Buch auf und war nach wenigen Seiten genervt. Vom Gewicht des Buches, das schwer zu halten war. Vom Schriftbild mit seinem geringen Kontrast und den winzigen Buchstaben, die nur dadurch zu erklären sind, dass der Verlag auf Teufel komm raus einige Druckseiten und damit Kosten sparen wollte. Nach einer halben Stunde begann ich zu ermüden. Meine Augen waren überanstrengt und meine Arme lahm.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Wie angenehm ist es dagegen mit meinem E-Book-Reader zu lesen. Das Gewicht spürt man kaum in der Hand, die Schriftgröße ist variierbar und der Kontrast ist, wie ich inzwischen mehrfach feststellen konnte, vielen Druckwerken deutlich überlegen. Und wenn man einschläft und das Buch sinkt einem auf die Brust, knickt garantiert keine Seite um.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
&lt;p&gt;Ich bin endgültig vom digitalen Lesen überzeugt. Die Vorteile überwiegen bei weitem und das Rascheln von Papier vermisse ich schon lange nicht mehr. Ohnehin habe ich das Gerede von der besonderen Buchhaptik, die zum Leseerlebnis dazu gehöre, nie so recht verstanden, angesichts der miserablen Qualität, die nicht nur bei Taschenbüchern inzwischen zur Regel zu werden scheint.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem E-Book gehört die Zukunft - ganz sicher zumindest, was meine Bettlektüre angeht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 02 Feb 2011 08:38:56 +0100</pubDate>
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    <title>Koloniales Gehabe</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/archives/142-Koloniales-Gehabe.html</link>
            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Heute hatte ich einen Disput mit vier Amerikanerinnen. Ich saß in meinem Lieblingscafé in Ubud, wo es den besten Kaffee der Stadt und zudem ausgesprochen leckeren Kuchen gibt. Die vier Damen, zwischen 30 und 40 Jahre alt, saßen am Nachbartisch. Sie gehörten genau der Spezies von Balireisenden an, die mich mehr und mehr zur Weißglut treiben. Alle lümmelten sie mit untergeschlagenen Beinen in ihren Sesseln. Vermutlich hatte man ihnen im gerade besuchten Yoga--Retreat, wo sie im Übrigen auch für teures Geld ihre schon leicht angeschmutzte Kleidung gekauft haben dürften, beigebracht, dass nur in dieser Haltung Erleuchtung möglich sei. Eine der Frauen hatte ganz lässig ihren Fuß auf die Tischkante gelegt und spielte an ihrem Fußkettchen. Wie gesagt: Wir saßen in einem gut gefüllten Café, in bequemen Rattansesseln und auf sauberen Polstern. Ob sich die Vier genauso verhalten würden, wenn das „Casa luna“ nicht auf Bali, sondern in Boston stünde? Ich will es gar nicht wissen und es ist auch nicht wichtig. Denn zum Eingreifen bewegte mich etwas ganz anderes. Wie jeden Morgen um diese Zeit liefen ständig Newspaper-Boys am zur Straße hin offenen Lokal vorbei und hielten ihre Tageszeitungen hoch.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„Hey Mister, you want newspaper?“ Die Jungs sind allgegenwärtig, man entkommt ihnen bei keinem Spaziergang. Sie bieten eine Dienstleistung an, indem sie mir, während ich gemütlich in einem Restaurant oder Café sitze, die Tageszeitung besorgen. Dafür werden sie bezahlt - sprich: Die Zeitung ist bei ihnen ein paar Cent teurer als am Kiosk. Wenn man keine Zeitung möchte, schüttelt man kurz mit dem Kopf und schaut weg. Jeder längere Augenkontakt signalisiert Interesse und der Paperboy wird weiter insistieren. So ist das hier. Hin und wieder kann die ständige Konfrontation mit Waren und Dienstleistungen nerven, aber wer schon häufiger in Asien gereist ist, entwickelt bald Strategien, sein Desinteresse bestimmt zu zeigen, ohne unfreundlich zu wirken.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Die vier lässigen Damen schienen diese Grundregeln, die man in jedem besseren Reiseführer nachlesen kann, nicht zu kennen. Bald waren sie sichtlich genervt von den ständig wiederholten Angeboten. Statt jetzt einfach auf stur zu schalten, glaubten sie, den Jungen, der ihnen zwei englischsprachige Zeitungen entgegenhielt, foppen zu müssen.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„Du hast nur zwei Zeitungen? Das reicht nicht. Du siehst doch, dass wir vier Frauen sind. Wir wollen jeder unsere eigene Zeitung.?