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    <title>Schreibtäter</title>
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    <description>Meine Name ist Matthias Brömmelhaus, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Was die Anklage der Schreibtäterschaft angeht, bekenne ich mich schuldig. Das ganze Geständnis lesen...</description>
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    <pubDate>Fri, 04 May 2012 13:12:43 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Schreibtäter - Meine Name ist Matthias Brömmelhaus, aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Was die Anklage der Schreibtäterschaft angeht, bekenne ich mich schuldig. Das ganze Geständnis lesen...</title>
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    <title>Work in progress</title>
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            <category>Der Täter schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Ich schreibe. Zum Broterwerb Biografien und Sachtexte. Zum Vergnügen anderes. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich mich in den verschiedensten Genres ausprobiert. So liegen einige Manuskripte in der Schublade und bei den meisten ist es gut, wenn sie dort bleiben und nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;In den letzten Jahren habe ich zum Pläsier nur noch Krimis geschrieben. Von der Kurzgeschichte bis zum Roman ist alles dabei. Zwei Manuskripte habe ich so weit ausgearbeitet, dass ich Sie Verlagen zur Prüfung vorgelegt habe. Im Ergebnis wurde mir mehrmals bescheinigt, dass ich ja durchaus schreiben könne (vielen Dank auch!), aber leider, leider keine Möglichkeit zur Veröffentlichung bestehe. Die Gründe waren vielfältig und reichten von der Tatsache, dass bereits ein anderer Autor das Thema besetze bis hin zur lapidaren Feststellung, das Sujet ließe sich im Moment nicht verkaufen. Wenn ich einen Regionalkrimi mit aktuellem Bezug hätte, könnte man ja noch mal darüber reden.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Ein kleiner Verlag bot mir einen Vertrag an, den ich umgehend in den Papierkorb warf. Nein, ich muss nicht unter allen Umständen meinen Namen auf einem Buchcover sehen. &amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Eines der beiden Manuskripte, ein zeithistorischer Kriminalroman, wird noch bei zwei Verlagen geprüft. Da warte ich in aller Ruhe ab. Sollte es nichts werden, bleibt er, wo er ist: in der Schublade.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Mit dem zweiten Manuskript allerdings habe ich andere Pläne. Diese Geschichte eignet sich meines Erachtens für ein Experiment, mit dem ich heute beginne. Ende offen. Die Idee kam mir, als ich beim Überarbeiten des Texte mir nichts dir nichts begann, an einem Fortsetzungsplot zu stricken, der sich direkt aus der Handlung des vor mir liegenden Textes ergab. Nach einigen Tagen hatte ich in Grundzügen die Idee für eine Serie zu Papier gebracht.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Gleichzeitig las ich aus purer Neugier alles, was ich über Amazons Kindle Direct Publishing finden konnte und stellte auf einmal fest: Eine Serie zu haben scheint hier auf jeden Fall besser zu sein, als zu versuchen, mit dem einen, großen Wurf Erfolg zu haben.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Im nächsten Schritt lud ich mir die meist verkauften Kindlebooks von verlagsunabhängigen Autoren auf den Reader. Ich wollte wissen, was sich gut verkauft, vielleicht könnten man daraus auf ein Erfolgsrezept schließen. Kann man natürlich nicht. Es gibt bei den Indie-Autoren wahre Perlen zu entdecken und es gibt Erschreckendes. Und beides läuft. Der Markt ist eben groß und rätselhaft! Einige wenige Regeln, die den Verkaufserfolg zu befördern scheinen, glaube ich aber doch erkannt zu haben. Ein paar haben mit dem Inhalt zu tun, die meistens mit der Vermarktung und der konsequenten Nutzung des von Amazon zur Verfügung gestellten Instrumentariums bzw. der sozialen Netze.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Je mehr ich mich mit der Materie beschäftigte, desto konkreter wurde die Idee. Und seit ein paar Tagen bin ich mir sicher: Ich werde es tun. Ich werde mein vorliegendes Manuskript auf ein konkretes Ziel umarbeiten und erweitern: die Veröffentlichung via Amazon KDP.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;So, jetzt ist es raus und damit setze ich mich gewollt unter Druck. Im Laufe dieses Jahres möchte ich die Serie starten. Bis dahin ist noch viel zu tun. Das vorliegende Manuskript - zum Inhalt verrate ich selbstverständlich noch nichts - werde ich in zwei Teile splitten. Sprich: Umschreiben. Einen dritten Teil habe ich bereits geplottet, er soll bis zur Veröffentlichung des ersten Teils wenigstens in der Rohfassung und muss bis zur Veröffentlichung des zweiten Teils in der Endfassung fertig sein.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Dann braucht es noch ein Lektorat, ein Cover, die technische Konvertierung, und, und, und.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Außerdem warten noch viele Fragen auf Antworten. Zum Beispiel die, ob ich die Krimiserie unter Pseudonym publizieren sollte, um eine Kollision mit meiner Brotschreiberei zu vermeiden. Oder wann der ideale Zeitpunkt für die Veröffentlichung des ersten Teils ist, wenn ich davon ausgehe, dass ich im September so weit wäre? Und in welchen Abständen die einzelnen Teile folgen sollen? Und viele mehr.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Ich werde den Fortschritt der Arbeit in den kommenden Wochen auf diesem Blog dokumentieren, die offenen Fragen stellen und hoffentlich intensiv mit den Leserinnen und Lesern diskutieren. Wie der Titel schon sagt: Work in progress. Auch über das Ergebnis, sprich die Verkaufszahlen, werde ich nicht schweigen. Auch dann nicht, wenn es ein Misserfolg werden sollte. Versprochen!&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Fri, 04 May 2012 15:12:43 +0200</pubDate>
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    <title>Keine Tränen mehr</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;&lt;em&gt;Augenzeugenberichte machen mich immer noch sprachlos. Gestern hörte ich von einem Ereignis, das ich bisher nur aus Geschichtsbüchern und Filmdokumentationen kannte.&amp;#160;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Dresden, 13. Februar 1945. Faschingsdienstag. Um 21 Uhr 45 heulen die Sirenen los. Es ist der 175. Fliegeralarm in der Stadt. In aller Ruhe gehen die Menschen in die Keller ihrer Wohnhäuser und in die wenigen Bunker und Luftschutzräume. Die bisherigen Angriffe der Alliierten Bomber der Royal Airforce und der USAAF hatten im Vergleich zu den Flächenbombardements anderer Großstädte vor allem im Westen Deutschlands nur geringe Schäden angerichtet und nur wenigen Menschen das Leben genommen.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Inge ist eine junge Frau von 23 Jahren. Sie lebt bei ihren Eltern in der Nähe des »Großen Gartens«, einen guten Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum entfernt. An diesem Abend ist sie allein mit ihrer Mutter. Ihr Vater blieb nach Feierabend in der Stadt, denn er hatte an diesem Tag Dienst als ehrenamtlicher Luftschutzwart. Von ihrem Verlobten hat sie monatelang nichts gehört, er ist irgendwo im Osten.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Die Menschen im Keller schweigen, als die ersten Bomben fallen. Sie ahnen nicht, welches Drama sich draußen abspielt. Eine Viertelstunde nach dem Alarm ist die Altstadt von den »Christbäumen«, den von Bombern abgeworfenen Magnesium-Lichtkaskaden, hell erleuchtet. Neun britische »Mosquitos« werfen anschließend die roten Zielmarkierungen auf das gut sichtbare DSC-Stadion nordwestlich des Stadtkerns. Um 22:13 fallen die ersten Bomben. 244 britische Lancaster-Bomber setzen 529 Luftminen und 1.800 Spreng- und Brandbomben ab. Der Angriff dauert nicht länger als 15 Minuten. Drei Viertel der Dresdner Altstadt brennen.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Kurz vor 23 Uhr verlässt Inge mit ihrer Mutter den Keller. Die Häuser ihres Straßenzuges sind unbeschädigt. Beängstigend aber ist der helle Schein, der über der Altstadt liegt. Dazu kommt der Brandgeruch. Mehr und mehr Menschen laufen in den Großen Garten. Blitzschnell verbreiten sich die Gerüchte, die gesamte Stadt stehe in Flammen. Die große Grünfläche ist eine Art Freiluft-Schutzgelände. Ein Irrtum. Um kurz nach eins heulen die Sirenen zum zweiten Mal in dieser Nacht. Die Piloten der 529 Lancaster-Bomber, die sich der Stadt aus Westen nähern, haben keine Schwierigkeiten sich zu orientieren. Der helle Feuerschein weist ihnen den Weg. In der halben Stunden zwischen 1 Uhr 23 und 1 Uhr 54 klinken die Besatzungen der Maschinen 650.000 Stabbrandbomben aus. Sie fallen auf ein rund 15 Quadratkilometer großes Gebiet. Auch auf den Großen Garten.