&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Der vielleicht 16-jährige Junge lächelte und hielt vier Finger in die Höhe.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„You need four?“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Die Frauen lachten. „Ja, genau! Wir brauchen vier.“ Auch sie signalisierten zusätzlich mit den Händen die gewünschte Zahl.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Der Verkäufer verschwand und die Damen feixten. „Jetzt sind wir ihn los!“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Weit gefehlt, denn keine Minute später stand er an ihrem Tisch. Mit vier Ausgaben der „International Herald Tribune“.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Jetzt wollten die Damen plötzlich nichts mehr von ihrer Kaufzusage wissen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„It was just a joke, you know?“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Nein, der Junge wusste nicht. Sie hatten doch klar gesagt, dass sie vier Zeitungen wollten. Nur deshalb war er doch losgelaufen und hatte sie besorgt. Gekauft vermutlich. Die Verzweiflung war ihm ins Gesicht geschrieben. Die Jungs haben es in Zeiten von Internet und auf Bali überall kostenlos verfügbarem W-LAN ohnehin schwer genug, die paar Kröten zu verdienen, die ihre Familie dringend braucht.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Als die Amerikanerinnen ihre Gegenüber weiterhin nur angrienten und alberne Sprüche droschen, mischte ich mich ein. Ich erklärte ruhig aber bestimmt, dass sie sich eindeutig zum Kauf verpflichtet hätten und den Burschen jetzt nicht hängen lassen dürften. Er würde die Zeitungen heute vermutlich nicht mehr los und spätestens am Nachmittag seien sie völlig wertlos.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Sie versuchten noch kurz zu argumentieren, dass doch der Dümmste hätte merken müssen, dass ihr Angebot ein Scherz gewesen sei.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Als ich nicht nachgab, sondern argumentierte, dass der Paperboy nicht dumm sei, sondern einfach nur zu wenig Englisch verstehe, um ihren vermeintlichen Scherz zu durchschauen, reichte es ihnen. Diejenige, die ihren Fuß so unappetitlich auf der Tischplatte abgelegt hatte, fragte nach dem Preis.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„20.000 Rupiahs each.“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Sie nestelte einen 100.000-Rupiah-Schein aus der Tasche und warf ihn auf den Tisch. Dann stürmte die Bande aus dem Lokal, mir einen gehässigen Blick zuwerfend und einen Spruch zurufend, den ich zum Glück nicht mehr verstand. Freundlich war er gewiss nicht.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Der Zeitungsverkäufer strahlte über das ganze Gesicht. Er hatte etwas das Doppelte des korrekten Preises erzielt.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Mein Espresso ging übrigens aufs Haus. Manchmal lohnt sich eine gute Tat sofort.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 20 Jan 2011 11:33:00 +0100</pubDate>
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    <title>Winterflucht</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/archives/140-Winterflucht.html</link>
            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;p&gt;
Seit Jahren bin ich Winterflüchtling, verlege Wohnort und Arbeitsplatz für gut zwei Monate auf die andere Seite der Erdhalbkugel, an einen Ort, wo es keinen Winter gibt sondern nur eine Trocken- und eine Regenzeit. Im europäischen Winter ist Regenzeit, was den Vorteil hat, das alle Reisebüros von Ferien auf der Insel zu dieser Zeit abraten. Zwar schlagen Jahr für Jahr mehr Menschen diesen Rat in den Wind, aber noch immer ist es jetzt längst nicht so voll, wie in den Hauptreisemonaten im europäischen Sommer. Trotzdem staut sich der Verkehr auf der Hauptstraße unseres Wohnortes jeden Nachmittag wegen der unzähligen Reisebusse voller Koreaner, Chinesen und Taiwanesen, die sich beharrlich weigern, 300 Meter vom Kunsthandwerksmarkt, auf dem es schon lange nur noch Kitsch aus Massenproduktion gibt, bis zum Busparkplatz zu laufen. Obwohl es zu dieser Zeit fast nie regnet, denn Regenzeit bedeutet kurze, aber heftige Schauer meistens am Abend oder in der Nacht.