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Als Inge nach der Entwarnung das Haus verlässt, schlägt ihr die Hitze entgegen. Sie hört die Schreie der verwundeten Menschen im Park. Es erscheint ihr fast wie ein Wunder, dass die Häuser der Nachbarschaft auch diesen Angriff unbeschadet überstanden haben.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Inges Vater kommt in dieser Nacht nicht nach Hause. Sie macht sich keine Sorgen. Er wird in der Stadt gebraucht. Selbst als er am nächsten Tag immer noch nicht auftaucht, beruhigt sie ihre Mutter. »Er hilft den Verletzten. Da denkt er gar nicht daran, nach Hause zu kommen.«&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Insgeheim fürchtet sie längst das Schlimmste. Warum sonst lässt ihr Vater ihnen nicht wenigstens eine Nachricht zukommen?&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Mittags kommen erneut die Flugzeuge. Die Anst wird größer.&amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Morgen des 15. Februar hält Inge es nicht länger aus. Sie will Gewissheit. Will sehen, was passiert ist. Sie geht in Richtung Altstadt. Vorbei an ausgebrannten Ruinen. An den Straßenrändern liegen zerfetzte Leiber. Viele so verkohlt, dass sie kaum noch als menschliche Leichen zu erkennen sind. Überall lodern Feuer. Asche wirbelt durch die Luft. Der Gestank ist unerträglich, obwohl Inge sich ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase hält.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Nach einer gefühlten Ewigkeit steht sie gegen 10 Uhr vor dem Haus, in dem ihr Vater arbeitet. Besser gesagt vor der Fassade, die als verkohlte Wand einsam in den Himmel ragt. Das Gebäude dahinter ist eingestürzt. Vor der Tür steht Franz, Vaters Arbeitskollege. Er nimmt sie in den Arm. »Ach Inge.«&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Dann gehen sie wortlos in den Keller. Ihr Vater sitzt auf einem Stuhl, den Arm mit erhobener Hand nach rechts in Richtung Tür gestreckt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund weit geöffnet. »Bleib stehen!«, scheint er ihr zuzurufen. Oder: »Geh weg!« Ein stummer Schrei. Inge geht zu ihm. Sie versucht, ihm die Augen zu schließen. Sie schafft es nicht, die Lider sind wie festgeklebt. Franz fasst sie am Arm und führt sie ins Freie. Sie setzt sich auf einen Stuhl, der mitten auf der Straße steht. Sie sieht nichts. Hört nichts. Nicht einmal das Getöse, als keine 200 Meter entfernt die ausgebrannte Ruine der Frauenkirche in sich zusammenfällt.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Sie sitzt dort starr, bis Franz sie rüttelt. »Inge, wir müssen deinen Vater zum Friedhof bringen.« Zwei Feuerwehrleute tragen den Leichnam aus dem Keller und legen ihn auf einen Handwagen. Franz nimmt die Deichsel und geht los. Sie hinterher. Sie kommen nicht weit. Wieder Alarm. Franz und Inge kriechen über einen Schutthaufen und steigen durch das Fenster in eines der wenigen nicht völlig zerstörten Häuser. Der Angriff dauert zehn Minuten, die Bomben fallen in einiger Entfernung. Nach einer halben Stunden verlassen sie das Haus. Der Handkarren mit dem Leichnam des Vaters steht unversehrt auf der Straße, die rechte Hand baumelt herunter.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Je näher sie dem Friedhof kommen, desto mehr Menschen bewegen sich in die selbe Richtung. Sie tragen ihre Liebsten zu Grabe. Auf Armen. Über Schultern. Auf Leitern und Karren. Ein riesiger, schweigsamer Leichenzug.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Inge übergibt ihren Vater einem alten Totengräber. Sie erhält eine Quittung. Erst Wochen später werden sie erfahren, in welcher Parzelle eines Reihengrabes er begraben liegt. &amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Inge geht nach Hause. Sie weint nicht. Nicht jetzt. Nicht später. Sie hat keine Tränen mehr. Nie mehr in ihrem Leben.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Inge ist heute 90 Jahre alt.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Thu, 12 Apr 2012 16:03:59 +0200</pubDate>
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    <title>Anfangsnervosität</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Auch nach all den Jahren bin ich immer noch nervös, wenn ich mit der Arbeit an einer neuen Biografie beginne. Heute Morgen war es wieder soweit. Der Erzähler wohnt vor Ort, so hatte ich den Vorteil, den Tag wie gewohnt und in Ruhe anzugehen. Ungewöhnlich, denn normalerweise leben meine Auftraggeberinnen und Auftraggeber weit entfernt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz und ich reise schon am Tag zuvor an. Heute also kein Hotelfrühstück und die gewohnte Tageszeitungslektüre. Und dennoch war es kein gewöhnlicher Morgen. Spannung lag in der Luft. Mit den biografischen Interviews beginnt jedes Mal auch eine Reise ins Ungewisse. Ich kenne den Erzähler nur von einem Vorgespräch. Er ist Jahrgang 1920, hat den Krieg vom ersten bis zum letzten Tag durchlitten, stammt aus Dresden und hat ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Viel mehr weiß ich nicht.&amp;#160;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;In den kommenden Tagen wird er mich teilhaben lassen an seinen Lebenserinnerungen. Ich weiß nicht, ob es ihm leicht fallen wird, sich zu erinnern. Gibt es tief verschlossene Traumata? Verschüttete und vergrabene Erinnerungen? Fast immer gibt es sie. Vielleicht werde ich der erste sein, der davon erfährt, obwohl er an diesem Morgen noch fest entschlossen war, darüber zu schweigen. Oft erzählen Menschen ihrem persönlichen Biografen mehr, als sie sich vorgenommen hatten. Zumindest dann, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre Erinnerungen bei mir gut aufgehoben sind.&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;Ist es da ein Wunder, dass ich vor jedem Interview aufgeregt bin? Nein! Es ist gut, denn es macht mich wach und aufmerksam. Und zugewandt.&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Mon, 02 Apr 2012 14:51:04 +0200</pubDate>
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    <title>Die andere Seite</title>
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            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Was erwartet man, wenn man sich auf die längste Reise macht, die man von Europa aus unternehmen kann? Exotik? Dann sollte man nicht nach Neuseeland fliegen. Auf den ersten Blick kommt man in ein kleines Europa. Alles auf gedrängtem Raum. Skandinavische Fjorde, Alpen, Allgäu, mediterrane Strände. Sauber ist alles, ordentlich. Ökologie aller Orten. Wer glaubt, die Deutschen wären die Weltmeister im Mülltrennen, sollte sich mit einer neuseeländischen Hausfrau unterhalten. Der Kompost im Garten ist ein Muss, will man nicht als Umweltsünder gelten.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Es braucht seine Zeit, bis man bemerkt, dass viele doch ganz anders ist als auf der entgegengesetzten Seite der Erdkugel. Entspannter zum Beispiel. Freundlicher vor allem, auch wenn es einem an Verkäufergriesgrämigkeit gewöhnten Mitteleuropäer schwer fällt, auf das morgendliche „Good morning, dear! How ist your day?“ der Bäckereiverkäuferin nicht griesgrämig zu antworten: „Woher soll ich denn zum Teufel wissen, wie mein Tag heute wird, wo ich ebene erst aufgestanden bin und jetzt gerade keine Unterhaltung, sondern eine Tasse Kaffee brauche.“ Vermutlich würde man der Guten damit ihren Tag gründlich versauen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt; 
&lt;p&gt;Verrückt sind die Kiwis auf jeden Fall - und süchtig nach Adrenalin. Bungee-Jumping an jeder Ecke. Selbst vom Skytower in Auckland kann man sich hinunterstürzen. Das schnellste Jet-Boot, das höchste Parasailing ...., wenn schon nicht der Welt, dann wenigstens der südlichen Hemisphäre. Vielleicht liegt die Lust am Nervenkitzel daran, dass sonst nicht so viel passiert. Der Rest der Welt ist weit weg und die knapp 4,5 Millionen Menschen treten sich auf den beiden Inseln nicht auf die Füße, kommen doch nur 16,5 Einwohner auf den Quadratkilometer. Mehr als in Australien, aber da ist im Gegensatz zu Neuseeland in der Mitte ja auch nichts. Womit wir bei den Vorurteilen und Abneigungen sind, zu denen man sich hier ganz offen und ohne Scheu bekennt. In erster Linie geht es gegen die Australier und die Franzosen. So klebte im Fenster eines Pubs der Hinweis: „Bei uns sind alle Nationen willkommen - sogar Franzosen!“ Und in einem anderen Pub zeigte der unverzichtbare Fernsehschirm als „Pausenzeichen“ diese Grafik.&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt;&lt;!-- s9ymdb:58 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;567&quot; height=&quot;426&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Australien.jpg&quot; /&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;p&gt; &lt;/p&gt; 