Die Besucher kommen wegen der Exotik und des besonderen Flairs auf die „Insel der Götter“. Meistens suchen sie vergeblich - vielleicht auch deshalb, weil sie es vorziehen, ihren Kaffee bei Starbucks zu trinken und ihren Teigfladen beim Pizza Hut zu essen. Als wir vor 21 Jahren das erste Mal auf die Insel kamen, gab es weder das eine noch das andere und besseren Kaffee und schmackhafteres Essen zu finden ist hier wirkliche keine Kunst. Für mich gehört es zu den unentschlüsselten Rätseln der Menschheit, warum Angehörige dieser Gattung sich 14 Stunden und mehr in ein Flugzeug zwängen, um dann in einer Kaffeehauskette mit Landsleuten über das verloren gegangene Paradies zu lamentieren.

&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Uns ist das gleich. Für uns ist Bali Heimat. Wir haben hier Freunde und Bekannte, wir werden in unseren Stammrestaurants persönlich begrüßt, unser Motorradvermieter hält für uns ein nagelneues Gefährt bereit und sobald wir im Sattel sitzen, ist es selbstverständlich, links zu fahren. Wir registrieren die Veränderungen durch den Massentourismus und freuen uns über alles, was gleich bleibt. Wir kennen die Plätze, an denen das „alte“ Bali, das auch nicht paradiesisch aber idyllisch war, noch spürbar ist. Immer häufiger ertappe ich mich dabei, dass ich auf die Frage, wo man noch das authentische Bali findet, ausweichend antworte. Manche Orte müssen nicht entdeckt werden. Und wenn mich jemand in Hippieuniform, der zuvor vier Euro für einen Kaffee bezahlt und die Kassen eines amerikanischen Konzerns gefüllt hat, nach einem typischen Lokal fragt, wo man „echt balinesisch“ und billig essen kann, verweigere ich inzwischen immer die Antwort. Wahrscheinlich würde er dort eh nicht glücklich.
&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 13 Jan 2011 09:21:46 +0100</pubDate>
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    <title>Plädoyer für das Buchladencafé</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/archives/110-Plaedoyer-fuer-das-Buchladencafe.html</link>
            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    Die erste Oktoberhälfte ist die hohe Zeit der Literatur. Deutscher Buchpreis, Frankfurter Buchmesse, Literaturnobelpreis. Fast jeden Tag wird selbst in den Hauptnachrichtensendungen des Fernsehens über einen Autor oder über das Lesen - ob analog oder digital - berichtet. So viel Aufmerksamkeit bekommen Schriftsteller und ihre Werke den ganzen Rest des Jahres nicht mehr. Das ist schön! Weniger schön ist, dass in vielen Kommentaren das Lamento überwiegt. Da wird über die mangelnde Qualität geklagt, über das E-Book als Nagel im Sarg des Kulturgutes Buch gejammert, über Verlage hergezogen, die nur noch den Massengeschmack bedienen und der Buchhandel beschimpft, weil es ihm nur noch um das Geldverdienen gehe. Die Kritiker haben Recht, zweifelsohne! Trotzdem langweilen sie mich mit diesen Zustandsbeschreibungen, die seit Jahrzehnten immer die gleichen sind - neu ist nur die gegenwärtige E-Book-Beschimpfung oder -verklärung. Seit wann wird der Untergang der Lesekultur vorhergesagt? Eingetreten ist das Gegenteil, auch wenn zugegeben das meiste, was heute über die Ladentheken des Buchhandels geht, nur schwer unter »Kulturgut« zu subsumieren ist. Mich persönlich stört das nicht. Dabei verweigere ich mich nicht. Im Gegenteil, ich gebe jedem aufkommenden Hype seine Chance. So hielt ich Bücher von Stephenie Meyer, Cecilia Ahern, Ildikó von Kürthy, Simon Beckett, Tommy Jaud und anderen Bestsellerlistenstürmern nicht nur in der Hand, sondern habe in ihnen gelesen. Meistens allerdings nicht bis zur letzten Seite, weil sie mich schon vorher so langweilten, dass ich sie spätestens bei Seite 50 zur Seite legte. Ein Buch, das mich bis dahin nicht fesselt, dessen Schluss ist mir völlig gleichgültig. Zum Glück lassen sich diese Bücher schnell lesen und im Buchladen meines Vertrauens gibt es ein Café mit akzeptablem Espresso. So brauche ich nicht über vertane Lebenszeit oder rausgeworfenes Geld zu klagen, denn zur Kasse habe ich sie noch nie getragen, die Nacken- und sonstigen Beißer, Horrorstorys, Pathologenkrimis, Chick-Lit, oder Romantasy. Nein, ich kaufe keine Bücher mit Wölkchen auf dem Cover und auch keine mit Füßen.&lt;br /&gt;Auf diese Weise mache ich großartige Entdeckungen in allen Genres vom Krimi über die Familiensaga bis zum Historischen Roman. Es gibt sie nämlich tatsächlich: herausragende Literatur abseits des Mainstream. In seltenen Fällen schaffen es diese Werke auf die Bestsellerlisten, meistens aber muss man sich auf andere Empfehlungen verlassen. Trotzdem ist es nicht schwer, die Perlen auszugraben. Vieles erscheint bei kleinen, unabhängigen Verlagen, manches auch in den großen Verlagskonzernen - vermutlich finanziert durch den Erfolg der Massenware, weshalb man auch nicht allzu sehr auf sie schimpfen sollte. &lt;br /&gt;Wenn ich auf meine persönlichen Leseerlebnisse der letzten Monate zurückblicke, kann ich keine Gefahr für die Vielfalt der Literatur erkennen. Mit Print on Demand und E-Book wir sie in Zukunft sogar eher wachsen als schwinden. Natürlich wird es auch in diesen neuen Distributionskanälen vieles erscheinen, was mich überhaupt nicht interessiert - siehe oben. Aber das muss ich ja nicht kaufen. Bei einer Tasse Kaffee mal eben reinzulesen kann hingegen ein durchaus amüsanter Zeitvertreib sein. 