&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Mon, 30 Jan 2012 01:11:59 +0100</pubDate>
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    <title>Das war das Jahr 2011</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt; 
&lt;p&gt;&lt;!-- s9ymdb:57 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;567&quot; height=&quot;425&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Bcher2011.jpg&quot; /&gt;&lt;/p&gt; 
&lt;p&gt;2011 war für mich als Biograf ein herausragend gutes Jahr. Vier große Buchprojekte brachte ich zum Abschluss, ein Manuskript liegt bei der Erzählerin zur Korrektur, ein weiteres werde ich noch bis zur Abreise in unser Winterquartier in zehn Tagen soweit bringen, dass ich es dem Erzähler zur Durchsicht schicken kann.&lt;/p&gt; 
&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Sechs Menschen vertrauten mir in diesem Jahr ihre Lebensgeschichten an, erzählten mir Dramatisches, Berührendes, Tragisches aber auch Erheiterndes. Die Erzähler sind es, die jeden Auftrag zu etwas Besonderem machen und mir immer wieder vor Augen führen, dass ich den schönsten Beruf der Welt habe.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Für 2012 wünsche ich mir deshalb nur, dass es ungefähr so werden möge wie 2011. Auf jeden Fall freue ich mich darauf.&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Fri, 30 Dec 2011 14:31:45 +0100</pubDate>
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    <title>Weihnachtsnomaden - Update 2011</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/179-Weihnachtsnomaden-Update-2011.html</link>
            <category>Der Flaneur schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Als ob das ganze Weihnachtsgedöns in unseren Städten nicht schon genug wäre, hielt mir vor zwei Jahren ein im Weihnachtsmannkostüm steckender TV-Reporter ein Mikro vor die Nase, als ich gerade versuchte, durch die von gestressten Weihnachtseinkäufern überfüllte Fußgängerzone zu flanieren.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„Sagen Sie mal, was bedeutet Ihnen eigentlich Weihnachten?“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Erwartete der Mann darauf eine ehrliche Antwort? Ich überlegte einen Moment. Sollte ich irgendetwas von „RuheFriedenFamilie“ faseln? Ich entschied mich für die Wahrheit:&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;„Was &lt;strong&gt;ich&lt;/strong&gt; von Weihnachten erwarte, spielt seit Langem keine Rolle mehr. Seit ich der Kindheit entwachsen bin, wird nur etwas &lt;strong&gt;von mir&lt;/strong&gt; erwartet.“&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Kaum hatte ich die beiden Sätze ausgesprochen, drückte der Rotgewandete an seinen Knöpfen herum. Vermutlich löschte er mein Statement umgehend. Wer will denn so etwas auch hören, zur schönen Weihnachtszeit?&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Dabei gehöre ich keiner Minderheit an. Vielmehr bin ich einer von hunderttausenden Weihnachtsnomaden, die Jahr für Jahr größte Strapazen auf sich nehmen, nur um die Erwartungen anderer zu erfüllen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Sie meinen, ich übertreibe? Beileibe nicht! Hier mein diesjähriger Feiertagsfahrplan:&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 23. Dezember setze ich mich um 08:47 in den Zug und fahre 750 Kilometer gen Norden. Wenn alles gut geht – und bei der Bahn geht an den Feiertagen selten alles gut – erreiche ich um 16:50 die münsterländische Kleinstadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin und wo meine Mutter sowie die Beutekinder und -enkel leben. Anschließend gibt es die Geschenke für die Beuteenkel, denn der Weihnachtsmann kommt immer schon einen Tag früher an den Bodensee – ganz Deutschland an einem Tag, wer schafft das schon! Danach gibt es die traditionelle Feuerzangenbowle, während der Baum geschmückt wird.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 24. Dezember bleibt nicht wirklich Zeit, um auszuschlafen, denn spätestens mittags geht der Stress dann richtig los: Meine Mutter erwartet meine Frau und mich zum traditionellen schlesischen Mahl mit Weihnachts-Weißwurst und Pfannenklößen. Danach Friedhofsbesuch und anschließend bereiten wir den Tisch für das morgige große Familienfestmahl. Dann werde ich als Chauffeur tätig und bringe Mutter und ihre 92-jährige Schwester zur Kirche. („Nein Mutter, ich werde auch dieses Jahr keinen Weihnachtsgottesdienst besuchen!“) Nach einem kurzen Cappucino-Zwischenstopp bei Beutetochter I hole ich die beiden Damen wieder ab. Gemeinsam fahren wir zur Beutetochter II zum Festmahl unterm Tannenbaum.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 25. Dezember geht die Weihnachtsrallye weiter. Familienmittagessen bei der Mutter („ach Kinder, die Gans ist dieses Jahr ein ganz, ganz zähes Luder“), das nahtlos in die Kaffeetafel übergeht („der Kuchen ist mir auch schon mal besser gelungen“). Gegen halb fünf kommt der tränenreiche Abschied. („Müsst ihr denn wirklich schon gehen? Wir haben uns doch noch gar nicht richtig unterhalten können!“) Wenigstens einen einzigen nichtfamiliären Besuch bei Freunden möchten wir noch machen – wenn es auch nur für eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte reicht, denn spätestens gegen sieben Uhr sollten wir wieder bei Beutetochter II am Abendbrottisch sitzen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am 26.12. steigen wir um 10:13 in den Zug und fahren 750 Kilometer gen Süden. Wenn alles gut geht – ach ja, das hatten wir ja schon! Gegen 19 Uhr sind wir hoffentlich wieder daheim.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Weihnachten bedeutet für uns seit vielen Jahren zuallererst 1.500 Kilometer oder 17 Stunden Bahnfahrt in völlig überfüllten Zügen mit dreimaligem Umsteigen auf kalten, zugigen Bahnhöfen. Da bleibt jedes weihnachtliche Gefühl auf der Strecke.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Was also sind unsere Erwartungen an Weihnachten? Wir wünschen uns vor allem, dass die Deutsche Bahn es dieses Jahr schafft, uns ohne größere Verspätungen und Zwischenfälle, mit funktionierenden Platzreservierungen, in beheizten Waggons mit unverschlossenen Toiletten durch Deutschland zu kutschieren.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;In diesem Sinne: Frohe Weihnachten allerseits!&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Wed, 21 Dec 2011 12:55:39 +0100</pubDate>
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    <title>Honorarfrage</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Alles wird teurer. Manches nur gefühlt, das meiste real. Beim Blick auf die zum Jahresende allüberall veröffentlichten Statistiken wird klar: Rechnet man die Inflationsrate dieses und des vorigen Jahres zusammen, ergibt sich eine allgemeine Preissteigerung von annähernd sechs Prozent. Zeit also, über die eigenen Honorarsätze nachzudenken. Nun ist das mit dem Honorar des Freiberuflers so eine Sache, vor allem wenn er zu den Kreativen gehört. Der Wert einer Biografie, fein aufgeschrieben und dokumentiert und in ein handwerklich perfektes Buch gegossen, ist nicht so einfach zu bestimmen. Das ist ein Problem, denn als freier Autor bin ich auch Unternehmer. Ich biete meine Leistung auf dem Markt an und muss mein Honorar centgenau kalkulieren. Will sagen: Wenn vieles teurer wird, das ich für meine Arbeit im speziellen und für das Leben im allgemeinen brauche, ist es zumindest Zeit, über das eigene, seit vielen Jahren unveränderte Honorar nachzudenken.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Das Salär, das ich unter oben genannten Gesichtspunkten brauche, ist das eine. Der Markt ist das andere. Preisgestaltung funktioniert nicht ausschließlich nach dem Motto »Ich hätte &amp;#160;gerne«. Meine Preisvorstellung muss auch durchsetzbar sein, was nichts anderes heißt als: Der Kunde muss bereits sein, mir für meine Leistung das von mir erwartete Honorar zu zahlen. Spätestens jetzt ist es interessant zu erfahren, was andere Biografinnen und Biografen für ihre Arbeit fordern. Nichts leichter als das in Zeiten des Internet, dachte ich. Also surfte ich einen Sonntagabend durch die deutschsprachige Privatbiografenszene und fand vor allem einen Satz bestätigt: Kreative reden nicht gerne über Geld. Wenn überhaupt flüstern sie nur. Nur auf zwei oder drei Webseiten fand ich konkrete Angaben zum Honorar. Bei allen anderen - und das sind an die hundert! - standen unter dem Menüpunkt »Kosten« die immer gleichen Sätze. »So individuell wie jedes Leben ist auch meine Leistung.« »Preise kann ich erst nach einem ausführlichen Vorgespräch nennen.