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    <pubDate>Thu, 07 Oct 2010 16:02:44 +0200</pubDate>
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    <title>Eat Pray Love - Der Film</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/archives/106-Eat-Pray-Love-Der-Film.html</link>
            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
    <content:encoded>
    Wie&lt;a href=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/104-Lest-Sachbuecher!.html&quot;&gt; angekündigt&lt;/a&gt; habe ich mir gestern den Film &amp;quot;Eat Pray Love&amp;quot; angesehen. Ein bemerkenswerter Kinobesuch. Der Männeranteil im Publikum lag trotz Julia Roberts unter 10 Prozent und das Durchschnittsalter der anwesenden Damen betrug deutlich über 50 Jahre. Der Film selbst gefällt mir deutlich besser als das Buch. Zwei Stunden gute, perfekt gefilmte Unterhaltung ohne das spirituelle Getue der Vorlage. Einzig den »Pray-Teil« in Indien empfand ich als nervig, dafür entschädigten die wunderschönen Aufnahmen aus Rom und von Bali. Selten hat jemand auf der Kinoleinwand so schön und genussvoll Spaghetti gegessen! Auch Bali - meine zweite Heimat - hat man lange nicht mehr so strahlend gesehen. Der Film wurde größtenteils in Ubud gedreht, wo meine Frau und ich seit Jahren zwei Wintermonate leben und arbeiten. Wir erkannten manchen Drehort, auch wenn er, wie etwa der Markttempel, deutlich aufgehübscht war. &lt;br /&gt;Eine weitere Besprechung des Films spare ich mir zugunsten praktischer Hilfe. Denn ganz sicher gibt es viele, die nach dem Film am liebsten gleich ins nächste Reisebüro rennen würden, um sich ein Ticket zu kaufen, gleichzeitig aber zweifeln, ob Bali wirklich so schön ist, wie sie es gerade auf der Leinwand gesehen haben. Schließlich wissen wir doch alle, dass Hollywood lügt. &amp;#160;&lt;br /&gt;Ja, Bali ist so schön. Und: Ja, Hollywood lügt. &lt;br /&gt;Um alle von den Bildern des Films Begeisterten vor totaler Enttäuschung zu bewahren, der wichtigste Rat zuerst: Meidet den Süden der Insel. Nur abseits der Touristentrampelpfade gibt es noch das Bali der Reisfelder und Tempel, wo irgendwo immer ein Fest stattfindet, zu dem die Frauen ihre kunstvoll gefertigten Opfergaben tragen und wo ein Gamelanorchester wunderbar schwebende Musik zelebriert. Im Norden und Osten gibt es auch noch einsame Buchten und Stände, an denen das Südseegefühl lebendig ist. Wer will und danach sucht, kann all das noch finden. Es ist heute nur nicht mehr allgegenwärtig wie im Film, der uns deshalb manchmal vorkam, als wäre er vor 30 Jahren gedreht, als es nur wenige Motorräder und noch weniger Autos gab, an denen Bali heute zu ersticken droht. &lt;br /&gt;Wer inmitten der Reisfelder wohnen will, wie Julia Roberts, findet rund um Ubud viele ähnliche und durchaus bezahlbare Häuser. Allerdings kann man nicht mit dem Fahrrad mal eben am Abend ans Meer radeln. Mit dem Auto braucht man zum nächsten Strand mindestens eine halbe Stunde. Kommt man in einen der notorischen Staus im Süden der Insel, kann es auch schon mal doppelt so lange dauern. Was nicht heißt, dass es nicht auch am Meer wunderbar romantische Plätze gibt, wie etwa &lt;a href=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/36-Ein-Ort-zu-leben.html&quot;&gt;Idas Homestay&lt;/a&gt; in Candi Dasa.&lt;br /&gt;Aber zurück nach Ubud. Ketut Liyer, den Heiler und Wahrsager, gibt es tatsächlich. Er wohnt in Pengosekan, einem der kleinen Dörfer, die inzwischen mit Ubud zusammengewachsen sind. Wer will, kann sich bei Youtube verschiedene Videos ansehen, die sinnsuchende Amerikanerinnen jenseits der fünfzig (siehe oben) von ihm ins Netz gestellt haben. &lt;br /&gt;Wer wohnen möchte wie Julias Latin Lover Filipe muss ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Dafür gehört &lt;a href=&quot;http://panchoran-retreat.com/index.