« »Die Kosten sind abhängig von zu vielen Faktoren, als dass ich hier Angaben machen könnte.« Und so weiter und so weiter.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Mit Verlaub: Das ist Quatsch! Natürlich hängt der Preis einer Privatbiografie von meinem Arbeitsaufwand ab. Selbstverständlich macht es einen Unterschied, ob ich 50 Seiten schreibe oder 100 oder 200. Ohne Frage kostet ein Hardcoverbuch mit farbigen Abbildungen mehr als ein Taschenbuch ohne Fotos. Trotzdem kann jeder professionell arbeitende »Personal Historian« einem Interessenten wenigstens Anhaltspunkte liefern, mit wie viel Euro er für seine Autobiografie zu rechnen hat. Den Aufwand kann man mit Seiten- oder Stundenhonoraren bewerten und die Produktionskosten lassen sich ohnehin recht genau beziffern. Preisbeispiele wie »Bei einem Umfang von 150 Seiten, 20 Fotos und einem Hardcoverbuch kostet Ihre Autobiografie rund XXX Euro« kann jeder anführen. Wer es nicht tut, will es einfach nicht. Ich habe auch einen Verdacht, warum. Immer häufiger findet sich bei den Kolleginnen und Kollegen nämlich noch eine andere Formulierung. »Sprechen Sie mich an. Wir finden einen Weg, Ihre Lebensgeschichte in Buchform zu bringen. Ich gehe auf Ihre Vorstellungen und ihre finanziellen Möglichkeiten ein und bin flexibel.«&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Hoffentlich ist der Vermieter des Kollegen hinsichtlich seiner Mietforderung auch derart flexibel.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Spaß beiseite. Ich deute solche Sätze so: Wer keine klare Honorarforderung nennt und stattdessen den potenziellen Kunden fragt, was er bereit ist zu zahlen, ist sich des Werts seiner eigenen Arbeit nicht sicher. Warum aber soll dann ein Auftraggeber Vertrauen in diese Arbeit haben?&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Klare, faire und transparente Preisgestaltung ist das Fundament einer gedeihlichen Zusammenarbeit mit dem Kunden, an dessen Ende beide, mein Erzähler, aber auch ich als Autor zufrieden sind. Deshalb ist es mir auch gleichgültig, ob 90 Prozent meiner Mitbewerber auf dem Markt der Privatbiografien ihre Honorarforderungen und Preise verschleiern. Ich halte es seit fast neun Jahren anders - mit Erfolg. 2011 habe ich fünf große Biografieprojekte realisieren dürfen. Die meisten wären sicherlich nicht zustande gekommen, hätte ich bei der Frage nach meinem Honorar rumgeeiert.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ach ja: 2012 werde ich mein Honorar moderat erhöhen. Und auch das werde ich offen und ohne Wenn und Aber kommunizieren.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Mon, 19 Dec 2011 12:39:15 +0100</pubDate>
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    <title>Echt blind</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Es gibt viele Gründe, warum jemand seine Lebensgeschichte aufschreibt, die Adressaten sind aber in erster Linie Kinder, Enkel, Freunde und Weggenossen, die einen durchs Leben begleitet haben. Bei Unternehmern mögen noch Geschäftspartner und Kunden dazukommen, der Leserkreis dieser Autobiografien und Memoiren bleibt dennoch überschaubar. Deshalb wird der überwiegende Teil der Bücher, die ich als »personal historian« betreue, als Privatdruck in einer Auflage zwischen einigen Dutzend und einigen Hundert produziert.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Immer wieder taucht in Gesprächen mit Interessenten die Frage auf: »Können Sie mein Buch nicht auch in den Buchhandel bringen?«&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Meistens reagiere ich eher abwehrend, denn ich weiß, dass sich hinter dieser Frage die Hoffnung verbirgt, aus den Erlösen des Buchverkaufs die Kosten - und das ist in erster Linie mein Honorar - zu amortisieren. Ich erkläre möglichst genau, dass es erstens unwahrscheinlich ist, dass sich ein großer Publikumsverlag für die Autobiografie eines unbekannten Menschen interessieren wird und dass zweitens die zu erwartenden Autorenhonorare bei kleinen Verlagen sehr niedrig sind. Meistens sind meine Gesprächspartner dann desillusioniert, weil sie von unrealistischen Honorarhöhen ausgegangen sind. In der Regel hat sich das Thema &lt;em&gt;»Ich habe ja so eine spannende Lebensgeschichte, meine Freunde sagen alle, ich könne drei Bücher schreiben«&lt;/em&gt; dann erledigt. Allerdings besteht die Gefahr, dass der eine oder andere »Kollege« sich nicht so redlich verhält, oder noch schlimmer: die angesprochenen Interessenten fallen einem Druckkostenzuschussunternehmen in die Hände. Und manchmal denke ich auch beim Schreiben: Diese Geschichte hätte ein paar Leser mehr verdient. Wohl wissend, dass sich trotzdem kaum ein Verlag dafür finden lassen wird.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ich habe lange überlegt, wie ich mit dem Thema »Publikation« umgehen soll, denn dabei ist vieles zu bedenken. Zum Beispiel will ich auf keinen Fall selbst zum Verleger werden, müsste ich doch dann ein Gewerbe anmelden und die Künstlersozialkasse hätte auch etwas dagegen.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Es galt also einen Dienstleister zu suchen, mit dem sich eine Veröffentlichung professionell umsetzen ließ, ohne dass die administrativen Arbeiten letztendlich doch bei mir hängen bleiben, wie das bei einigen PoD-Unternehmen der Fall ist. Zum Schluss gaben nicht zuletzt die Erfahrungsberichte von Petra van Cronenburg, die ihr &lt;a href=&quot;http://vaslavnijinsky.blogspot.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Nijinski-Buch&lt;/a&gt; im Verlagshaus Monsenstein &amp;amp; Vannerdat publiziert hat, den Ausschlag, es mit dem eben diesem Münsteraner Unternehmen zu versuchen. Meine Grafikerin lebt und arbeitet in der gleichen Stadt, ich habe dort studiert - gute Vorzeichen also zudem. Um es kurz zu machen: Es lief nicht alles rund bei dieser ersten Zusammenarbeit, aber das kann ja noch werden und im Endspurt bewiesen sie wahre Sprinterqualitäten. Und das Buch ist zudem sehr schön geworden, was will man mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;!-- s9ymdb:56 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;197&quot; height=&quot;297&quot; src=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/uploads/Buchtitel-klein.jpg&quot; /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Worum es geht? Bitte sehr:&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ruth Wunsch ist blind. Echt blind. Die heute 80-jährige Autorin leidet an Retinitis Pigmentosa. Diese durch Vererbung entstehende Netzhautdegeneration führt zu einer schleichenden Erblindung. Mit der eintretenden Pubertät musste sie sich eingestehen, dass ihre Sehkraft rapide abnahm. Was das für eine junge Dame bedeutet, die gerade den Spaß am Umgang mit dem anderen Geschlecht entdeckt, schildert Ruth Wunsch in einem kurzen biografischen Rückblick. Niemals larmoyant, sondern stets mit einem Augenzwinkern, beschreibt sie die verschiedenen Etappen ihrer Erblindung vom anfänglichen Verdrängen und Leugnen bis zur Akzeptanz der Behinderung. Ihre wahren Geschichten aus der Dunkelwelt handeln von Reisepannen, Männern in weißen Röcken, schwarzen Löchern, blinden Spiegeln, Einkaufspolonäsen, betrügerischen Marktfrauen und Segelunfällen. Kurz: Vom ganz normalen Wahnsinn blinden Lebens, das so ganz anders ist, als die Sehenden es sich vorstellen. Vor allem ist es oft zum Schreien komisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ruth Wunsch / Matthias Brömmelhaus: echt blind – Wahre Geschichten aus der Dunkelwelt.&lt;br /&gt;edition octopus im Verlagshaus Monsenstein &amp;amp; Vannerdat, Softcover, 96 Seiten, ISBN 978-3-86991-472-5, 8,80 €.&amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;»Echt blind« ist im Moment nur &lt;a href=&quot;http://www.mv-buchshop.de/catalog/product_info.php/products_id/2045&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;direkt beim Verlag zu bestellen&lt;/a&gt;, bis es auch im stationären Buchhandel und bei Onlinehändler erhältlich ist, dauert es noch ein bisschen. Genauso braucht auch das eBook noch ein bisschen Zeit, aber selbstverständlich wird es das Buch in allen gängigen Formaten geben.&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Thu, 08 Dec 2011 14:13:36 +0100</pubDate>
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    <title>Unerbittlich und kalt</title>
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            <category>Der Täter schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Soziale Netzwerk sind Monitore, die nahezu ungefiltert die Gedanken- und Gefühlswelt von Nutzern wiedergeben. Das kann erheiternd sein - und erschreckend und verstörend. In dieser Woche habe ich vor allem die dunkle Seite von Facebook und Co. kennengelernt. &amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Erstes Beispiel. Die Kommentare zu diversen Blogposts über die rassistischen Morde einer Nazi-Terrorgruppe offenbaren, wie tief der braune Sumpf in bürgerliche Kreise eingedrungen ist. Auf einem regionalen Blog, das über eine Demonstration gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit berichtet, tummeln sich Kommentatoren, die sich offen zu ihrem braunen Gedankengut bekennen. Auch bei anderen Artikeln wurden Sozialdemokraten, Gründe und Linke dort bereits offen und unflätig beschimpft. Alles geschieht selbstverständlich unter dem Schutz der Anonymität. Die Blogbetreiberin hat sich entschlossen, die braunen Kommentare quasi als Mahnmal stehen zu lassen. Ein ehrenwerter Versuch, der allerdings nicht der Aufklärung dient. Mit Faschisten kann man nicht diskutieren - mehr noch: man darf es nicht. Nazis lassen sich nicht durch Argumente überzeugen. Wer ihnen Raum für Auftritte gibt, lässt zu, dass viele Bevölkerungsgruppen und Minderheiten diskriminiert werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass ihnen andere Leser auf den Leim gehen. Auf keinen Fall kann das Recht auf eine anonyme Meinungsäußerung im Internet für Faschisten und Rassisten gelten.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Auch ein Twitterer aus meiner Heimatstadt verbreitete in dieser Woche ganz offen sein rassistisches Gedankengut, ohne dass ihm jemand widersprochen hätte. Haben wir uns bereits dermaßen an den alltäglichen Faschismus gewöhnt, dass es uns nicht mehr aufregt, wenn jemand in Stürmer-Manier schreibt: »Da werden kunstvolle, medial wirksame Floskeln wie Rechtsradikaler Terrorismus geschaffen - aber ‚Ahmed‘ hat auch schon 5 Morde hinter sich.« Ich habe den User geblockt - wäre es nicht eigentlich ein Fall für die Staatsanwaltschaft?&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Zweites Beispiel: In den vergangenen Tagen sah man bei Facebook wieder und wieder Fotos von geschundenen und getöteten Hundeleibern. Dazu die Aufforderung, sich für einen Boykott der Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine im kommenden Jahr einzusetzen, weil die dortige Regierung die streunenden Hunde in den Großstädten auf brutalste Art und Weise töten lasse.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Wenn es stimmt, dass die Hunde gequält, erschlagen, teilweise bei lebendigem Leib verbrannt werden - und es spricht vieles dafür, dass dies tatsächlich geschehen ist - ist der Protest gerechtfertigt und es ist erfreulich, dass er anscheinend erfolgreich war, auch wenn das eigentliche Problem - und herrenlose, streunende Hunde sind ein Problem - damit nicht gelöst ist. So weit, so gut? Weit gefehlt. Ich empfehle, einen Blick in die Kommentare unter den entsprechenden Posts zu diesem Thema zu werfen. Selten ist mir in den vergangenen Jahren so viel Hass und Gewaltbereitschaft untergekommen wie hier. Die vorherrschende Meinung: Wer Tieren etwas antut, verliert alle Grundrechte. Ganz offen wird dazu aufgerufen, Menschen, zu foltern, sie bei lebendigem Leib zu verbrennen oder auf andere bestialische Weise zu töten. Wenn Sprache Ausdruck der Haltung eines Menschen ist, wird mir angesichts dieser Tierschutzextremisten angst und bange.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Drittes Beispiel. Vor einiger Zeit schenkte mir jemand den »Schutzengel« von Paulo Coelho. Wenn ich ein Buch geschenkt bekomme, lese ich es auch, selbst wenn es in weiten Teilen eine Qual ist. Vor kurzem fand ich eine überschwänglich positive Rezension und kommentierte, für mich sei das Buch eher eine Ansammlung von Aphorismen als eine philosophische Betrachtung. Außerdem könne ich mit Coelhos Idee einer Weltenseele und seiner Besessenheit von Zeichenmystik nichts anfangen. Zum Schluss lobte ich Coelho sogar, man müsse ihn (Zitat:) »aus der unübersehbaren Schar der selbst ernannten Weisen herausheben, weil er sich auch für Toleranz und zivilgesellschaftliches Engagement einsetzt. Denn in der Tat unterscheidet er sich damit grundlegend von der Mehrzahl der anderen Welterklärer, die das Ego des Einzelnen zum Maß aller Dinge machen. Da ist das ganze Universum nur dafür da, meine Wünsche zu erfüllen. Ich muss nur wissen, wie es funktioniert, muss die richtige Technik lernen, und es wird mir an nichts mangeln. Mich wundert immer wieder, dass anscheinende so wenige Menschen den Zynismus dahinter erkennen. Wenn es, wie von den Apologeten des »Think positive!« und anderen behauptet, nur darum geht, eine bestimmte Art des Denkens zu beherrschen, damit mir meine Wünsche erfüllt werden und es mir an nichts mangelt, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Verhungernde in den Slums von Lagos an seiner Situation selbst schuld ist.«&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Oh je, da hatte ich etwas angerichtet. Rund zwanzig wütende, meist weibliche Kommentatoren beschimpften mich als »Schwachkopf« oder »unwürdigen Schreiberling«, dem man »den Mund verbieten sollte, damit er seine Mitmenschen mit seinem Geschreibsel nicht vergiftet«. Niemand setzte sich mit meiner sachlich vorgetragenen Meinung auseinander, sondern man forderte mich nur unmissverständlich auf, den Mund zu halten und den »großen Weisen« nicht zu beleidigen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Das ganze war natürlich mein Fehler, denn ich hätte wissen müssen, dass es bei Coelho um Religion geht, der nun einmal Intoleranz immanent ist. Immerhin erreichte ich, dass die Blogbetreiberin meinen Beitrag löschte. Mit einer solchen Diskussion möchte ich nicht in Zusammenhang gebracht werden.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Mich erschreckt der Hass, die Engstirnigkeit und Unerbittlichkeit, die sich im Netz und in der realen Welt auszubreiten scheint und für die es noch viele andere Beispiele gibt. Geht mal zum Griechen um die Ecke und fragt den Wirt, wie er sich gerade fühlt in dem Land, in dem er seit Jahrzehnten lebt. Ihr werdet verstehen, was ich meine.&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Sat, 26 Nov 2011 14:51:02 +0100</pubDate>
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    <title>Fünf aus Zwanzig</title>
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            <category>Der Täter schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Vor ein paar Wochen bekam ich eine E-Mail von Melanie Voß und Philippe Wyssen. Die beiden betreiben das wunderbare Blog &amp;quot;Fünf Bücher&amp;quot;,&amp;#160;in dem sehr unterschiedliche Menschen Woche für Woche die Frage beantworten, welche fünf Bücher ihnen am meisten bedeuten. Und zu diesen Menschen sollte ich auch gehören, wenn ich Lust hätte. Und ob ich hatte. Meine fünf Lieblingsbücher aussuchen und besprechen - kein Problem. Dachte ich. Es folgte tagelanges Grübeln und Hadern. Als erstes stellte ich eine Liste auf. Ein Kinderbuch sollte und mindestens ein Krimi musste dabei sein, das stand schnell fest. Vor allem beim Krimi hatte ich auf Anhieb fünf Titel auf dem Zettel. &amp;#160;Und dann sprudelte es aus mir heraus. Autorenname auf Autorenname. Nachdem ich ein gutes Dutzend Bücher wieder gestrichen hatte, standen dort immer noch 20 Titel. Keines dieser Werke wollte freiwillig weichen. Jedes kämpfte um sein Recht, zu meinen fünf wichtigsten Leseerlebnissen zu gehören. Alle hatten sie gute Argumente. B. Traven zum Beispiel zeigte mir, dass spannende Literatur nicht trivial sein muss. Hans Falladas »Jeder stirbt für sich allein« habe ich gerade vor ein paar Monaten begeistert wiederentdeckt, er gehörte genauso auf die Liste wie James Baldwin, der mich in »Beale Street Blues« gelehrt hatte, wie Rassismus entsteht und funktioniert. Grass, Böll, Lenz, Uwe Timm .... Sie alle haben mir geholfen, die Welt um mich herum ein bisschen besser zu verstehen. Über David Forrests Satire »Und meinem Neffen Albert vermache ich die Insel, die ich Fatty Hagan beim Pokern abnahm« habe ich gelacht, wie über kaum ein anderes Buch. Und wie zum Teufel sollte ich mich bei den Krimis beschränken. Kann es eine Liste meiner Lieblingsbücher geben ohne Sjöwall-Wahlöö, Graham Greene, James M. Cain, Dorothy Sayers und, und, und.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Die harmlos erscheinende Bitte, die fünf Bücher auszusuchen, die ich für die wichtigsten in meinem Leben halte, erwies sich als nahezu unüberwindliche Hürde. Immer wenn ich fast am Ziel war, wenn ich nur noch ein oder zwei Titel streichen musste, tauchte aus den Tiefen meiner Erinnerung ein Werk auf, das ich bisher völlig vergessen hatte und ohne das diese Liste undenkbar wäre.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;So beschäftigte mich mein Beitrag für »Fünf Bücher« tagelang. Es war ein schwieriger Abwägungsprozess, der mir klar wie nie zuvor vor Augen führte, welche große Rolle Literatur in meinem Leben gespielt hat und spielt. Was für wunderbare Schriftsteller habe ich über ihre Werke kennenlernen dürfen. Sie alle habe mich auf ihre Weise bereichert.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am Ende schaffte es keiner der hier genannten Autoren in meinen Beitrag für die »Fünf Bücher«. &lt;a href=&quot;http://fuenfbuecher.de/2011/10/31/87-fuenf-buecher-von-matthias-broemmelhaus/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Aber lesen Sie selbst.&lt;/a&gt;&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Mon, 31 Oct 2011 15:09:18 +0100</pubDate>