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Linda Garlands Anwesen&lt;/a&gt; bei Ubud aber auch zu den bezauberndsten Plätzen, die es auf der Insel zu entdecken gibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In drei Monaten fliegen wir wieder nach Bali, wohnen in Ubud, besuchen Ida und Jörg in Candi Dasa und fahren bestimmt mal bei Ketut Liyers Haus vorbei, um zu sehen, ob die Schlange der Wartenden noch länger geworden ist als letztes Jahr. Es sei ihm gegönnt! 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 29 Sep 2010 12:51:09 +0200</pubDate>
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    <title>Crossover</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;p&gt;Ich bin kein Freund von Crossover. Meistens ist es peinlich, wenn Operntenöre sich an Soul versuchen oder Rockmusiker sich vor ein Symphonieorchester stellen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Vor allem, wenn es sich um einen Ausnahmemusiker wie Thomas Quasthoff handelt. Auf seinem neuen Album &amp;quot;Tell it like it is&amp;quot; begibt sich der Bassbariton mit einer herausragenden Band auf einen Streifzug durch die verschiedensten Musikgenres: R &amp;amp; B, Soul, Funk, Rock und Pop - es fehlt so gut wie kein Stil, der zwischen den Fünfzigern und späten Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts Bedeutung hatte. Wer einwendet, das hätten andere klassische Sänger auch schon probiert, um grandios daran zu scheitern, sollte sich Quasthoffs Interpretation von John Hiatts »Have a little faith in me« anhören. Da ist nichts verkrampft oder gestelzt, im Gegenteil. Und so ist die ganze Platte: Mal Groovy, mal rockig, mal funky und in den Soulnummern sogar sexy. Quasthoff schafft es, seinem Gesang die Leichtigkeit zu geben, die gerade für klassisch ausgebildete Stimmen so schwer zu erreichen ist. Übrigens: Meine persönliche Lieblingsnummer ist Randy Newmans wunderbares »Short People«. Und das passt ja auch irgendwie ganz besonders zu Quasthoff.&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
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&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 28 Sep 2010 13:36:52 +0200</pubDate>
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    <title>Lest Sachbücher!</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    In diesem Blog gibt es keine Buchrezensionen, sondern nur Empfehlungen. Verrisse schreibe ich nicht und Bücher, die mir so lala gefallen haben, erwähne ich nicht. An diesem Grundsatz will ich nicht rütteln, aber heute muss ich über ein Leseerlebnis besonderer Art berichten. Ich habe es getan! Ich habe einen Weltbestseller gelesen. Na ja, ich habe versucht, ihn zu lesen. Zwischendrin musste ich mein Lesetempo gewaltig steigern, zum einen in der Hoffnung, die Geschichte könne doch noch eine unerwartete, interessante Wendung nehmen und zum anderen, weil mich der Ort, an dem das letzte Kapitel des Romans spielt, persönlich interessiert. Um was für ein Buch es sich handelt, ist an dieser Stelle bedeutungslos, deshalb wollte ich den Titel erst gar nicht erwähnen. Um aber nicht ständig drum herum reden zu müssen, hier nur so viel: Elizabeth Gilberts »Eat, Pray, Love« ist der autobiografische Roman um ihren Selbstfindungstrip nach Italien (essen), Indien (beten) und auf die indonesische Insel Bali (lieben). Das Buch stand Monate auf Platz 1 der amerikanischen Bestsellerliste. Weltweit wurden über vier Millionen Exemplare verkauft. In Frauenzeitschriften gab es hymnische, in den Feuilletons einige wohlwollende Rezensionen. Und meine Erfahrungen? &lt;br /&gt;Ich schweige zur schwachen, holprigen Übersetzung, äußere mich nicht zu den