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    <title>Radio zum Träumen</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/173-Radio-zum-Traeumen.html</link>
            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Einmal im Jahr läuft bei uns das Radio den ganzen Tag bis spät in die Nacht. Dann ist SWR-Hitparadenzeit. Dann ist Radio so wie früher. Dann werden eine Woche lang nicht die immer gleichen Playlists runtergenudelt. Dann hört man Musik, die sonst nur in Sparten-Webradios ertönt oder von der eigenen Musiksammlung. &amp;#160;Hardrock zum Beispiel gibt es außer in der Hitparadenwochen im Mainstreamradio nur in homöophatischen Dosen. Abends schmerzt der Kopf vom exzessiven Headbanging. Nur gut, dass in meiner Schreibstube keine Webcam steht wie im SWR1-Studio. Headbanging ohne lange Haare ...&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Apropos Kopf. Musik ist einer der stärksten Katalysatoren für Erinnerungen. Immer wieder starten einzelne Songs lange Filmsequenzen im Kopfkino. Der »Song of Joy« von einem gewissen Miguel Rios zum Beispiel war die erste Platte, die ich mir von meinem eigenen Geld kaufte und auf meine Kofferplattenspieler von Dual rauf und runter hörte. Nun gut, heute ist das nur noch wegen der nostalgischen Gefühle zu ertragen. Meine erste Langspielplatte war dann »Bridge over troubled water« von Simon and Garfunkel. Jetzt ging es bergauf. Die Musik, die ich zur Vermeidung von Auseinandersetzungen mit meinen Eltern, die für meinen sich entwickelnden Musikgeschmack kein Verständnis aufbrachten, mittels riesiger, schaumgepolsterter Kopfhörer hörte, wurde immer rockiger und lauter. Mein zweites Album war »Aqualung« von Jethro Tull und das dritte war »Deep Purple in Rock« - genau, das mit dem Mount-Rushmore-Cover. &amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Und dann Pink Floyd. »Echoes« nahm die ganze Rückseite ihrer legendären LP Meddle ein. Ein Stück von 23 Minuten Länge ist nicht radiokompatibel und auch diesmal kam ein Geisterfahrer dazwischen. Passt ja irgendwie auch zu dieser psychodelischen Musik. Vielleicht war der Fahrer einfach nur bekifft. Soll ja mal vorkommen.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Die SWR1-Hitparade ist eine Art Retrospektive der eigenen Entwicklung. Mehr noch: Es ist Nostalgie pur. Als vorhin »A whiter shade of Pale« von Procul Harum durch den Lautsprecher perlte, lief mir ein Schauer über den Rücken. Die lange Fetennächte damals. Wir waren so jung. Wir tanzten eng umschlungen und träumten. Die Mädchen waren so verführerisch - und meistens so unerreichbar.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Auch wenn die TOP-30 vorhersehbar sind, denn sie bleiben seit Jahren immer fast gleich, werde ich heute bis zum Ende dabei bleiben. Ist ja auch noch das eine oder andere Mal Headbangen angesagt. Und vielleicht geschieht ein Wunder und »Child in time« liegt dieses Jahr vor »Stairway to heaven«. Man wird ja mal träumen dürfen.&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 28 Oct 2011 15:39:35 +0200</pubDate>
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    <title>Jahresendralley</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Verfolgt man so manche Diskussion in den sozialen Netzwerken, könnte man den Eindruck gewinnen, dass dank Kindle &amp;amp; Co. immer mehr Menschen in unserem Land der Dichter und Denker vom Schreiben leben. Wahre Wunderdinge erzählt man sich über die ach so schöne neue Publikationswelt. Endlich werden die Autorinnen und Autoren, die nächtelang über ihren Krimis (alternativ Horror-, Vampir-, Chick-Lit-Romanen) brüten und sich die Finger auf den Tastaturen blutig klopfen auch pekuniär für ihre Mühen entlohnt. Endlich muss man sich nicht mehr von den Türstehern der Verlage abweisen lassen, die ohnehin nur durchlassen, wen sie kennen oder von Agenten und anderen Bösewichtern empfohlen bekommen haben. Nein, heute kann jeder, der über ein wenig Talent und viel Sitzfleisch und Ausdauer verfügt, sein Leben vom Schreiben bestreiten.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ende der Märchenstunde. Die Realität sieht nach wie vor völlig anders aus. Natürlich gibt es in Deutschland Menschen, die ausschließlich davon leben, sich Texte auszudenken. Ich gehöre dazu. Die Mehrheit dieser Autorinnen und Autoren finden sich allerdings nicht in der Belletristik, sondern die allermeisten schreiben Sachbücher sowie Auftrags- und Gebrauchstexte. Es gibt in diesem Land mehr Profifußballer als Schriftsteller, für die Schreiben die einzige und damit lebensunterhaltende Profession ist. Selbst in den auflagenhohen Genres gehen viele Autoren einem Brotjob nach oder haben einen Partner, der regelmäßig einen ausreichend hohen Gehaltsscheck mit nach Hause bringt.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Das gleiche gilt für Auftragsschreiber - auch in meiner Branche der Biografen und Personal Historians. Mit dem Schreiben seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist nämlich entgegen landläufiger Meinung ein hartes Geschäft. Der freiberufliche Autor agiert als Kleinstunternehmer, der für alles selbst verantwortlich ist. Die Administration (Buchführung, Steuererklärungen, Kundenakquise usw.) frisst entweder Geld oder Zeit, die zum Geldverdienen fehlt. Zudem wird man immer wieder vor technische Probleme gestellt, von denen man wenig bis gar nichts versteht und muss sich mit gestalterischen Fragen abseits des Schreibens beschäftigen. Zum Glück habe ich von Anfang an &lt;del&gt;eine&lt;/del&gt;&amp;#160;die beste aller Buchgestalterinnen an meiner Seite, die mir bei erträglichen Kosten viel Arbeit abnimmt. Trotzdem gibt es immer wieder Phasen, an denen der Tag zu wenige Stunden hat. Im Moment ist das so, wie ein Blick auf meinen Projektplan bis zum Jahresende verdeutlich.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt; 
&lt;ol&gt; 
&lt;li&gt;Eine Unternehmerbiografie ist im Druck. Auslieferung beim Kunden Anfang Dezember.&lt;/li&gt; 
&lt;li&gt;Die Druckfahnen eines Buches über die oft skurrilen Alltagserlebnisse einer achtzigjährigen, blinden Dame lagen heute im Posteingang und sollten möglichst schnell überarbeitet werden, wenn der Erscheinungstermin Ende des Jahres gehalten werden soll.&lt;/li&gt; 
&lt;li&gt;Den Rohtext der Autobiografie eines Heim- und Pflegeopfers (&lt;a href=&quot;http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/170-Erfolgsgeschichten.html&quot;&gt;mehr dazu hier&lt;/a&gt;) habe ich letztes Wochenende abgeschlossen. Jetzt folgt die Überarbeitung und Abstimmung mit der Erzählerin, wozu ich vermutlich noch einmal zu ihr ins Rheinland fahren muss. Geplanter Erscheinungstermin: Anfang 2012&lt;/li&gt; 
&lt;li&gt;Ich schreibe derzeit an der Autobiografie eines Sachsen (die dreitägigen Interviews habe ich in der vergangenen Woche geführt), der als Kleinkind zusehen musste, wie sein Vater von russischen Soldaten erschossen und seine Mutter vergewaltigt wurde. Sie starb kurz darauf genau wie die Oma auf der Flucht an Typhus. Trotzdem ist es eine glückliche Lebensgeschichte, denn er wurde von großartigen Menschen adoptiert, deren Handwerksbetrieb er übernahm und nach der Wiedervereinigung zu einem erfolgreichen, kleinen Unternehmen ausbaute. Mein Problem: Das Buch sollte, wenn es irgendwie möglich ist, am 70. Geburtstag des Erzählers vorliegen - und der ist am 31.12.2011.&lt;/li&gt; 
&lt;li&gt;Zwischendurch fliege ich Ende kommender Woche für fünf Tage nach Toronto, um die Interviews für eine neue Biografie und Firmengeschichte mit einem Erzähler zu führen, der in den 60-iger Jahren nach Kanada auswanderte und dort ein Weltunternehmen aufbaute. Zum Glück gibt es hier keinen Druck, was den Fertigstellungstermin angeht. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres muss dieses Projekt aber abgeschlossen sein.&lt;/li&gt; 
&lt;/ol&gt; 