Klischees, von denen es hunderte gibt, gehe nicht näher darauf ein, wie sehr mich die lehrbuchartigen Exkurse zu kulinarischen, kulturellen und spirituellen Details genervt haben. Was mich am meisten verstörte, war die völlige Divergenz zwischen Form und Inhalt des Buches auf der einen und den meisten Leserkritiken, die ich bei Onlinebuchhändlern und auf Rezensionsseiten fand, auf der anderen Seite. Nun gut, die meisten Kritiken stammen von Frauen und möglicherweise ist »Eat, Pray, Love« tatsächlich ein Frauenbuch. Aber müssen es denn gleich derartige Lobhudeleien sein? Zusammengefasst ist die überwiegende Zahl der Leserinnen der Meinung, das Buch sei so ergreifend, spirituell und sinnstiftend, dass man es fast als »eine kleine Bibel« aller Sinnsucher bezeichnen könne.&lt;br /&gt;Nun kann man über Bücher immer verschiedener Meinung sein und über wenig lässt sich so trefflich streiten wie über Leseeindrücke. In diesem Fall lassen mich die Lobeshymnen allerdings ratlos zurück. Habe ich wirklich das gleiche Buch gelesen? Mir kam Gilberts Erlebnisbericht vor wie das Geplapper einer »Middle-Upper-Class-Amerikanerin«, die sich über Europa und Asien auslässt. Vor allem die Abschnitte über die Meditation und über Bali haben mich regelrecht geärgert und ich sage das als jemand, der seit Jahrzehnten meditiert (ohne sich für spirituelles oder gar esoterisches Brimborium zu interessieren) und seit 1990 nach Bali reist - in den letzten sechs Jahren jeweils zwei Wintermonate im Jahr. Für mich ist »Eat, Pray, Love« - setzte ich mir eine rosarote Lesebrille auf - nette Unterhaltungsliteratur, ein Reiseroman vor exotischem Hintergrund, der einem in kalten Wintermonaten ein bisschen tropische Wärme in die Stube bringt. Anscheinend trifft er aber einen Nerv vieler Leserinnen, der direkt in dem Areal des Hirns endet, das für Verzückungen zuständig ist. Allen, denen wie mir dieser Nerv fehlt und die sich für italienische Küche, die Technik der Meditation und ihre Verwurzelung in hinduistischen und buddhistischen Traditionen oder den Zauber Bali interessieren, seien zur Lektüre empfohlen:&lt;br /&gt;Larissa Bertonasco: La nonna - La cucina - La vita: Die wunderbaren Rezepte meiner Großmutter.&lt;br /&gt;Sybille Engels, Jan Eßwein: Meditation für Neugierige und Ungeduldige&lt;br /&gt;Vicky Baum: Liebe und Tod auf Bali.&lt;br /&gt;Und allen, die ein wunderbares Reisebuch lesen möchte, lege ich wärmstens ans Herz: &lt;br /&gt;Roger Willemsen: Die Enden der Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachbemerkung:&lt;br /&gt;Morgen werde ich mir im Kino die Verfilmung von »Eat, Pray, Love« ansehen. Ich weiß, ich weiß, es ist Kitsch pur. Aber ich kenne fast alle Orte auf Bali, an denen der Film gedreht wurde, und hole mir auf diese Weise ein bisschen Vorfreude auf meine Zeit dort im kommenden Winter. Und außerdem: Julia Roberts ist einfach eine Göttin - und das passt dann ja auch zu Bali.&lt;br /&gt;Übrigens: Neben der Autorin, die mit diesem Welterfolg ausgesorgt haben dürfte, gibt es noch einen zweiten Gewinner, dem ich es von Herzen gönne: Der Heiler und Seher, dessen Rat die Autorin tatsächlich gesucht hat und dem sie im Buch eine wichtige Rolle zuweist, kann sich vor »Patienten« kaum noch retten. Jeden Tag stehen 30 Sinnsuchende vor seinem einfachen Haus und zahlen bereitwillig gut 20 Euro für die »Sitzung«. Mit 600 Euro Tageseinnahme ist er auf Bali ein gemachter Mann! So kann Globalisierung auch funktionieren.&lt;br /&gt; 
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    <pubDate>Mon, 27 Sep 2010 17:13:09 +0200</pubDate>
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    <title>Scharfe Genüsse</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/archives/99-Scharfe-Genuesse.html</link>