&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Mit der romantischen Vorstellung von einem Autoren, der in aller Ruhe des Nachts an seinem Schreibtisch sitzt, hin und wieder an einem Glas schweren Rotweins nippt und gedankenverloren seit einem Jahr an einem Text feilt, der ihm einen satten Honorarscheck einbringen wird, hat das nichts zu tun.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Trotzdem habe ich den schönsten Beruf der Welt und ich beschreibe meine Projekte auch nicht, um Mitleid zu erzeugen. Im Gegenteil: Ich habe viele Jahre hart gearbeitet, damit mein kleines Unternehmen so erfolgreich ist. In dieser Zeit habe ich Heerscharen von Biografinnen und Biografen auf dem Markt erscheinen und wieder verschwinden sehen. Die meisten hatten bestimmt am Anfang hochfliegende Pläne und wurden bald von der Realität eingeholt. Ich denke, so wird es auch den meisten hoffnungsfrohen Jungautoren ergehen, die ihre Werke jetzt schnell und einfach via KDP und Konsorten publizieren.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Am schnellsten waren in meiner Branche übrigens die Billigheimer wieder weg, die bald bemerkt haben werden, dass sie bei ihren Minihonoraren niemals genug Aufträge akquirieren, geschweige denn schreiben können, um von ihrem Gewinn auch nur die Grundnahrungsmittel zu kaufen. Und so weit geht die Liebe zum Schreiben bei den meisten dann doch nicht. Zum Glück!&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Thu, 27 Oct 2011 12:19:49 +0200</pubDate>
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    <title>Die Freiheit des Auftragsbiografen</title>
    <link>http://www.schreibtaeter.eu/index.php?/archives/171-Die-Freiheit-des-Auftragsbiografen.html</link>
            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Stillstand ist Rückschritt. Diese unternehmerische Weisheit gilt auch für Kleinunternehmer wie mich. Dazu kommt, dass die Branche der Privat- und Auftragsbiografien noch &amp;#160;jung und damit ständig im Umbruch ist. Vor allem, wenn es gut läuft, und das ist bei mir im Moment der Fall, sollte man sich nicht ausruhen, sondern nach Entwicklungspotenzial suchen. Deshalb betrete ich in den kommenden Wochen Neuland. Bisher galt für mich das Postulat: Ich schreibe Auftragsbiografien, die als Privatdruck erscheinen, weil sie sich nur an einen kleinen, beschränkten Leserkreis aus Familie, Freunden, Kunden und Geschäftspartnern richten. In dieser Beschränkung sehe ich eine besondere Stärke im Angebot eines &amp;quot;Personal Historian&amp;quot; - die englische Berufsbezeichnung gefällt mir mehr und mehr besser als ihre sperrigen deutschen Pendants. Ich schreibe die Lebensgeschichte meines Auftraggebers ungefiltert und ohne Rücksicht auf Marktmechanismen nehmen zu müssen. &amp;quot;Meine&amp;quot; Biografien müssen keinen Verlagslektor überzeugen und &amp;#160;in keiner Vertreterkonferenz bestehen. Die einzige Beurteilungsinstanz ist der Erzähler selbst, der sich in seiner Autobiografie wiederfinden und das Gefühl haben muss, dass seine Lebensgeschichte adäquat erzählt ist.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;An diesem Angebot, mit dem ich seit acht Jahren erfolgreich im Markt der Auftragsbiografien tätig bin, wird sich nichts ändern. Es wird nur um eine Nuance erweitert, denn hin und wieder begegnen mir Geschichten, denen ich einen größeren Leserkreis wünsche. Ich weiß, dass es vielen Kolleginnen und Kollegen ähnlich geht. Die meisten bieten einen Publikationsservice an, bei denen der Kunde zwischen einem Privatdruck und einer BoD-Veröffentlichung (in der Mehrzahl der Fälle wohl sogar bei gleichnamigem Dienstleister) wählen kann. Nur wenige haben es geschafft, ein als Auftragsbiografie entstandenes Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Trotzdem dachte ich zunächst an den klassischen Verlagsweg, als ich an einem Text arbeitete, der zwischen Biografie und erzählendem Sachbuch angesiedelt war. Im weitesten Sinn geht es um das Leben mit einer Behinderung - dafür müsste sich doch ein Verlag interessieren lassen. Also schrieb ich Bewerbungen, führte unzählige Telefonate mit Lektoren, sprach mit Agenten. Das Ergebnis nach über einem Jahr Akquise und Recherche: Zeitzeugenberichte Unbekannter werden von Lesern zwar durchaus nachgefragt, fristen im Buchmarkt aber abgesehen von fach- und populärwissenschaftlicher Literatur, in der sie Quellen der Alltagshistorie sind, und in gelegentlichen themenspezifischen Anthologien ein Nischendasein. Authentische &amp;quot;Betroffenheitsliteratur&amp;quot; über Krankheit und Behinderung hat zwar eine etwas größere Chance, vorausgesetzt das entsprechende Leiden steht im Focus der Öffentlichkeit. Wer jetzt über Burn-out schreibt, hat Glück. Mit Blindheit - und darum geht es in meinem Fall - kann man hingegen derzeit keinen Blumentopf gewinnen. Mit viel Geduld ließe sich vielleicht ein Kleinverlag finden, der das Buch in sein Programm nimmt - und es in der Nische abstellt. Über Auflagenhöhen und Honorare schweigt man da besser.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Die Bezahlung - und hier kommt abermals die besondere Situation des Auftragsbiografen ins Spiel - ist für mich bei der Suche nach einem Publikationsweg kein entscheidendes Kriterium. Mein Honorar hat der Auftraggeber längst bezahlt, wenn das Buch - auf welchem Weg auch immer - in den Verkauf kommt. Die Verlagshonorare sollen dem Erzähler zufließen, der wiederum von Anfang an mit keiner Refinanzierung meines Autorenhonorars gerechnet hat, denn so kommuniziere ich das jedem Interessenten und möglichen Auftraggeber vom ersten Gespräch an. Ideale Voraussetzungen also, um sich nach alternativen, unabhängigen Möglichkeiten umzusehen. Dass die Publikationsmöglichkeiten und -wege im Umbruch sind, ist schließlich in aller Medienmunde.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Nach der Verlagssuche begann also die Suche nach dem richtigen Dienstleister, der eine unabhängige Publikation zu absolut transparenten und professionellen Bedingungen ermöglicht. Dabei ist die Druckvorstufe - Korrektorat, Layout usw. - kein Problem, sondern seit Jahren eingespielte Praxis. Die von mir zusammen mit meiner &lt;a href=&quot;http://www.sabineherke.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Buchgestalterin und Grafikerin&lt;/a&gt; erstellten und beim&lt;a href=&quot;http://www.schaltungsdienst.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; Schaltungsdienst Lange&lt;/a&gt; in Berlin gedruckten Bücher unterscheiden sich qualitativ nicht von Verlagsprodukten. Obwohl, das stimmt nicht, denn sie heben sich positiv von der Masse der billig gedruckten und gebundenen Printmedien (das Wort Buch kommt mir in diesem Zusammenhang nur schwer über die Lippen) ab. Der Schaltungsdienst ist eine herausragend gute Druckerei für Kleinauflagen. Meine Privatdrucke - und das wird weiterhin die überwiegende Mehrheit aller Aufträge bleiben - werde ich weiter dort herstellen lassen. Als ausgewiesener Publikationsdienstleister glänzen die &amp;quot;Schaltungsdienstler&amp;quot; aber nicht.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Inzwischen habe ich mich entschieden, wo und wie ich den für mich neuen Publikationsweg beschreiten werde. Über Details schweige ich im Moment noch - über ungelegt Eier, Sie wissen schon! Alles ist aber auf einem guten Weg. In ein paar Wochen gibt es dann mein erstes, unabhängig veröffentlichtes Buch. Als Print und als eBook. Im Gegensatz zu den meisten Kolleginnen und Kollegen werde ich bei den Auftragsarbeiten, die ich für veröffentlichungswürdig halte und deren Publikation ich betreue, übrigens nicht als Ghostwriter unsichtbar bleiben, sondern als Co-Autor auf dem Titel stehen. Weil ich zu meiner Arbeit und zum &amp;quot;Self Publishing&amp;quot; stehe. Alles Weitere später in diesem Blog.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 12 Oct 2011 13:16:53 +0200</pubDate>