            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;p&gt;
Essen ist Erziehungssache. Nein, ich meine jetzt nicht das Essverhalten junger Menschen, welches man in deutschen Restaurants beobachten kann und das einen vor allem am Erziehungsstil der Eltern verzweifeln lässt. Mir geht es darum, was man isst und welche Vorlieben man in Sachen »Genuss« schon in jungen Jahren entwickelt. &lt;br /&gt;Mein Vater zum Beispiel hatte immer eine durchsichtige Plastikdose mit Salmiakpastillen in der Tasche. Hin und wieder bot er meinem Bruder und mir davon an, nie ohne mahnend zu erwähnen, dass die scharfe Leckerei eigentlich nichts für Kinder sei. Deshalb bekamen wir auch niemals mehr als drei oder vier der köstlichen, aber winzigen pechschwarzen Rauten in die Hand geschüttelt.&lt;br /&gt;Auf dem Fettmarkt, so heißt der Jahrmarkt in meiner Geburtsstadt, investierte ich einen Teil des von Tanten und Omas geschenkten Kirmesgeldes stets in Lakritzstangen und -schnecken. Später machte uns dann die bunte Mischung von HARIBO froh. &lt;br /&gt;Als Oberstufenschüler und später als Studenten verbrachten wir manches Wochenende in Amsterdam. In Holland entdeckten wir neue Köstlichkeiten und die Verführung wartete nicht nur in den »Coffeeshops«, sondern auch auf dem Markt in Enschede, wo wir auf der Rückfahrt regelmäßig hielten, um extra scharfes, doppelt gesalzenes Lakritz zu kaufen. »Nur für Erwachsene«, stand auf der Tüte und in Deutschland waren diese DZ-Briketts gar nicht zu bekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Erwachsenenalter verfeinert sich der Geschmack im Laufe der Jahre immer mehr. Na ja, er sollte es zumindest, auch wenn manche Zeitgenossen eher das Gegenteil zu beweisen scheinen. Ich jedenfalls entdeckte, dass es besseren Wein gibt als süßen Lambrusco aus der Literflasche, dass Single-Malt-Whisky besser schmeckt als Selbstgebrannter von Schulze-Lengenkamp oder auch, dass Teebeutel so viel mit Tee zu tun haben wie Windbeutel mit Wind. Kurz: Ich entdeckte den Genuss. Auch was Lakritz angeht. Dazu allerdings bedurfte es etwas länger, denn qualitativ hochwertige Naschereien aus der Süßholzwurzel gibt es nicht überall. Zum Glück fand ich »kadó«, das Lakritzfachgeschäft in Berlin. Und weil ich nicht in der Hauptstadt lebe, sondern dort nur einmal im Jahr zu Gast bin, um - wie es der &lt;a target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.bodenseepeter.de/2009/11/02/dibobo-die-digitale-boheme-am-bodensee/&quot;&gt;Bodenseepeter&lt;/a&gt; so schön formuliert hat - nachzuschauen, ob das, was bei uns in der Zeitung steht, tatsächlich passiert, nutze ich eifrig den Onlineshop und bekomme regelmäßig Lieferungen wie diese.&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:39 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Lakritz.jpg&quot; style=&quot;width: 503px; height: 370px;&quot; /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Meiner Favoriten übrigens sind die wunderbaren Ingwerkarées - weiches Lakritz mit kräftigem Natur-Ingwer - von kadó selbst hergestellt. Oder Brombeerlakritz und natürlich der herrlich scharfe »Türkische Pfeffer«. Die Krönung sind die edlen Lakritzkreationen des Dänen Johan Bülow - so etwas wie der Champagner unter den Süßholznaschereien: die Schokolakritzmurmeln oder das Salmiak-Chili-Cranberry-Lakritz. &lt;br /&gt;Und natürlich fehlten bei keiner Lieferung die DZ-Briketts. &lt;br /&gt;Wer einmal selbst ausprobieren möchte, wie gutes Lakritz abseits der Coloradomischung schmecken kann,&lt;a href=&quot;http://www.kado.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; wird man hier fündig&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 14 Sep 2010 18:29:28 +0200</pubDate>
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