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    <title>Erfolgsgeschichten</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Kürzlich sagte mir ein Freund: »Du hast es gut! Als Biograf schreibst du doch immer nur Erfolgsgeschichten.«&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Auf den ersten Blick scheint es so. Die meisten Menschen, die ihre Lebensgeschichten von einem Personal Historian dokumentieren lassen, stehen auf der Sonnenseite des Lebens. »Schaut, was ich geleistet habe!« Karriererückblick als Motiv, die eigene Autobiografie verfassen zu lassen.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ein solcher Blick auf meinen Beruf bleibt allerdings an der Oberfläche. Auch die Lebensgeschichten von Erfolgsmenschen stecken oft voller Brüche. Nur selten waren in Hänschens Kindertagen schon die Lorbeeren gepflanzt, die der »große Hans« einst ernten würde. Von der Wiege bis zur Bahre immer steil bergauf - so einen Lebenslauf habe ich bisher noch nicht kennengelernt. Und ich bin nun wirklich schon lange dabei.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Immer wieder höre ich aber auch Geschichten, die so gar nicht in das Bild passen wollen, das man sich gemeinhin von Privatbiografien macht. Wie etwa die Lebensgeschichte von Waltraud, dich mich in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen wird. Geboren Anfang der 1960-iger Jahre als &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Jenische&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Jenische&lt;/a&gt;, wird sie nach zweijährigem Kinderheimaufenthalt von einer Familie in einem Osttiroler Dorf adoptiert. Es folgen wenige glückliche Kinderjahre, bis erst die Mutter und dann auch der Vater stirbt. Die Pflegefamilie, bei der die siebenjährige Waltraud unterkommt, ist weniger an ihrem Wohlergehen als an ihrer Waisenrente interessiert. Das Kind wird geschlagen und psychisch misshandelt - später auch vergewaltigt. All das geschieht mehr oder weniger öffentlich, aber die Dorfbewohner schauen weg. Die Pflegeeltern sind alteingesessene Dörfler und das Kind ist ja nur eine Zigeunerin.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Es schließen sich Aufenthalte in einem Kinderheim und schließlich in einem der berüchtigtsten österreichischen Erziehungsheime an.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Nach der Entlassung kommt die psychisch äußerst labile und zur Unterwerfung unter Autoritäten erzogene junge Frau wie die meisten ihrer Leidensgenossinnen beinahe in einem Kreislauf von Abhängigkeit, sexueller Gewalt und Ausbeutung unter die Räder. Es dauert Jahrzehnte, bis sie sich daraus befreien kann. Heute führt Waltraud ein kleines, erfolgreiches Unternehmen in der IT-Branche. Auch das also eine Erfolgsgeschichte. Teuer erkauft allerdings und zutiefst beeindruckend.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Ich werde diese Biografie zusammen mit Waltraud schreiben. Als Mutmachbuch. Und als Anklage gegen diejenigen, die durch aktives Handeln oder durch Unterlassen und Wegschauen zu Tätern wurden.&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Wed, 05 Oct 2011 13:31:36 +0200</pubDate>
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    <title>Die Disziplin des Biografen</title>
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            <category>Der Biograf schreibt</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Matthias Brömmelhaus)</author>
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    &lt;div&gt;Die Ratgeberbücher zur Arbeitsorganisation für Selbstständige und Freiberufler füllen Regalwände. Da soll man vereinfachen, Pläne schreiben, Ziele skizzieren, Wiedervorlagemappen befüllen, Listen anlegen, Projekte in kleine Schritte zerhacken und was weiß ich alles noch. Das Ziel: Dinge - sprich anfallende Arbeit - erledigt zu bekommen. Ich gebe zu: Einige dieser Schmöker verstauben auch bei mir im Keller. Wenn wieder einmal zu viele Post-It am Bildschirm klebten, die Papierstapel auf dem Schreibtisch zu dick und der Zeitdruck zu groß wurde, kaufte ich den aktuell erschienene Ratgeber mit der ultimativen Methode, seinen Arbeitsalltag perfekt zu organisieren. Manche Autoren versteigen sich gar zu versprechen, das Leben in seiner ganzen Fülle zu optimieren. Ich las das Buch - besser: ich arbeitete es durch, denn genau das wird in der Regel erwartet. Nur Lesen hilft nicht. Man muss am Problem arbeiten. Also schrieb ich Pläne, skizzierte Ziele, kaufte Wiedervorlagemappen ... Siehe oben. Jedes Mal stellte sich schnell ein gutes Gefühl ein. Die gewählte Methode funktionierte. Ich hatte schöne Listen, prall gefüllte Wiedervorlagemappen. Und Zeitdruck. Denn statt am aktuellen Projekt zu arbeiten, hatte ich mich damit beschäftigt, wie ich am besten an dem Projekt arbeite. Nach spätestens vier Wochen landeten Listen, Mappen und all der Krempel im Papierkorb.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Irgendwann hörte ich auf, mir von anderen sagen zu lassen, wie ich meinen Alltag zu organisieren hatte. Die Methoden all dieser Gurus haben nämlich einen entscheidenden Webfehler. Sie kennen meine Arbeit nicht. Sie haben keine Ahnung, was ein Biograf tut, wie sein Arbeitstag idealerweise aussieht.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Eine Biografie zu schreiben ist ein über mehrere Monate laufendes Projekt mit klar definierten Arbeitsschritten.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Informationsgespräch - Biografische Interviews - Schreiben einer 1. Textfassung / Stoffsammlung - Besprechung dieser Textfassung mit dem Kunden - Einarbeitung von Änderungswünschen / Ergänzungen - Schreiben eines Manuskripts - Redaktion und Korrektorat - Buchproduktion.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Dazu kommen die administrativen Arbeiten - Buchführung, Rechnungswesen, Korrespondenz mit KSK - und natürlich die Kundenakquise.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Das größte Problem kennen alle Freelancer: Aufträge kommen nie schön geordnet nach und nach. Manchmal gibt es über Wochen kaum Nachfrage und dann schließt man mehrere Verträge gleichzeitig ab. Das macht die Organisation der Arbeit schwieriger. Mit der Zeit aber lernte ich, dass auch in absoluten Stressphasen, wenn sich die Aufträge und damit die Arbeit überschlägt, nur eines hilft: Ruhe und die Disziplin eines geordneten Arbeitstages. Der sieht bei mir so aus:&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Während des Frühstücks und danach: Zeitungslektüre (teils ePaper, teils online) und ein Blick in abonnierte Blogs.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Um 10 Uhr sitze ich am Schreibtisch. Als erstes kommen bei mir die administrativen Dinge an die Reihe. Dann beantworte ich E-Mails, rufe Interessenten oder Kunden an, schreibe einen Blogartikel wie diesen, kommentiere auf anderen Blogs oder in Facebook.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Gegen 11:30 verlasse ich das Haus zu meinem täglichen Spaziergang durch den Wald, der direkt vor unserem Haus beginnt. Eine Stunde bin ich in der Regel draußen.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Nach einer Tasse doppelten Espresso sitze ich spätestens um 13 Uhr wieder am Schreibtisch. Jetzt beginnt die Arbeit am aktuellen Projekt. Zunächst lese ich, was ich am Tag zuvor geschrieben habe und nehme erste Korrekturen vor. Dann beginne ich mit dem Schreiben. Dabei gibt es klare Vorgaben, was ich jeden Tag zu erledigen habe. In der Schreibphase zum Beispiel endet mein Arbeitstag nicht, bevor ich zehn Seiten Rohtext geschrieben habe. Wenn es gut läuft oder der Erzähler seine Erlebnisse sehr strukturiert schildert, erreiche ich mein Ziel vielleicht schon um 18 Uhr. Dann kann es sein, dass ich eine oder zwei Seiten mehr auf die Festplatte bringe, was allerdings nicht auf das Pensum des folgenden Tages angerechnet wird.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Oft genug habe ich aber auch erst spätabends Feierabend.&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Natürlich gibt es zwischendrin Pausen für Kaffee, ein bisschen Obst, ein Schwätzchen und, sollte es mal wieder später werden, ein ruhiges, genussvolles Abendessen mit meiner Frau.&lt;br /&gt;Leider lassen sich auch Unterbrechungen nicht immer vermeiden: Telefonanrufe, die ich annehmen muss, Mails, die sofort beantwortet werden müssen usw. Deshalb ist es für mich auch unabdingbar, ein tägliches Ziel an Seiten festzulegen, die ich bis zum Feierabend schreiben muss. Eine Stundenzahl hilft hier nicht weiter, allzu oft wäre das Tagesergebnis dann zu unbefriedigend.&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Entscheidend ist die Disziplin, sich jeden Tag an diesen Ablauf zu halten und nicht in einen Schlendrian zu verfallen. Was auch immer man schreibt, wenn man es professionell tun will, ist es Arbeit!&amp;#160;&lt;/div&gt; 
&lt;div&gt;Letztendlich wird man aber auch belohnt - bzw. kann sich selbst belohnen. Mit Ferientagen abseits der Ferien und Wochenenden, Phasen des Müßiggangs und des Genusses. Sie sind extrem wichtig, wenn man in den Arbeitsphasen produktiv sein will und die Aussicht darauf hält einen aufrecht, wenn es mal wieder drei Wochen bis zum nächsten freien Tag dauert. Vor so einer Phase stehe ich jetzt. Morgen beginne ich ein neues Biografieprojekt, dem in den nächsten Monaten zwei weitere folgen. Zu schaffen ist das nur mit eiserner Disziplin. Schreiben sorgt nicht nur für Schwielen im Gehirn, sondern vor allem am Hintern. Trotzdem möchte ich mit niemandem tauschen, der in einem Neun-bis-Fünf-Uhr-Job steckt. Das Freiberuflerleben hat zu viele Vorteile. Doch das ist ein anderes Thema und dafür bleibt jetzt keine Zeit.&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Wed, 21 Sep 2011 12:34:10 +0200</pubDate>
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